Kunstrasenplatz in Kesternich offiziell eröffnet

Kunstrasenplatz in Kesternich offiziell eröffnet : Die ersten Tore auf dem neuen Grün

Gut zehn Minuten dauerte das rassige Fußballspiel auf dem satten Grün, dann schoss Max Wirtz ein Tor für die Geschichtsbücher: Der fünfjährige Bambinikicker aus Eicherscheid erzielte das 1:0 im allerersten Spiel auf dem neuen Kunstrasenplatz in Kesternich, der am Sonntag im Beisein von über 300 Gästen mit einem bunten Fußballfest feierlich eröffnet wurde.

Die beiden gastgebenden Vereine, der SV Nordeifel (SVN) als Hauptnutzer des Kunstrasenplatzes und der TSV Kesternich als federführender Verein bei der langjährigen Planung und Umsetzung, hatten den großen Tag bestens vorbereitet. Dabei stand an diesem Tag der Platz im Mittelpunkt, denn am Dorfgemeinschaftshaus, an der Turnhalle und rund um das Gebäude am Vereinsweg wird noch fleißig gewerkelt.

Weit über 100 Nachwuchsfußballerinnen und -fußballer bevölkerten in ihren dunkelblauen SVN-Trainingsanzügen Platz und Nebenanlagen, fleißige Helferinnen verteilten kostenlos Kuchen, Waffeln und Freigetränke, und viele Gäste aus der Politik, der Verwaltung, der Wirtschaft, aus den Vereinen und vor allem Bürger aus Kesternich waren der Einladung zu diesem besonderen Anlass gefolgt.

Die Feier eröffnete der 2. Vorsitzende des SV Nordeifel, Josef Dolfen, mit Dankesworten an die Adresse derer, die diese wunderbare Anlage in kürzester Zeit „aus dem Boden gestampft“ hätten. So kurz aber sei diese Zeit der Planung und Realisierung gar nicht gewesen, meinte Simmeraths Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns und erinnerte daran, dass der Planungsausschuss der Gemeinde bereits 2008 den Beschluss zur Aufstellung des Bebauungsplans gefasst habe, der dann aber erst 2011 Rechtskraft erlangte.

Nach einer ersten Vorstellung möglicher Erschließungsvarianten auf dem alten Sportgelände des TSV vergingen nochmals vier Jahre, ehe Anfang 2016 der TSV Kesternich und die Dorfgemeinschaftshaus GmbH die neue Planung in einer Sondersitzung in Simmerath vorstellten. „Zunächst gab es Pläne, einen Kunstrasenplatz in Rollesbroich zu errichten“, erinnerte Karl-Heinz Hermanns auch an einige Diskussionen, ehe es sich ergab, dass auch der SV Nordeifel den Platz nutzen sollte und damit alle darin zusammengeschlossenen Vereine, also Kesternich, Rollesbroich, Strauch, Steckenborn, Rurberg und Einruhr/Erkensruhr. Die Sportplatz-Situation in Kesternich und die zentrale Lage gaben dann letztlich den Ausschlag für den Bau des Kunstrasenplatzes in Kesternich durch die Gemeinde Simmerath, den der Gemeinderat schließlich beschloss.

Ermöglicht wurde das ehrgeizige Projekt dann aber erst durch eine großzügige Spende: Auf einer Turnierreise der Fußballjugend des SV Nordeifel nach Spanien sagte Alexander Wilden aus Huppenbroich, Geschäftsführer der im Gewerbegebiet Rollesbroich beheimateten Firma Schwartz, zu, den Kunstrasenbau mit 200 000 Euro zu unterstützen. „Das war letztlich der Türöffner“, sagte Hermanns und dankte dem Sponsor im Namen aller Beteiligten.

Für den Fußballkreis Aachen und die Vereine aus dem Altkreis Monschau gratulierten der in Kesternich wohnenende Kreisvorsitzende Bernd Mommertz (li.) und Ehrenvorsitzender Norbert Billig (Mitte) den Vereinsvertretern des SV Nordeifel, Josef Dolfen und Horst Voßen, sowie des TSV kesternich, Ralf Stollenwerk (von links) zur neuen Anlage. Foto: Heiner Schepp

In einer weiteren Sondersitzung beschlossen Struktur- und Sportausschuss dann im Mai 2016, dass die Gemeinde Simmerath für den Kunstrasenplatz insgesamt 535 000 Euro zur Verfügung stellt – inklusive besagter Spende und unter der Bedingung, dass die Grundstücke am bisherigen Sportplatz vermarktet werden und der SV Nordeifel sowie der TSV Kesternich enstprechende Eigenleistungen einbringen.

Durch Grundstücksverkäufe, Eigenleistung und die Großspende verblieben schließlich 113.000 Euro Investition für die Gemeinde Simmerath, die den Neubau schließlich über ihre Entwicklungsgesellschaft umsetzte. Hinzu kommt noch der Ausbau der Zufahrtsstraße und deren Anbindung an die Bundesstraße: „Diese hoffen wir im kommenden Jahr realisieren zu können“, kündigte der Bürgermeister an und würdigte abschließend auch das Engagement der beiden Vereine.

Weit über 100 Jungen und Mädchen jagen beim SV Nordeifel dem runden Leder hinterher und repräsentierten am Eröffnungstag des neuen Kesternicher Kunstrasenplatzes eine starke Jugendabteilung. Foto: Heiner Schepp

So schaffte der SV Nordeifel alle Fußballtore an, baute die große Zaunanlage rings um das Gelände und das Geländer am Platz. Der TSV Kesternich trug zum Kunstrasenplatz die Aufstellung und Installation der Flutlichtanlage sowie die Pflasterarbeiten auf dem Gelände bei und beteiligte sich am Bau von Umkleiden und Sanitärräumen.

„Für den TSV Kesternich kommt die heutige Eröffnung ein halbes Jahr zu früh“, sagte der Vorsitzende Ralf Stollenwerk angesichts der noch nicht fertiggestellten Turnhalle und des Dorfgemeinschaftshauses. Er zeigte aber Verständnis dafür, „dass der SV Nordeifel diesen wunderbaren Platz in der jetzt anstehenden Herbst- und Wintersaison bereits nutzen möchte“.

Schließlich fand am 14. August 2017 das letzte Spiel auf dem alten Sportplatz in Kesternich statt, und seither mussten die Fußballer in die anderen Orte des SV Nordeifel ausweichen. „Es war für die Vereine nicht so einfach“, erinnerte sich auch Ralf Stollenwerk an viele Diskussionen, ehe das Projekt mit dem Spatenstich am 17. September 2017 endlich in die Realisierung ging.

Das eigentliche Spielfeld mit einem Kunstrasen der neuesten Generation wurde schließlich vom 14. Mai bis 22. August dieses Jahres durch die Spezialfirma Strabag aus Dortmund gebaut und ausgelegt. Die Bauabnahme erfolgte vergangene Woche.

Nachdem auch Horst Voßen als Vorsitzender des SV Nordeifel noch einmal den Werdegang skizziert und allen Beteiligten und Sponsoren gedankt hatte, folgte man endlich der Aufforderung des Fußballkreis-Vorsitzenden Bernd Mommertz, der sich „viele schöne und vor allem faire Fußballspiele auf diesem herrlichen Platz“ gewünscht hatte.

Zunächst jagten über 30 kleine Fußballtalente der Jahrgänge 2012 bis 2016 über das Kunstgrün, und die Minikicker des SV Nordeifel überließen als gute Gastgeber ihren Gästen des JFV FC Eifel die ersten Tore auf dem neuen Spielfeld. Danach durften die Jugendbetreuer des SV Nordeifel und eine Altherrenauswahl den neuen Belag testen, ehe am Nachmittag das erste Pflichtspiel auf der Agenda stand. Hier besiegten die Senioren des SV Nordeifel im Meisterschaftsspiel der Kreisliga D den Tabellenletzten FC Stolberg III knapp mit 4:3 und durften hinterher auf den ersten Sieg auf dem neuen Platz anstoßen. (hes)

(hes)
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