Kein frisches Holz mehr aus der Nordeifel

Prekäre Situation für die Forstwirtschaft : Kein frisches Holz mehr aus der Nordeifel

„Die Situation auf dem Holzmarkt ist derzeit dramatisch.“ So beschrieb Joachim Knoth vom Regionalforstamt Rureifel-Jülicher Börde in der jüngsten Sitzung des Umweltausschusses der Stadt Monschau die prekäre Lage für die Forstwirtschaft. Deswegen wird in der gesamten Nordeifel derzeit kein Frischholz mehr eingeschlagen.

Rohholz gibt es in den Wäldern derzeit im Überfluss. Grund für das Überangebot – das vorwiegend aus einer großen Menge an Schadholz besteht – sind die außergewöhnliche Trockenheit des vergangenen Jahres, der Borkenkäferbefall und einige Stürme. Das führt dazu, dass die Holzpreise im Keller sind. „Auf dem regionalen, überregionalen sowie auf dem grenzüberschreitenden Holzmarkt konnte bis heute nicht sinnvoll über Holzverkäufe verhandelt werden“, hieß es in der Sitzungsvorlage der Verwaltung.

„Die große Menge an Schadholz ist ein bundesweites Problem“, erläuterte Knoth den Ausschussmitgliedern in Monschau die aktuelle Situation. Vor diesem Hintergrund und um den angespannten Holzmarkt nicht zusätzlich zu belasten, wurde der Forstwirtschaftsplan jetzt in Monschau ausgesetzt. Aber auch in Simmerath und Roetgen wird derzeit kein frisches Holz mehr geschlagen. „Es ist sinnlos, gesundes Holz zu schlagen und auf den Markt zu bringen“, sagte Knoth.

Die Nachfrage nach Rohholz wird derzeit vollständig aus Kalamitäten in den betroffenen Revieren abgedeckt. Kalamitäten bezeichnen besagte schwere Schäden in Pflanzenkulturen, die durch Schädlinge und andere Umwelteinflüsse entstehen.

Unmengen an Kalamitätsholz gibt es auch im Gemeindewald in Roetgen. Ein Tornado, der im März im Roetgener und Lammersdorfer Wald eine Schneise der Verwüstung hinterlassen hatte, sorgte insgesamt für etwa 20.000 Festmeter Wurf- und Bruchholz. Allein auf Roetgener Terrain wird die Menge an Kalamitätsholz auf 13.000 bis 15.000 Festmeter geschätzt. „Das ist mehr als der doppelte Jahreseinschlag“, sagte Roetgens Gemeindeförster Wolfgang Klubert.

Zwar habe man vergleichsweise wenig Käferbefall gehabt, der Tornado habe aber den gesamten Forstwirtschaftsplan in Roetgen durcheinandergeworfen. „In diesem Jahr werden wir kein Frischholz mehr einschlagen.“ Für das kommende Jahr rechnet Klubert mit 5.000 bis 7.000 Festmetern Schadholz – immer noch als Folge des Tornados. „Wahrscheinlich machen wir deswegen auch 2020 keinen Holzeinschlag.“ Weil die Gemeinde normalerweise jährlich 6.000 bis 7.000 Festmeter (gesundes) Holz einschlage, reiche das Kalamitätsholz noch bis Ende nächsten Jahres. Der Schaden allein im Wald wird auf eine Million Euro geschätzt. 30 Hektar Wald seien in Roetgen völlig zerstört worden.

„Wir sind ebenfalls immer noch dabei, das Kalamitätsholz zu verarbeiten“, erläuterte Simmeraths Gemeindeförster Dietmar Wunderlich auf Anfrage. Im Gegensatz zur Gemeinde Roetgen handele es sich aber vorwiegend um Käferholz aus dem vergangenen Jahr und weniger um Tornadoholz. Nichtsdestotrotz sei die Situation dramatisch. Aus gegenseitiger Rücksichtnahme verzichte man darauf, gesunde Fichten einzuschlagen und planmäßige Durchforstungen zu betreiben. Aufgrund des Borkenkäferbefalls hat die Gemeinde jüngst auch eine Drohne angeschafft, um betroffene Bestände und Bäume schneller und besser ausfindig zu machen. Im vergangenen Jahr wurden in Simmerath 208.200 Euro erwirtschaftet – und damit 38.200 Euro mehr als ursprünglich geplant. Das teilte die Verwaltung am Dienstag im Umweltschutz-, Forst- und Agrarausschuss mit.

Im Monschauer Stadtwald sei bisher zwar im Vergleich zu anderen Wäldern wenig Kalamitätsholz angefallen. Aber die Holzpreise würden weiter fallen. „Gesundes Schnittholz zu Preisen unter 50 Euro je Festmeter abzugeben, wäre unwirtschaftlich und ökonomisch nicht vertretbar“, hieß es in der Sitzungsvorlage der Verwaltung in Monschau. Durch den fehlenden Verkauf und den ausbleibenden Einschlag von Frischholz würden aber auch Einnahmen fehlen. Die Forstwirte würden sich jetzt vermehrt mit der Pflege der Bestände und Instandsetzungen von in die Jahre gekommenen Wegen und Einrichtungen kümmern.

Als der Forstwirtschaftsplan in Monschau für 2019 im vergangenen Jahr beschlossen wurde, hatte man mit einem Jahreseinschlag von 9.635 Festmetern an Fichten-, Lärchen- und Buchenholz und einem Verkaufserlös von rund 660.000 Euro und damit im Saldo mit einem positiven Betriebsergebnis 2019 von rund 204.000 Euro gerechnet. Aktuelle Einschätzungen zeigen: Diese Erwartungen werden sich nicht halten lassen.

Die Verwaltung hatte bereits im vergangenen Jahr darauf hingewiesen, dass der Forstwirtschaftsplan 2019 unter den Vorbehalt gestellt werden müsse, dass die außergewöhnliche Trockenheit und die darauf zurückzuführende Borkenkäfersituation keinen großen Einfluss auf die Lage am Holzmarkt nehmen würde.

Jetzt werden die durch die Trockenheit angeschlagenen Bestände ständig kontrolliert. Bäume, vor allem Fichten, die nach Einschätzung des Forstbetriebes nicht überleben können, sowie käferbefallene Fichten werden im Sammelhiebverfahren eingeschlagen und gerückt. Ob und wie das Holz im Laufe des Jahres vermarktet werden kann, ist noch ungewiss. „Wir müssen abwarten und vielleicht nochmal im Sommer oder im Herbst zusammenkommen“, sagte Knuth abschließend.

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