Labor der Eifelklinik Sankt Brigida Simmerath: Synlab kündigt Vertrag

Labor in Simmerath schließt : Für Blutproben kommt künftig das Taxi in die Eifelklinik

„Die Patienten des Simmerather Krankenhauses werden von der Veränderung nichts spüren“, ist Klinikleiter Andreas Grbic überzeugt. Nur noch bis Ende Juni werden die in der Eifelklinik Sankt Brigida genommenen Blutproben im hauseigenen Labor analysiert.

Spätestens ab 1. Juli sollen dann sämtliche Laborarbeiten extern wahrgenommen werden. „Wir gehen damit einen Wg, den fast alle Häuser in der Umgebung teils schon lange vor uns gegangen sind“, sagt Grbic und spricht von einer „allgemeinen Trendwende bei der Labordiagnostik in der Region.“ Im Falle Simmerath waren aber zumindest ursächlich nicht wirtschaftliche Gründe für die Veränderung ausschlaggebend. „Das Dienstleistungsunternehmen Synlab, das das Labor in unserem Haus seit mehreren Jahren betreibt, hat den Vertrag mit uns zum 30. Juni 2019 gekündigt – wohl in der Hoffnung, in ein besseres Wettbewerbsverhältnis zu gelangen, sprich: deutlich höhere Konditionen abschließen zu können“, erläutert der Klinikleiter.

Eine Kostensteigerung jedoch sei für die Eifelklinik nicht tragbar, so dass man bereits unmittelbar nach der Kündigung auf die Suche nach einem neuen Partner gegangen sei. Derzeit befinde man sich in Verhandlungen mit drei Anbietern, die jedoch allesamt externe Labordiagnostik anbieten würden. „Der Labormarkt ist aktuell sehr dynamisch und zukunftsorientiert. Da wird in den nächsten Jahren nichts so bleiben wie es war“, ist der Klinikleiter überzeugt und stellt fest: „Ein Angebot für ein Präsenzlabor im Haus liegt uns bislang aber nicht vor.“

Gleichwohl sei mit dem Auslagern der Laborarbeiten eine erweiterte Infrastruktur im Haus für die Notfall-Diagnostik und auch im Bereich der Geburtshilfe verbunden. Auch das sogenannte Point-of-Care-Testing (kurz POCT, zu deutsch: patientennahe Labordiagnostik), das in der Medizin diagnostische Untersuchungen beschreibt, die nicht in einem Labor, sondern im Krankenhaus unmittelbar auf der Krankenstation durchgeführt werden, gewinnt in der Eifelklinik zunehmend an Bedeutung.

Ein immer wichtigeres Thema sei im Bereich Labor auch die Digitalisierung, die den Dokumentationsaufwand, also die Archivierung genommener Untersuchungen, reduziere und eine schnelle Übertragung der Untersuchungsergebnisse vom Labor direkt zum behandelnden Arzt sicherstelle.

Mit einem klaren „Nein“ beantwortet Andreas Grbic die Frage, ob mit der räumlichen Auslagerung des Laborbereichs Nachteile verbunden seien. Dies sei aus den oben genannten Gründen weder in der Notfallmedizin, noch auf der Geburtshilfestation der Fall. „Die medizinische Frage, die sich uns stellt, lautet: Brauche ich ein Blutbild in zehn Minuten oder in zwei Stunden? Für Ersteres bleiben wir auch innerhalb des Hauses dezentral ausgestattet.

Muss das Ergebnis nicht unmittelbar vorliegen, leistet dies das externe Labor, das mehrmals am Tag Blutproben in der Eifelklinik und bei den niedergelassenen Ärzten in der Nordeifel abholt und zeitnah ins Zentrallabor transportiert. Dort hat das Fachpersonal dann ganz andere Möglichkeiten als in einem kleinen Labor“, weiß Grbic. So habe man beispielsweise die 24/7-Versorgung des Labors in der Eifelklinik bei Krankheitsausfällen teilweise nur sehr schwer aufrecht erhalten können, erklärt Esther Fernholz, Pressesprecherin der Artemed-Gruppe. Von daher sei der Wechsel zu einem Auftragslabor „auch eine qualitative Entscheidung“, unterstreicht die Klinikleitung.

Andreas Grbic macht aber auch keinen Hehl aus der wirtschaftlichen Verbesserung für den Krankenhausträger durch das Auslagern der Laborarbeiten: „Ein Zentrallabor kann natürlich ein ganz anderes Angebot für Laborleistungen machen, weil es Personal und Geräte für viele Proben täglich zur Verfügung hat“, erklärt Grbic.

Keine Information hat die Klinikleitung bisher zur Zukunft der aktuell neun Beschäftigten des Labors im Untergeschoss der Eifelklinik in Simmerath. „Diese Mitarbeiter sind keine Angestellten von uns, sondern des Laborbetreibers“, stellt Andreas Grbic klar. Innerhalb des Hauses seien jedenfalls nach dem 30. Juni keine Stellen mehr für Laborarbeiten vorgesehen, so Grbic.

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