Altstadt: Kirmes wird zum wahren Volksfest

Altstadt : Kirmes wird zum wahren Volksfest

Die ganze Altstadt hatte sich herausgeputzt: Ein wunderschönes Riesenrad, Karussells, Schaubuden und zahlreiche Künstler machten die diesjährige Kirmes zum Erlebnis der besonderen Art. Hans-Benno Kaulard setzte dem gelungenen Fest noch die Krone auf und machte sich mit glücklicher Hand zum Schützenkönig von Monschau.

Nur 31 Schüssen hatte der massive Holzvogel widerstanden, dann fiel er in zwei Teilen herab, und Monschaus Altstadt bejubelte die neue Schützenmajestät: Hans-Benno I. (Kaulard) schlug erst die Hände zusammen, genoss dann aber die zahlreichen Glückwünsche und das Bad in der Menge. Die Monschauer bereiteten ihm einen Triumphzug durch die Altstadt, den er wohl so schnell nicht vergessen wird.

Zug durch die Gassen

Seit über 40 Jahren hält der 68-jährige „Monscher Jung“ seinem Schützenverein nun die Treue. Da schien es für ihn einfach der rechte Zeitpunkt zu sein, nach der Königswürde zu greifen. Bei strahlendem Sonnenschein und begleitet von Klängen der Musikvereinigung Montjoie sowie der Lyra Rohren zogen die Bürgerschützen Montjoie mit ihrem neuen König durch die Gassen, vorbei an den zahlreichen Verkaufsständen, den Karussells und einer originalen, alten Schiffsschaukel ging es schließlich zum Marktplatz, wo Zauberkünstler und Clowns das Publikum unterhielten.

Vor dem wunderschönen Riesenrad aus dem Jahre 1902 musste man, wie schon an zahlreichen Stellen zuvor, wieder Halt machen, denn auch hier boten Monschauer Gastwirte dem Festzug ihre Leckereien und erfrischende Getränke an — eine alte Monschauer Tradition, die sehr gerne von den Schützen und den Ortsvereinen, vor allem aber von den Musikern, die Schwerstarbeit leisten, angenommen wird.

Zum zweiten Mal hatten die Monschauer alles gewagt und eine aufwendige Traditionskirmes in ihre Altstadt geholt. Im Gegensatz zum vergangenen Jahr, in dem es bis auf einen Tag fast durchgängig geregnet hatte, spielte dieses Mal das Wetter mit und trug zu einem gelungenen Event bei. Zahlreiche Besucher waren gekommen, teilweise angelockt durch eine eigene Werbekampagne, teilweise auch, weil es sich herumgesprochen hatte, dass da in Monschau etwas ganz Besonderes entstanden ist. Und die ganz normalen Tagestouristen erhielten ein zusätzliches Unterhaltungsprogramm.

Die Bürgerschützen setzten auch dabei auf volles Risiko. Gleich an zwei Abenden sollten Livebands kräftig einheizen — und das taten diese auch. Schon am Freitagabend, bei der traditionellen Kirmes-Eröffnung, spielte die Coverband „Upload“ ein buntes Programm von Schlagern und Stimmungshits bis hin zu klassischem Rock.

Mit diesem Schuss machte sich Hans-Benno Kaulard zur neuen Schützenmajestät von Monschau. Foto: H. Egerland

Mit dem Veranstaltungsort betrat man Neuland: Mit viel Aufwand war der Innenhof des Auklosters überdacht und zur Party-Location umgebaut worden, im Kreuzgang fanden sich Theke und Cocktailbar, Sitzgelegenheiten gab es im Bürgersaal, „denn der soll ja auch in erster Linie für die Monschauer Bürger da sein“, argumentierte Schützenpräsident Georg Kaulen, gleichzeitig auch Ortsvorsteher der Altstadt. „Uns war wichtig, die Feierlichkeiten im Herzen der Altstadt zu begehen“, ergänzt sein Sohn Ralf, Geschäftsführer des Schützenvereins: „Und was lag da näher als das wunderschöne Au­kloster?“

Und so hatte das ehrwürdige Gebäude nicht nur der vergangenen Schützenmajestät Ingo I. (Mertens) einen beeindruckenden Raum geboten, in dem er sich angemessen als König verabschieden durfte. Auch sein Nachfolger Hans-Benno Kaulard genoss seine Inthronisation im Bürgersaal sowie die anschließende Feier. „Eigentlich habe ich den Vogel für die anderen Schützen nur lockern wollen“, entschuldigte sich der neue Schützenkönig bei den Mitbewerbern um das begehrte Amt. Auch wenn ihm das niemand so recht glauben wollte, freute sich das Publikum doch über die Ankündigung einer „lockeren“ Regentschaft: „Lasst es uns auf dieser Kirmes locker angehen, so wie ich in den letzten Jahren auch immer nur gelockert habe!“ Und so dauerte es auch nur einen kurzen Moment, bis ein neuer Name für die Majestät gefunden worden war: „Monschau hatte bereits einen Regen- und einen Sonnenkönig“, so ein anwesender Schütze. „Jetzt haben wir halt auch einen Lockerkönig!“

Die „Belsch Jecke“, die die Monschauer schon auf der Vorjahreskirmes von ihrer durchschlagenden Qualität überzeugten, brachten nach der Inthronisation die neu geschaffene Halle zum Kochen. Das gemeinsame Abfeiern ging bis in die späte Nacht.

Gelungener Spagat

So gelang in Monschau der Spagat zwischen Tradition und Moderne. Das traditionelle Schützenfest mit Schneewalzer vor dem Roten Haus, das Bekenntnis zu einer Nostalgie-Kirmes wie vor hundert Jahren und eine moderne Feier zu fetziger Musik — Kirmes-Organisatoren und Schützenverein zeigten, dass das ein Erfolgskonzept sein kann, um eine in zuvor schwächelnde Kirmes für viele Besucher attraktiv zu machen.

(Egl)