Nordeifel: Kindertagespflege: Rasselbande im heimischen Wohnzimmer

Nordeifel: Kindertagespflege: Rasselbande im heimischen Wohnzimmer

Die Kindertagespflege ist auch in der Nordeifel auf dem Vormarsch. 54 Kinder unter drei Jahren werden aktuell in den Gemeinden Simmerath und Roetgen sowie der Stadt Monschau in Kindertagespflege betreut, 22 aktive qualifizierte Tagesmütter sind beim Sozialdienst Katholischer Frauen (SKF), wo die Fäden der Kindertagespflege in der Eifel zusammenlaufen, registriert.

„Und der Bedarf steigt”, wie Katharina Casper, beim SKF zuständig für die Betreuung im Südkreis der Städteregion, beobachtet hat.

Die Kindertagespflege ist nach dem Tagesbetreuungsausbaugesetz von 2004 neben der Tagesbetreuung in Kindertageseinrichtungen eine gleichwertige Form der Kindertagesbetreuung. Die bis vor einiger Zeit in Deutschland noch weitgehend privat organisierte und finanzierte Tagespflege geht mittlerweile aber immer stärker in den öffentlich geregelten und finanzierten Jugendhilfebereich über. Dies findet auch darin Ausdruck, dass die Tagespflege in der Gestaltung öffentlicher Förderung seit kurzem der Betreuung in einem Familienzentrum gleichgestellt ist.

Tagespflege ist eine familienähnliche Betreuungsform und wird vor allem für Kinder unter drei Jahren in Anspruch genommen. „Die individuelle Förderung, die familiäre Betreuungssituation und die hohe zeitliche Flexibilität werden als wesentlicher Vorteil der Tagespflege gegenüber der Kindertagesstätte gesehen”, so Gabriele Stoffels, Tagesmutter in Roetgen. Fünf muntere Kinder im Alter zwischen einem und drei Jahren flitzen durch die Räume im Haus an der Greppstraße, ein wahres Spielparadies für die Kleinen. „Sie fühlen sich sehr wohl hier”, freut sich Katharina Casper, die dieser Einrichtung, wie auch allen anderen Tagesmüttern ein bis zweimal im Jahr einen unangekündigten besuch abstattet.

Denn beim SKF legt man auch großen Wert auf die kindgerechte Ausstattung der Räumlichkeiten. Steckdosen- und Klemmschutz sowie Treppensicherung sind Pflicht, ein zugänglicher Teich im Garten gar ein K.o.-Kriterium. „Wir haben kürzlich einer Tagesmutter die Anerkennung versagt, weil sie sich weigerte, den teich abzudecken”, berichtet Katharina Casper.

Bei jedem Hausbesuch wird eine Check-Liste abgearbeitet, die erfüllt sein will. Und je nach Raumangebot wird die Genehmigung auch nur für zwei, drei oder vier Beteruungskinder statt für fünf (gesetzliche Obergrenze) ausgestellt.

Demnächst neue Kurse

Auch an die Tagesmütter werden strikte Standards gestellt, seit 2006 müssen alle Kindertagespflegepersonen eine pädagogische Qualifizierung und einen Erste-Hilfe-Kurs am Kind nachweisen. Die Vorgaben der zuständigen Behörden weichen allerdings stark voneinander ab: Einige Bundesländer bzw. Städte und Kreise erwarten 160 Unterrichtsstunden, andere nur 16 Unterrichtsstunden, jährliche Fortbildungen sind verbindlich.

Auch für die Qualifizierung ist in der Städteregion der Stolberger Sozialdienst vermittelnd tätig, die eigentliche Ausbildung zur Tagesmutter ist für hiesige Interessentinnen beim Helene-Weber-Haus in Stolberg oder beim Katholischen Forum in Schleiden. Beide Einrichtungen bieten in Kürze wieder Ausbildungskurse an, beide Einrichtungen bilden die künftigen Tagesmütter (oder auch -väter) mit insgesamt 160 Stunden Grund- und Aufbaukurs gründlich aus.

Katharina Casper ermuntert gerade junge Frauen und Mütter zu einer selbstständigen Tätigkeit als Tagesmutter: „Der Bedarf gerade hier in der Eifel ist groß, vor allem im Bereich Roetgen/Rott könnten wir durchaus noch mehr Tagespflegeplätze anbieten”, so die SKF-Mitarbeiterin.

Dass parallel auch die U3-Betreuung in Kindertagesstätten immer stärker gefragt ist und auch ausgebaut wird, sieht Casper nicht als Konkurrenz für die Tagespflege. „Wir ergänzen uns”, sagt sie und verweist auf sehr gute Zusammenarbeit mit den Familienzentren in der Städteregion. Dies belegt auch die Sprechstunde, die der SKF in den Familienzentren Simmerath (Im Römbchen 1/jeden 2\. Donnerstag von 14 bis 16 Uhr) und Roetgen („Wackelzahn”, Hauptstraße 95/jeden 4\. Donnerstag von 14 bis 16 Uhr) abhält, und die vertraulich und konfessionsoffen ist.

Katja Gröling, ebenfalls Tagesmutter in Roetgen, sieht die Klientel von Kita und Tagespflege ohnehin etwas unterschiedlich: „Bei den Kitas gibt es schon aufgrund der Zahl der zu betreuenden Kinder festere und eingeschränkte Betreuungszeiten, während wir bei der Tagespflege flexible Zeiten von 7 bis 17 Uhr anbieten können.” Und auch bei Ferien- und Urlaubszeiten oder plötzlicher Krankheit der Eltern sei man durch die kleinen Gruppen und die meist bei der Tagesmutter erfolgende Betreuung beweglicher, ergänzt Gabriele Stoffels.

Wer sich für Kindertagespflege oder die Ausbildung zur Tagesmutter interessiert, kann sich im Internet (Link s. unten) oder telefonisch unter 02402/951640 beim SKF informieren. Ansprechpartnerinnen sind Tanja Koglin und Katharina Casper.

Mehr von Aachener Nachrichten