Monschau: Kunstprojekt: Religion als konkrete, spürbare Lebenshilfe

Monschau : Kunstprojekt: Religion als konkrete, spürbare Lebenshilfe

Da hatte man sich am Feiertag eine etwas skurrile Uhrzeit für ein interessantes Kunstprojekt ausgedacht. Genau um 12 Uhr mittags fanden sich in der Monschauer Stadtkirche aber doch einige Interessierte ein, die einem anspruchsvollen, rund zwei Stunden dauernden Programm aus Musik, Literatur und Tanz folgten, das von einer Ausstellung filigraner Plastiken begleitet war.

Eine Gruppe von Künstlerinnen aus den genannten Sparten hatte sich zusammengefunden, um im Blick auf das Reformationsjubiläum einen Akzent zu setzen. Sicherlich war es eine leise, implizite Kritik an diesem Gedenkjahr, wenn statt „Reformation“ nun „Transformation“ als entscheidendes Stichwort gewählt wurde, mit dem aus dem Gesichtspunkt der Kunst auf die spirituelle Seite geistiger Wandlungen hingewiesen werden sollte.

Und nicht nur eine einzige Kunstsparte sollte aufgerufen werden, sondern in Vielfalt und Zusammenspiel künstlerischer Äußerungen sollte der „Duft der Gnade“ spürbar werden — Religion also als erfahrbare und konkrete Lebenshilfe.

Das Projekt der fünf Künstlerinnen (in Monschau war sogar noch eine sechste beteiligt) wandert in der Aachener Region. Jedes Mal wird der besondere Charakter des Veranstaltungsortes berücksichtigt. So auch in Monschau, wo Moderatorin und Rezitatorin Ruth Konter, auf die klare und helle, aber Geborgenheit vermittelnde Gestalt der Kirche aufmerksam machte.

Vielleicht hatte sie auch den Text von Meister Eckhart ausgesucht, in dem davon die Rede ist, wie Gott sich selbst und alle Kreatur „schmeckt“. Die Beziehung zu Gott hat demnach etwas mit Natürlichem und Kreatürlichem zu tun. Gerade so wird begreiflich, dass die Kunst Wege zu Gott öffnen kann. Und das haben die Künstlerinnen in hervorragender Weise unternommen.

Neben der Moderatorin selbst waren dies die Musikerinnen Johanna Schmidt (Viola und Violine) und Lydia Hilgers (Klavier), die Tanzpädagogin Bettina Lauber und die bildende Künstlerin Anke Wolf, die wohl auch die treibende Kraft des Unternehmens ist. In Monschau gab es noch eine Video-Installation von Loni Liebermann, die wohl vor allem von Anke Wolfs Plastiken inspiriert war.

Dass die beiden Musikerinnen auch sonst schon zusammenarbeiten, merkte man dem harmonischen Spiel jederzeit an. Die Stücke brachten mancherlei Bekanntes aus der spätromantischen Musik. Zwei rumänische Volkstänze von Béla Bartók gaben sehr gut die Lebensfreude wieder, die der begleitende Text von Martin Buber aus der jüdisch-chassidischen Frömmigkeit beschrieben hatte. Daneben fielen zwei „Improvisationen“ auf, die Johanna Schmidt selbst komponiert hatte.

Die Textauswahl brachte Beispiele von Gottesfreude und Glaubenszuversicht vor allem aus der „mystischen“ Richtung und aus allen drei großen monotheistischen Religionen. Die eher literarischen Beispiele, obwohl authentisch vorgetragen, konnten dagegen vielleicht ein paar Bedenken hervorrufen; vor allem hätte es nicht gleich zwei Gedichte von Rilke gebraucht. Die tänzerische Interpretation einiger Passagen durch Bettina Lauber war sehr eindrucksvoll, vor allem bei den Stücken aus der „Angel Suite“ von Piazzolla.

Optisch dominierend war die Raumgestaltung von Anke Wolf. Hierdurch konnte klar werden, dass der Bezug zu Gott mit Durchsichtigkeit und Helle zu tun hat. Etwas, was für die Zukunft der Religion nicht genug bedacht werden kann.

(js)