Lammersdorf: Karnevalsfreunde rudern bei Thema Lärm zurück

Lammersdorf : Karnevalsfreunde rudern bei Thema Lärm zurück

Vollmundig hatte der Präsident der Karnevalsfreunde Lammersdorf (KFL) Reimund Lemcke auf deren Mitgliederversammlung Ende April im Zusammenhang mit den von ihrem Festzelt auf dem Otto-Junker-Platz ausgehenden Lärmemissionen verkündet: „Wir haben im Gespräch mit der Gemeinde erreicht, dass die Lärmwerte zu unseren Gunsten geändert wurden.“

Nach der Versammlung spezifizierte der KFL-Präsident seine Aussage dann dahingehend, dass man „in der Darstellung eine Änderung der Emissionswerte erreicht“ habe. Lemcke bezog sich dabei auf ein Gespräch mit dem Beigeordneten Bennet Gielen, an dem vom KFL auch Geschäftsführer Winfried Maassen teilgenommen hatte.

Viel Lärm um Nichts? Um die Zeltaufstellfläche auf dem Otto-Junker-Platz gab es bezüglich der geltenden Lärmemissionen Verwirrungen durch Äußerungen der Vereinsverantwortlichen. Nun stellte die Gemeinde die Verhältnisse klar. Links der Vorstand der Karnevalsfreunde mit (v. l.) Winfried Maassen, dem zwischenzeitlich zurückgetretenen Vorsitzenden Dieter Kaczmarek und Reimund Lemcke. Foto: Karl-Heinz Hoffmann

Danach herrschte nicht nur im Ort allgemeine Verwunderung. Bei einigen anderen Vereinen keimten sogar Gelüste auf, für ihre Versammlungsstätten Ähnliches bei der Gemeinde zu erreichen. Wie eigentlich nicht anders zu erwarten, mussten die Karnevalsfreunde nun „lärmmäßig“ zurückrudern. Nachdem am vergangenen Freitag zwischen Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns und den beiden KFL-Vorständlern ein klärendes Gespräch zur Sache stattgefunden hatte, erklärte KFL-Präsident Lemcke am Montag bei einem anberaumten Pressegespräch im Rathaus zu seiner Äußerung auf der Mitgliederversammlung: „Ich habe mich da sicher missverständlich ausgedrückt.“

„Positives Gespräch“

Bürgermeister Hermanns stellte vorab klar, dass man sich nach dem positiven Gespräch mit den Vereinsverantwortlichen entschieden habe, „diese Dinge nun gemeinsam klarzustellen“. Auch er habe sich nach den Äußerungen von Lemcke mehr als erstaunt gezeigt und sei dann auch von besorgten Lammersdorfern zu den „proklamierten“ höheren Lärm- bzw. Emmissionswerten angesprochen worden. Fakt sei, „dass es nicht möglich ist, den Karnevalsfreunden höhere Emissionswerte zuzugestehen. Hieran kann nachträglich nichts geändert werden“.

Im Gespräch mit dem Beigeordneten Bennet Gielen seien dem Verein durch den Leiter des Bauamtes, Jürgen Förster, lediglich ausführlich technische Möglichkeiten zur Lärmreduzierung aufgezeigt worden. Förster nannte hierzu konkret Lärmpegelbegrenzer, wozu dem Vereinsvorstand eine entsprechende „Lärmskizze“ überreicht worden sei.

Aufgrund dieser auf Lärmpegelbegrenzer basierenden Zeichnung, die auf der Mitgliederversammlung, wie nun vom KFL-Präsidenten mitgeteilt, „missverständlich“ als Ergebnis des Gesprächs mit der Gemeinde dargestellt wurde, sind offensichtlich die erneuten Irritationen entstanden. Diese hatten auch innerhalb des Vereins für Aufregung gesorgt, da sich einige Vereinsmitglieder vom Vorstand bewusst oder unbewusst falsch informiert fühlten. Hierzu der Kommentar eines Vereinsmitgliedes, das namentlich nicht genannt werden wollte: „Die haben dem Verein einen schweren Imageschaden zugefügt — uns nimmt doch keiner mehr für voll.“

Sowohl Geschäftsführer Maassen als auch Präsident Lemcke räumten am Ende des Pressegesprächs ein, dass man nun überlege, die genannten Pegelbegrenzer bei künftigen Veranstaltungen einzusetzen. Zur Zeltfläche auf dem Otto-Junker-Platz, um die man im Zusammenhang mit der gescheiterten Discounter-Ansiedlung noch heftig gerungen hatte, zeigte man sich plötzlich auch „beweglicher“. Maassen und Lemcke erklärten klipp und klar, dass man hier „mittelfristig nach Alternativen suchen muss“. Bürgermeister Hermanns wertete auch dies als ein vom Verein ausgehendes positives Signal für die künftige Zusammenarbeit.

Hintergrund: die Lärmwerte, die Festwiese und das Baugebiet Hasselfuhr

Im Frühjahr 2017 wurden zwei Verantwortliche der KFL auf der Bürger-Infoveranstaltung zum Baugebiet Hasselfuhr ausführlich über die seit Jahren bestehenden Lärmwerte für „ihren“ Zeltplatz inklusive des grundsätzlichen Bestandsschutzes informiert.

Mit Schreiben vom 6. März dieses Jahres richtete der Vorstand der KFL dann eine Eingabe an die Gemeinde, wonach geprüft werden sollte, welche Lärmemissionen vom geplanten Neubaugebiet Hasselfuhr „als Störer die zulässige Nutzung“ der Veranstaltungen auf dem Festzeltplatz beeinträchtigen könne. Eine Klage im Rahmen eines Normenkontrollverfahrens behielt sich der Verein bei Nichtumsetzung vor.

Im Schreiben vom 27. März an die Gemeinde brachten die KFL zum Ausdruck, dass sie grundsätzlich nicht gegen das neue Baugebiet wären, und monierten nun zum allgemeinen Erstaunen die fehlende Prüfung der Emissionswerte von der „Festwiese“ auf das Neubaugebiet, also Lärmmessung von anderer Stelle.

Am 19. April ein Paukenschlag: Dieter Kaczmarek trat auf der Mitgliederversammlung der KFL nach offensichtlichen Differenzen mit seinen Vorstandskollegen Lemcke und Maassen unter anderem zur genannten Vorgehensweise des Vereins zurück. Aufhorchen ließ die Mitteilung, dass die Lärmwerte für die Zeltveranstaltungen des Vereins zugunsten der KFL geändert worden seien.

(ho)
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