Monschau: Kammermusikreihe „Montjoie Musicale“ betritt aufsehenerregendes Neuland

Monschau : Kammermusikreihe „Montjoie Musicale“ betritt aufsehenerregendes Neuland

Mit dem Auftritt des montenegrinischen Pianisten Ratimir Martinovic am vergangenen Sonntag betrat die Monschauer Kammermusikreihe „Montjoie Musicale“ ein aufsehenerregendes Neuland.

Wer sich im Vorhinein über dasjenige zu informieren suchte, was auf ihn zukommen sollte, stellte mit Erstaunen fest, dass ausschließlich ein den allermeisten Musikfreunden hierzulande wohl völlig unbekannter Komponistenname auf dem Programm stand. Es handelte sich um den serbischen Komponisten Vasilije Mokranjac, der von 1923 bis 1984 lebte.

Da sich mit diesem Namen naturgemäß wenige bis gar keine Assoziationen einstellten, war die Spannung und Erwartung groß, welche Art Musik an diesem Nachmittag zu hören sein würde. Gleich zu Beginn stellte sich heraus, dass mit Ratimir Martinovic ein außerordentlich kompetenter und kommunikativer Interpret den Nachmittag gestaltete, der, obwohl auf Englisch, den serbischen Komponisten auf eine sehr nahegehende Weise — berichtend und darbietend — zu vergegenwärtigen wusste.

Schon mit dem Hinweis, dass die teils spannungsreichen und, wie er meinte, sogar depressiven Werke des serbischen Meisters dem ersten Frühlingstag des Jahres so gar nicht entsprächen, nahm er für sich und seinen Gegenstand ein. Denn es zeigte sich, dass die zwar durchaus hinter- und tiefgründigen Musikstücke doch auch in vieler Hinsicht lichte Ausblicke hatten, und dass eben insgesamt das Werk eine angefochtene Persönlichkeit spiegelte, die in einer religiösen und mystischen Tiefe die Bedrängnisse eines Lebens ausglich, das aber tatsächlich, wie die Zuhörer mit Betroffenheit erfahren mussten, im Suizid endete.

Mit dem Monschauer Konzert wurde dieser Komponist wohl erstmals in dieser Ausführlichkeit einer deutschen Öffentlichkeit vorgestellt, und zwar mit Werken aus den unterschiedlichsten Lebensphasen des Komponisten. Sicherlich lässt sich allein von diesen Klavierwerken aus noch keine Charakteristik dieser Musik im Ganzen konstruieren. Die Herkunft der Tonsprache aus der nationalen Musik des Balkans oder Osteuropas generell ließ sich heraushören. Martinovic selbst nannte als Bezugspunkte für Mokranjacs Schaffen beispielsweise den Russen Skrjabin oder — was noch mehr einleuchtete — den Ungarn Bartók. Bei den späteren Werken sind auch Einflüsse des Jazz hörbar.

Darüber hinaus bestand das Programm aus einer Serie von Suiten, Etuden und Préludes, die in einer Vielzahl von kürzeren Einzelstücken, bei denen man stellenweise ein wenig die Orientierung verlor, kaleidoskopartig eine musikalische Welt eigener Art ausspannten, mit der man sich gern noch näher befassen möchte. In der Form, wie diese Musik am Sonntag präsentiert wurde, ergab sich zunächst einmal eine Art staunender Überwältigung und vor allem eine große Dankbarkeit dem Interpreten und dem Veranstalter gegenüber, die wirklich einmal etwas Neues wagten. Die Besonnenheit des Interpreten Ratimir Martinovic ist dabei besonders hervorzuheben, der die Dynamik und Verve der Stücke sehr genau dem Steinway-Flügel anpasste, der hier wirklich einmal in seinem Element war.

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