Karate-Könner der TuRa erhalten hohe Auszeichnung

„Kampfkunstschule des Jahres 2018“ : Karate-Könner der TuRa erhalten hohe Auszeichnung

Betritt man die Halle oberhalb des Vennbades in Monschau, unmittelbar neben der mittlerweile geschlossenen Elwin-Christoffel-Realschule, herrscht eine Mischung aus Disziplin, Spaß und Motivation. Es sind klare und eindeutige Anweisungen zu hören, dennoch wirkt die Atmosphäre aufgelockert.

„Karate ist eine sehr gesunde Kampfsportart, da dort Muskeln beansprucht werden, die sonst nicht so stark belastet werden“, erklärt Peter Bündgens, Karate-Lehrer bei der TuRa Monschau. Zweimal pro Woche trainiert der 71-Jährige die Bambinis ab vier Jahren, die Jugendlichen sowie die Erwachsenen und lehrt ihnen die Grundlage der Kampfsportkunst. Und offensichtlich zahlt sich die Arbeit des Trainers aus, denn die Karate-Abteilung der TuRa erhielt nun eine hohe Auszeichnung.

Vom Kampfkunst-Kollegium, einem großen, internationalen Karate- und Kampfkunstverband, der im Jahr 2007 als Karate Kollegium gegründet wurde, erhielt die Abteilung die Auszeichnung zur „Kampfkunstschule des Jahres 2018“.

Das Kampfkunst-Kollegium ist eine Vereinigung von professionellen Kampfsportschulen und hat über 40.000 Mitglieder, unter anderem ist auch TuRa Monschau vertreten. Im Kampfkunst-Kollegium sind Kampfkunstschulen aus Deutschland, der Schweiz und Österreich vertreten, und auch andere Sportarten wie Taekwondo oder Kickboxen sind hier eingegliedert. Ziel bei der Gründung war es, einen Verband für professionelle Kampfsportschulen zu gründen, dessen hauptsächliche Zielgruppe neu gegründete Kampfsportschulen sind. Zur Unterstützung dieser Schulen werden mehrfach im Jahr Danprüfungen, Schulungen, Weiterbildungen und Seminare angeboten. Außerdem nimmt die Trainerausbildung einen großen Stellenwert ein. Es werden Übungsleiter, Kampfsporttrainer und professionelle Trainer für den Wettkampfsport ausgebildet, und ein großes Augenmerk liegt auf der Förderung der Jugend.

„Natürlich bin ich stolz auf diese Auszeichnung, denn alleine der Name Toni Dietl kann einen schon stolz machen“, sagt Bündgens respektvoll. Er spielt damit auf Antonius „Toni“ Dietl an, der das Kampfkunst-Kollegium leitet und gleichzeitig dessen Präsident ist. Dietl ist ehemaliger Karate-Bundestrainer sowie Deutschlands erfolgreichster Karateka und war zwischen 1980 und 1992 Führender der Weltrangliste. Zudem war er mehrfacher Deutscher Meister und auch bei Welt- und Europameisterschaften erfolgreich.

„Toni Dietl ist ein guter Bekannter von mir, unter dem ich auch schon viel trainiert habe“, sagt Bündgens. „Außerdem ist die Auszeichnung für uns etwas ganz Besonderes, weil in jedem Jahr lediglich ein Verein in ganz Deutschland diese Auszeichnung erhält.“ Die Auszeichnung wurde im Dezember in Friedrichshafen verliehen. Dazu war Peter Bündgens gemeinsam mit seiner Frau Rosi, die dem Karatesport ebenfalls bereits lange verbunden ist, im Süden Deutschlands.

Die Ehrung, die die Kampfsportschule der Karateabteilung durch den Karateverband für das Jahr 2018 erhalten hat, wird für besondere Leistungen verliehen. „Jedes Jahr erhält ein Verein diese Auszeichnung, der viel unternimmt und aktiv die Jugend fördert“, so Peter Bündgens. Die TuRa hat diese Auszeichnung zum ersten Mal erhalten, auch für „die gute Führung der Abteilung“.

Im Rahmen der Auszeichnung haben Peter Bündgens und seine Frau dann sogleich die Chance ergriffen, und ihre Dan-Grade erweitert. „Eigentlich wollte nur meine Frau ihre Prüfung zum 2. Dan erweitern, aber Toni meinte, dass ich, wenn ich denn schon einmal da bin, auch gleich meine nächste Prüfung machen soll, was dann die zum 4. Dan war“, erzählt der 71-Jährige schmunzelnd, während seine Frau parallel das Training leitet.

Gleichzeitig gibt es eine kurze Lehrstunde über die verschiedene Gurte und Prüfungen im Karate: „Der erste Gürtel ist weiß und eigentlich nur da, um die Karatekleidung zu halten, aber auch diesen muss man sich zunächst verdienen. Danach folgen der gelbe, der orange, der grüne, zweimal der blaue Gürtel, drei braune Gürtel, bevor der 1. Dan abgelegt werden kann. Hierfür müssen jedoch zunächst verschiedene Lehrgänge, wie zum Beispiel der Kampfrichter-Lehrgang gemacht werden, und die Vorbereitungszeit vor dem 1. Dan dauert mindestens ein Jahr“, so der Fachmann. Außerdem müssten vor jedem Gürtel verschiedene Prüfungen abgelegt werden. Die höchste Stufe, die erreicht werden kann, ist der 10. Dan.

„Für den Karatesport sind das Gleichgewicht und die Koordination von großer Bedeutung“, unterstreicht der Karatelehrer. Er betont besonders das Angebot für die jüngeren Trainings-Teilnehmer: „Wir haben hier ein Angebot insbesondere auch für Kinder geschaffen, die sich für die Kampfkunst Karate interessieren“, sagt Bündgens. Zudem gebe es Unterstützung seitens des Verbandes für Jugendliche. „Wir haben hier ein 13-jähriges Mädchen aus einer Flüchtlingsfamilie in unserer Abteilung, die wirklich ein wahnsinniges Talent ist, und mit der es einfach Spaß macht zu trainieren“, schwärmt Bündgens. Sie habe sieben Geschwister, von denen neben ihr vier weitere in der Abteilung aktiv sind.

Besonders sei zudem die „große Altersspanne in unserer Abteilung, denn unser jüngstes Mitglied ist erst vier Jahre alt, unser ältestes dagegen schon 80“, so Bündgens.

Peter Bündgens ist dem Karate inzwischen bereits seit rund 40 Jahren verbunden. Er hat Anfang der 1980er-Jahre mit dem Karatesport begonnen. Seit 1994 ist er ausgebildeter und zertifizierter Kampfkunstlehrer. In Monschau leitet er die Karatekurse mittlerweile bereits seit dem Jahr 2010. Vorher war er bereits zehn Jahre in der Rollesbroicher Karateabteilung als Trainer aktiv sowie 15 Jahre bei Rhenania Eschweiler. „In Eschweiler wurde ich damals auch einmal zum Sportler des Jahres gewählt“, erzählt er.

Ein Schwerpunkt seines Trainings ist eigens auf Kinder und Jugendliche abgestimmt, „denn besonders darauf legt der Verband wert“. Es basiert auf positiven sowie motivierenden Unterrichtsmethoden. Für den Trainer ist es elementar, dass der Karate-Sport das Bewegungsbedürfnis der Kinder und Jugendlichen unterstützt. Auch könne er dabei helfen, Aggressionen abzubauen und einen solidarischen Umgang miteinander zu lernen. Während des Trainings achtet Bündgens darauf, dass es keinen Körperkontakt unter den Teilnehmern gibt, denn dieser sei lediglich in Wettkämpfen vorgesehen. „In unserem Sport ist es wichtig, dass es kontaktlos zugeht, denn Karate ist ein kontaktloser Sport. Ich habe auch bereits viele Jahre Turniere in der Simmerather Dreifachhalle organisiert, aber leider gibt es in den Turnieren immer mehr Körperkontakt, sodass wir mittlerweile nicht mehr an Turnieren teilnehmen.“

Zurzeit zählt die Karate-Abteilung der TuRa rund 30 Mitglieder, wobei es bei der Trainingsbeteiligung eindeutige Unterschiede gebe. „Es ist beim Karate wichtig, dranzubleiben und manche könnten schon etwas mehr tun“, sagt er augenzwinkernd. Insgesamt ist Bündgens mit der Trainingsbeteiligung jedoch zufrieden. „Selbstverständlich suchen wir jederzeit neue Mitglieder und Teilnehmer, denn mehr kann es immer werden.“ Jeder könne bei Interesse einsteigen, denn es werde „kein Wettkampf-Karate angeboten, wofür man drei- bis viermal in der Woche trainieren muss, sondern vielmehr Karate als Breitensport“.

Alles in allem vereint der Karatesport für Peter Bündgens viele positive Eigenschaften: „Das Selbstvertrauen und das Selbstbewusstsein werden gesteigert, die Konzentrationsfähigkeit und das Verantwortungsbewusstsein verbessern sich, und auch die Entwicklung von Disziplin und Vertrauen spielen eine elementare Rolle“, erklärt Bündgens. Was seine Ziele für die Zukunft sind? „In meiner Zeit als Trainer hier habe ich bereits drei Erwachsene und zwei Jugendliche bis zum braunen Gürtel geführt. Wenn mindestens einer von ihnen es in diesem Jahr noch bis zum 1. Dan schafft, dann werde ich etwas kürzertreten“, so Bündgens, der die Prüferlizenz bis zur Abnahme der 3. Dan-Prüfung hat. „Dann wird es auch mal Zeit für die Jüngeren“, sagt der Karate-Lehrer, bevor er sich wieder seiner Trainingsgruppe zuwendet.

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