Rohren: „Konsum ist enorm wichtig für das Dorf“

Rohren : „Konsum ist enorm wichtig für das Dorf“

Das Weihnachtsgeschäft ist auch für den Konsum in Rohren gelaufen. Das letzte noch im Dorf existierende Geschäft muss jetzt wieder in der alltäglichen Konkurrenz mit dem Großmärkten der Region bestehen. Dabei stehen für den 1922 gegründeten Laden im neuen Jahr einschneidende Veränderungen an.

Der bisherige Lieferant des Ladens, die Rewe Group, hat zum 31. Dezember 2012 den Liefervertrag gekündigt. Kurz vor Weihnachten traf die letzte Warenlieferung in Rohren ein.

Kämpfen für den Konsum in Rohren: Heinz-Josef Hermanns (li.) und Bruno Gerhards vom Vorstand der Genossenschaft. Foto: P. Stollenwerk

Allein der Umsatz zählt

Zum Glück aber bedeutet der Rückzug von Rewe nicht gleichzeitig das Ende des 90 alten Dorfladens, denn mit der Lüning-Gruppe fand der Vorstand der Co op Rohren eG, ab 1. Januar 2013 einen neuen Partner. In der ersten Januarwoche wird die erste Warenlieferung erfolgen. Die Firma Lüning kennt sich in der Eifel bereits bestens aus, denn sie beliefert auch die Läden in Höfen und der Altstadt Monschau. Markenzeichen des neuen Lieferanten sind die so genannten „gut & günstig-Produkte, wobei letztlich das Warensortiment im Rohrener Konsum in vielen Bereichen identisch bleibt.

Im Gespräch mit der Lokalredaktion zeigen die beiden Vorstandsmitglieder Heinz-Josef Hermanns und Bruno Gerhards erleichtert darüber, dass das Geschäft in Rohren lückenlos weitergehen kann, wenngleich sie die Entscheidung der Rewe-Group nicht nachvollziehen können. „Dabei ist Rewe doch erst mit den kleinen Märkten groß geworden“, wundet sich Hermanns, doch beim Kölner Großhandelskonzern mit einem Jahresumsatz von rund 50 Milliarden Euro gelten inzwischen andere Marktgesetze.

Nur noch der Umsatz zählt, und da kann das kleine Rohrener Dorfladen einfach nicht mehr mithalten. Man sei „eiskalt abserviert worden.“ Es zähle allein der Umsatz. Dies wird auch aus dem Schriftwechsel deutlich. Demnach beliefert Rewe nur noch Läden, die mehr als 300000 Euro Jahresumsatz vorweisen können. Um diese Jahresbilanz zu erreichen aber müsste der der Konsum Rohren seinen Umsatz um 30 Prozent steigern, was schlichtweg in einem 660 Seelen-Dorf unmöglich ist.

Heinz-Josef Hermanns erinnert daran, dass es schon in den zurückliegenden Jahren nicht mehr gelungen, positive Bilanzen auszuweisen, auch wegen der hohen laufenden Kosten. Der Konsum verstehe sich mehr oder weniger als „soziale Einrichtung“ für das Dorf, die vier in Teilzeit beschäftigten Verkäuferinnen arbeiteten für geringes Entgelt, der dreiköpfige Vorstand ehrenamtlich.

Es sei für das Dorf „enorm wichtig“, den Konsum zu erhalten. „Das nächste Jahr wird entscheidend dafür sein, wie es weitergeht“, sagt Hermanns, der hofft, dass die Kundschaft mitzieht und der Solidaritätsgedanke stärker ist als die ständig verlockenden Angeboten der Discounter im Wettstreit um die kleinen Cent-Beträge.

Etwa die Hälfte der Rohrener Einwohner gehört zur Konsum-Kundschaft, „aber es ist zuwenig, den Laden nur als Notstopfen zu benutzen“, mahnt Bruno Gerharads. Es sei wichtig, das bestehende Angebot zu erhalten, „denn wenn erst einmal etwas weg ist, dann ist ein Neuanfang unheimlich schwer.“

Der Rohrener Co op-Vorstand, der durch Peter-Josef Strauch komplettiert wird, aber geht trotz aller wirtschaftlichen Zwänge (auch der energetische Zustand des Gebäudes lässt einiges zu wünschen übrig) zunächst einmal optimistisch ins neue Geschäftsjahr und baut weiter auf das Genossenschaftsprinzip, selbst wenn es eine Überschuss-Auszahlung an die Genossen schon längst nicht mehr gibt.

Für Heinz-Josef Hermanns und Bruno Gerhards bietet der Wechsel des Lieferanten zum Jahreswechsel auch gleichzeitig die Chance für einen Neuanfang, und sie erinnern in diesem Zusammenhang an den besonderen Service des Rohrener Ladens: „Beschaffen können wir alles.“

Immerhin konnte 2011 ein leicht positives Jahr verbucht werden und auch für 2012 zeichnet ein ähnliches Ergebnis ab. Hermanns: „Zumindest konnte der Abwärtstrend gestoppt werden, aber wir befinden uns noch nicht in Sicherheit.“

(P. St.)
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