Monschau: Kirche will am Platz in der Mitte festhalten

Monschau: Kirche will am Platz in der Mitte festhalten

Monschaus wirkliche Mitte ist nicht der Marktplatz, sondern das Ensemble am Zusammenfluss von Laufenbach und Rur, bestehend aus der evangelischen Kirche, dem angrenzenden Gemeindehaus und dem Roten Haus.

In Monschaus alte Mitte soll in den nächsten Jahren Bewegung kommen. Eher zufällig werden derzeit am eingerüsteten Roten Haus die Fenster saniert. Von einem nagelneuen Gerüst wird auch das Schiff der benachbarten evangelischen Kirche eingehüllt.

Nachdem vor fünf Jahren bereits die Kirchturmhaube abgenommen und saniert wurde, folgt nun nach langer Geduldsprobe die Fortsetzung der Instandsetzung mit der Tragwerk-Verstärkung des Kirchenschiffes. Bekanntlich musste wegen Einsturzgefahr die Pfarrkirche im Februar 2010 sogar geschlossen werden. Teile der Stuckdecke waren bereits auf die Kirchenbänke gefallen.

Nun endlich kann die Sanierung beginnen, nachdem am 15. August der Förderbescheid einging. Eine Firma aus Thüringen, die auch bereits bei der Kirchturmsanierung im Einsatz war, hat den den bundesweit ausgeschriebenen Auftrag erhalten.

Regionale Unternehmen hatten sich nicht um das Projekt beworben, das eine hohe Herausforderung darstellt. Nicht nur eine denkmalgerechte Ausfertigung wird verlangt, das Unternehmen muss auch in der Lage sein, die Arbeitsschutz-Richtlinien einzuhalten.

Holzsschutz wird zum Problem

Dies ist erforderlich, da der Bauherr auf einen 30 Jahre alten Film stieß, der die zwischen 1977 und 1981 erfolgte Dachstuhl-Sanierung zeigt. Hierdurch erfuhr man, dass die enorme Menge von 1275 Liter Holzschutzmittel (Xylamon) verarbeitet wurde. „Da läuteten bei uns sofort die Alarmglocken”, berichtete Gebäude-Kirchmeister Frank Liedtke.

Eine Labor-Untersuchung ergab, dass im Dachstuhl die zulässigen Grenzwerte um das 200-fache überschritten werden. Die Folge: Die Mitarbeiter der Zimmerei müssen jetzt jedesmal in einen Einmal-Ganzkörper-Schutzanzug steigen, wenn sie im kontaminierten Bereich tätig werden.

1200 Einweg-Anzüge und 6000 Einweg-Handschuhe sind bestellt. Jetzt fehlt nur noch der Container mit dem dazugehörigen Sanitärbereich, denn am kommenden Montag sollen die Arbeiten starten. Um künftig Gefährdungen für Kirchennutzer auszuschließen, wird eine speziell aufgebaute Schicht aus Filtermaterial auf die Kirchendecke gelegt, zuzüglich einer mechanischen Lüftungsanlage.

Diese zusätzlichen Schutzmaßnahmen verursachen 215.000 Euro Mehrkosten, sodass in weiteren Bauabschnitten vorgesehene Sanierung der Stuckdecke sowie die Arbeiten an der Fassade zunächst auf Eis gelegt werden.

800.000 Euro Kosten umfasst das gesamte Bauvolumen. 100.000 Euro gab es von den Denkmalförderung des Landes, 70.000 Euro von der Deutschen Siftung Denkmalschutz, 127.000 Euro vom Kirchenkreis Aachen und nicht zuletzt stolze 220 000 aus Eigenmitteln der evangelischen Kirchengemeinde Monschauer Land. Bis Ende 2011 sollen die Dachstuhlarbeiten abgeschlossen sein.

„Ziel der Maßnahme ist es, dass die Kirche langfristig nutzbar ist”, sagt Pfarrer Jens-Peter Bentzin. Doch der Blick des Pfarrers geht noch weiter in Zukunft, denn zur Kirche gehört auch das unmittelbar angrenzenden evangelische Gemeindehaus, für desseen Nutzung eine innovative Konzeption erarbeitet wurde.

Schon seit dem Jahr 2002 machte man sich im Presbyterium Gedanken über eine zukunftsfähige Nutzung, nachdem für alle Beteiligten feststand, dass die Kirche und das dazugehörige Ensemble in der Stadt bleiben soll. Mit der neuen Konzeption soll dieser Platz („In der Mitte evanglisch”, lautet der Leitgedanke”) noch gefestigt werden. Zum Ensemble zählt man inzwischen auch den ehemaligen Blumenpavillion mit seiner perfekt erhaltenen 50er Jahre-Architektur.

Dieses Kleinod wie auch die Gebäudeteile zur Laufenstraße hin hat die Kirchengemeinde inzwischen erworben. „Nur so können wir den gesamten Komplex mit Inhalten füllen, erläutert Bentzin, dem bereits ein „klare, gedankliche Linie” für die Nutzung vorschwebt.

Die klassische Gemeindearbeit soll hier weiter ihren Platz haben, aber das viergeschossige Gebäude soll auch als Refugium dienen, für Gäste, die übernachten möchten oder Menschen, die sich zurtückziehen möchten (Exerzitien). Im Untergeschoss soll ein Cafe mit fair gehandelten Produkten und ein Begegnungsraum entstehen. Teil der Konzeption sind auch die Mitarbeiter, die im Rahmen eines Behindertenprogramms hier eine Anstellung finden sollen.

„Städtebaulich soll hier eine komplett neue Situation entstehen”, sieht Frank Liedtke in der Konzeption eine deutliche Aufwertung des Monschauer Stadtzentrums. „Das wird sich positiv auf die gesamte Stadt auswirken.

Das Ensemble soll von allen Seiten barrierrefrei zugänglich sein, offen und einladend für alle Menschen sein. Jens-Peter Bentzin sieht darin ein Projekt von nationaler Bedeutung: „Als Kirche wollen wir präsent sein, öffnen uns der Welt und machen ernst mit dem Evangelium.”

Von der örtlichen Politik verspürt man bereits Rückenwind. Nun soll auch Nikolaus Schneider, der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, von dieser Idee begeistert werden, wenn er am Donnerstag, 13. Oktober, Monschau besucht. Vielleicht könnte dann die für 2017 geplante Fertigstellung Wirklichkeit werden.

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