Simmerath/Nordeifel: Kein Ergebnis im Ringen um das sonderschulische Angebot in der Nordeifel

Simmerath/Nordeifel : Kein Ergebnis im Ringen um das sonderschulische Angebot in der Nordeifel

Was wird aus der Förderschule Nordeifel? Eine Antwort konnte auch die 5. Sitzung des Förderschulverbandes Simmerath nicht geben. Die Hoffnungen ruhen nun auf einem möglichen Gespräch bei NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer, in dem zumindest eine befristete Fortführung des Unterrichts an der Förderschule in Eicherscheid erreicht werden soll.

Wie sehr das Thema Förderschule die Menschen in unserem Raum berührt, war schon an den vollbesetzten Zuschauerrängen am Dienstagabend im Sitzungssaal des Rathauses in Simmerath zu sehen, wo viele Eltern — teils mit ihren Kindern —, Pädagogen und andere interessierte Bürger Platz genommen hatten. Simmeraths Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns, der auch Verbandsvorsteher des Förderschulverbandes ist, skizzierte die Entwicklung der vergangenen Jahre, Monate und Wochen. Er begann beim Beschluss der (inzwischen abgewählten) rot-grünen Landesregierung, die meisten Förderschulen landesweit zu schließen und Kinder mit sonderschulischem Bedarf inklusiv an Regelschulen zu unterrichten.

Betroffen war davon auch die gut funktionierende Förderschule in Eicherscheid, die allerdings aufgrund ihrer Schülerzahl (resultierend aus einem bevölkerungsarmen Einzugsgebiet) nur mit Ausnahmeregelungen fortgeführt werden konnte. Im Vorfeld der Landtagswahl im Mai 2017 warb vor allem die FDP mit einer Änderung der Förderschulpolitik im Lande und wurde bekanntlich vom Wähler mit der Regierungsbildung in Düsseldorf, gemeinsam mit der CDU, beauftragt.

Das Schulressort übernahmen die Liberalen in Person von Yvonne Gebauer, die dann auf Einladung von Bürgermeister Hermanns am 25. Oktober die Förderschule in Eicherscheid besuchte. Der Verbandsvorsteher erinnerte an das damalige Versprechen der Ministerin, „die Idee einer Fortführung des Förderschulangebots in der Nordeifel nach Kräften zu unterstützen“.

In der Folge habe es „eine Reihe von Gesprächen gegeben“, berichtete Hermanns, „leider bisher ohne ein gutes Ergebnis“. So seien Gespräche mit dem Sonderschulerband Schleiden erfolglos verlaufen, weil dieser Verband erst vor Jahresfrist den Standort Dahlem geschlossen hatte und nun nicht in der anderen Himmelsrichtung einen neuen, 27 Kilometer entfernten Nebenstandort betreiben möchte. Somit scheiterte auch die beim Gebauer-Besuch getroffene Maßgabe, bis Ende des Jahre eine Lösung herbeizuführen, wie der Verbandsvorsteher berichtete.

Nach einer Frist-Verlängerung durch die Schulabteilung bei der Bezirksregierung Köln habe es dann in den ersten Tagen des noch jungen Jahres und auch am Sitzungstag weitere, intensive Gespräche mit der Landesbehörde wie auch mit Schulrat Constantin Mertens um die Zukunft der Förderschule gegeben, ohne bislang zu einem Ergebnis gekommen zu sein, wie Karl-Heinz Hermanns bedauerte.

Man strebe daher nun ein weiteres Gespräch mit der Schulministerin an, „in dem die Vertreter des Verbandes dafür werben möchten, die Förderschule Nordeifel in Zusammenarbeit mit einer anderen Schule drei oder fünf Jahre, zumindest aber für ein Jahr fortzuführen, um insbesondere die Entwicklung der Schülerzahlen beobachten zu können“, so Hermanns. Eine Nachfrage gebe es nämlich sehr wohl, der Schule liegen rund 30 Anfragen für eine Schulanmeldung vor, wie Schulleiter Robert Knauf bestätigte.

Aktuell werden in Eicherscheid — bedingt durch die angekündigte Schließung und die damit verbundene Nichtaufnahme weiterer Kinder — noch 27 Mädchen und Jungen unterrichtet, von denen im Sommer zehn die Schule mit ihrem Abschluss verlassen. Unterrichtete werden sie von derzeit noch vier Sonderpädagogen, die sich in Kürze anderweitig orientieren (bewerben) müssen. Dies, wie auch die im Februar beginnende Anmeldefrist und die aktuelle Unsicherheit für betroffene Eltern würden einen enormen Zeitdruck verursachen. „Da muss jetzt sehr bald etwas passieren“, sagte Hermanns.

Schulleiter Knauf dankte für das „unglaubliche Engagement“ aller Beteiligten, sieht aber Probleme mit dem Mindestziel eines einjährigen Fortbestands der Schule. „Das verlängert nur unsere Unsicherheit und wird die Eltern nicht dazu bringen, ihr Kind bei uns anzumelden“. Jorma Klauss, stellvertretender Verbandsvorsteher, erinnerte an die „Hoffnungen, die die neue Landesregierung uns bezüglich der Förderschulen kurz vor und auch nach der Wahl gemacht“ habe. „Jetzt müssen wir sie in die Pflicht nehmen“, sagte Klauss, der dabei aber ausdrücklich jegliche Parteipolitik außen vorließ.

„Ich mag nicht hinnehmen, dass ausgerechnet die schwächsten Schüler unserer Gesellschaft die weitesten Wege zurücklegen müssen“, konstatierte Karl-Heinz Hermanns und kündigte an: „Wir wollen den Kampf noch nicht aufgeben. Rainer Welzel (UWG Roetgen) pflichtete ihm mit einem geflügelten Wort bei: „Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren.“

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