Monschau: Konzert in der Reihe „Montjoie Musicale“ im Aukloster

Monschau : Konzert in der Reihe „Montjoie Musicale“ im Aukloster

Manchmal bedarf es auch im Bereich der klassischen Musik einer gewissen Improvisationsgabe. Die bewies Florian Koltun im Kammerkonzert der Reihe „Montjoie Musicale“ am Sonntag, als er gemeinsam mit dem erwarteten Geigensolisten Yuri Revich kurzerhand beschloss, das vorgesehene Programm umzustellen und einem jungen Nachwuchsstar eine Chance zu geben.

Zeyu Huang hieß der junge Mann, der aus China stammt, aber derzeit in Deutschland seine Ausbildung abschließt. Schon jetzt ist er indes, wie sich herausstellte, ein hervorragender Pianist.

Im ersten Teil des Programms bewies er dies durch die Darbietung zweier der bekanntesten, aber auch schwierigsten Meisterwerke der Klavierliteratur, nämlich Robert Schumanns „Sinfonischen Etüden“ und dem ersten Teil der Paganini-Variationen von Johannes Brahms. Mit diesen beiden hochkarätigen Werken bestritt er den kompletten ersten Teil des Programms.

Der Zuspruch des Publikums bestätigte, dass der junge Solist seine Sache hervorragend gemacht hatte. Erwähnenswert auch die Zugabe, die mit einem der Etüden von Nikolai Kapustin einen zusätzlichen virtuosen Glanzpunkt setzte. Neben der Musikalität der Darbietung, die auch schwierige Passagen der Werke jederzeit durchschaubar und zugänglich sein ließ, war es auffällig, wie unprätentiös und gelassen der junge Mann das doch gar nicht geringe Pensum bewältigte.

Wiederhören mit jungem Geiger

Ähnliches galt auch für den eigentlichen Star des Nachmittags, den Geiger Yuri Revich. Er ist zwar ebenfalls noch recht jung, zählt aber schon seit einigen Jahren zu den Etablierten der Szene. Nicht ohne Stolz registrierte Florian Koltun, dass Yuri Revich es sich nun schon fast zur Tradition gemacht hat, jedes Jahr nach Monschau zu kommen. Noch gut in Erinnerung ist in der Tat das Konzert in der Aukirche mit Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ vom letzten Jahr.

Im Vergleich dazu und zum ersten Teil des Konzertnachmittags waren die Beiträge Revichs am Sonntag allerdings inhaltlich wohl etwas leichtgewichtig zu nennen. Zusammen mit Xin Wang als bewährter Begleiterin am Flügel brachte er mit Tartinis Teufelstriller-Sonate und Sarasates Carmen-Fantasie zwei Werke aus der „erwartbaren“ Kategorie — Dinge, die ein renommierter Geiger sozusagen noch im Schlaf zur Verfügung hat.

Die kleine Beigabe der bekannten „Meditation“ aus der Oper „Thaïs“ von Massenet ging in die gleiche Richtung. Auch das erwähnte Stück von Sarasate benutzt ja bekanntlich Melodien aus Bizets Oper „Carmen“ und spielt damit auf eine allgemeinere Zugänglichkeit an, die es dem Solisten leichter macht und den Beifall sozusagen von selbst hervorruft.

Gleichwohl war die Darbietung als solche natürlich ohne Fehl und Tadel und trug zum Gelingen und zur guten Resonanz des ganzen Konzerts wesentlich bei. Die solistische Zugabe eines Charakterstücks von Fritz Kreisler tat noch ein Übriges.

Insgesamt wieder ein rundum gelungener Konzertnachmittag.

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