Koch-Weltcup Luxemburg: Koch aus der Eifel holt Bronze

Koch-Weltcup Luxemburg : Sri Lanka, Italien und Eifel auf einem Teller

Der Spitzenkoch Anik Rodrigo holt mit seinem Team die Bronze-Medaille bei den Weltmeisterschaften in Luxemburg. Mit seinen bunten Kreationen bewegt er sich in der expiremtellen Küche und verbindet Spezialitäten verschiedener Nationalitäten.

Kräftige Farben, geometrische Formen, verschiedene Strukturen – der Teller gleicht einem bunten Stillleben. Allerdings sind keine Kunstobjekte auf diesem platziert, sondern Essen der besonderen Art. Ihr Schöpfer? Der Koch Anik Rodrigo.

Für diese und andere Kreationen hat der Simmerather die Bronze-Medaille bei den Koch-Weltmeisterschaften in Luxemburg erhalten, in der Kategorie der regionalen Teams. Gemeinsam mit vier anderen Köchen ist er im deutschen Team der italienischen Föderation angetreten. Bei einem großen Training wurde er auserwählt. Der 37-Jährige, der ursprünglich aus Sri Lanka stammt, hat jahrelang in Italien gelebt und gearbeitet und daher die italienische Staatsbürgerschaft. Seit sechs Jahren wohnt er mit seiner Familie in der Eifel.

Dass Rodrigo längst in seiner neuen Heimat angekommen ist, merkt man auch an der Auswahl seiner Lebensmittel. Schaut man auf seine Menükarte für den Weltcup, entdeckt man etwa „Roast beef from the Eifel“. „Ich wollte etwas aus unserer Region hier mit einbringen“, erzählt Rodrigo. Daher gab es als Hauptgang Braten vom Eifeler Rind – aber nicht irgendwie, sondern umhüllt von Rotkohl und gefüllt mit Kräuterbutter an einer Sauce aus Charlotten und Tamarindensaft. Der Koch bedient sich dabei eines speziellen Stils: Alles wird mit Gelee umzogen, so dass es kaum noch nach dem aussieht, was es einmal war. So sieht der Rinderbraten nach seiner Verarbeitung doch ziemlich abstrakt aus. „Man kann diese Küche als kreativ und experimentell bezeichnen“, erklärt Rodrigo. „Aber sie ist auch sehr fein.“

Und seine Gerichte sind sicher nichts, was man zuhause einfach nachkochen kann. Die Spitzenköche aus aller Welt zeigen beim Weltcup, was ihr Handwerk über die geschmackliche Komponente hinaus noch alles zu bieten hat. So wurden die Gerichte nach speziellen Kriterien von einer Jury beim Weltcup bewertet: Zum Beispiel Optik, Standhaftigkeit und Portionsgröße müssen stimmen. Auch dürfen die Köche festgelegte Grammzahlen nicht überschreiten und müssen alles korrekt nach Maß schneiden.

Ein kunstvoller Teller: Links oben zu sehen ist Eifeler Rinderbraten umhüllt von Rotkohl und gefüllt mit Kräuterbutter an einer Sauce aus Charlotten und Tamarindensaft. Foto: Anik Rodrigo

Der Geschmack spielt aber selbstverständlich auch eine Rolle, erklärt Rodrigo. Das Spezielle an seinen Gerichten ist die Verbindung von Lebensmitteln, die typisch für verschiedene Nationalitäten sind. Sri Lanka, Italien und Eifel bringt der Koch auf einen Teller, so dass am Ende eine kunstvolle Komposition entsteht. Etwa die Beilage zum Eifeler Rinderbraten erinnert an eine kleine grüne Raupe: Tatsächlich ist es aber ein asiatisches Törtchen aus Kichererbsen und Mungbohnen, gefüllt mit roten Linsen.

In seiner Vorspeise für die WM kombinierte Rodrigo Spezialitäten aus Italien und der Eifel: Aus Gelee und Tomatensaft formte er einen roten Ball, der einer Tomate gleicht und mit Mozzarella und Oliven gefüllt wurde. Diesen bettete der Koch auf einem kreisrunden Basilikum-Gelé-Boden. Dazu reicht er Honigmelone mit einer sizilianischen Orangencreme, umwickelt von Parmaschinken. Und ein weiterer Teil der Vorspeise: Ein Nocken aus Limetten-Senf aus Monschau. „Alles Handarbeit“, erklärt Rodrigo.

Mit dem Eifeler Senf kennt sich der Koch bestens aus. Denn, wenn er nicht gerade in der experimentellen Küche unterwegs ist, arbeitet er eigentlich im „Schnabuleum“, dem Restaurant der Monschauer Senfmühle. Dort kocht er als einer der Chefköche. Allerdings hat die Speisekarte des Restaurants wenig mit den kunstvollen Objekten, die er in seiner Freizeit zaubert, zu tun. Stattdessen bietet die Küche vor allem Regionales und Saisonales.

Anik Rodrigo weiß: Mit der experimentellen Küche lassen sich zwar Preise und Auszeichnungen gewinnen, aber um Geld zu verdienen, muss man Profi sein. Für ihn ist diese Art zu kochen aber eher ein Hobby. Und eine Leidenschaft, sagt er. Daher investiert Rodrigo viel Zeit und Geld. Allein die Vorbereitung um sein vielseitiges Gourmet-Menü zu kreieren, hat ihn 60 Stunden Arbeit gekostet.

Damit ihm auch für seine Frau und zwei Kinder genügend Zeit bleibt, nimmt er seine Familie mit auf Reisen, wie etwa zu den Weltmeisterschaften nach Luxemburg. So war die Freude am Ende vierfach groß, als Anik Rodrigo in der Kategorie der regionalen Teams Bronze gewann.

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