„Unser Dorf hat Zukunft“: Kalterherberg will als Raddorf Punkte sammeln

„Unser Dorf hat Zukunft“ : Kalterherberg will als Raddorf Punkte sammeln

Bis ins kleinste Detail war alles geplant, und nichts wurde dem Zufall überlassen, als die Jury für den Landeswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ zur Begutachtung nach Kalterherberg gekommen war. Es hatte den Eindruck, als sei das ganze Dorf auf den Beinen, und es schien, als ob jeder eine Aufgabe übernommen hätte.

Beim Empfang der Kommission bei Ruitzhof bot sich ein toller Ausblick auf den Ort, und jedes Mitglied bekam einen „Willkommens-Kulturbeutel“ mit Dorf-Flyern und einem Reiseplan überreicht. Außerdem wurde jedem Mitglied der Jury ein Experte für den jeweiligen Fachbereich aus dem Wettbewerbsteam zugewiesen, und so wurden auch die Sitzplätze in dem extra organisierten Bus mit Hybrid-Antrieb vergeben.

Damit es bei der Präsentation im Trubel nicht zu Verständnisschwierigkeiten kam, wurden Funkkopfhörer verteilt. Alle Beteiligten waren gebrieft und in ihre Aufgaben eingewiesen, und auch der Zeitplan war genau getaktet. Jedem Redner stand bei seiner Präsentation ein klar vorgegebener Zeitrahmen zur Verfügung, eine überdimensionale Eieruhr diente stets der Orientierung.

„Das ist wie ein Film mit einem Drehbuch und einer Vielzahl von Darstellern“, erklärte Aarne Kreuzinger-Jannik als Leiter des Wettbewerbsteams. Als Roter Faden dienten dabei die Impulse aus der Zukunftswerkstatt und dem Dorfentwicklungskonzept.

Mit dem Bus ging es über kleine Umwege in Richtung Ortsmitte, wo sich viele Kalterherberger am „Eifeldom“ versammelt hatten. Dabei blieben der Jury, die fleißig Notizen und zahlreiche Fotos machte, auch nicht der Fahnenschmuck an den Häusern und die zahlreichen Fahrräder verborgen, die an Zäunen angekettet oder in luftiger Höhe an Laternenmasten montiert, auf Hecken drapiert oder zwischen Bäumen aufgespannt waren.

So sollte verdeutlicht werden, dass sich der Ort zukünftig als Rad- und Wanderdorf aufstellen will. Unterwegs wurde auf die Geschichte des Dorfes eingegangen, und die besonderen Beziehungen zu den belgischen Ortsteilen Leykaul und Küchelscheid wurden in den Vordergrund gerückt. „Hier kann man sehen, dass eine Staatsgrenze nicht trennen konnte, was zusammen gehört“, erklärte der 1. Schöffe der Gemeinde Bütgenbach, Charles Servaty.

Gegenüber dem „Eifeldom“ wurde eine symbolische Buche „gepflanzt“, die mit ihren Wurzeln, dem Stamm, Zweigen und Blättern die Stärken des Dorfes aufzeigen sollte.

An gleicher Stelle hatten Hersteller von regionalen Produkten Gelegenheit, ihre Betriebe kurz vorzustellen, bevor ein kurzer, aber umso intensiverer Dorfrundgang auf dem Programm stand.

Dazu gehörten ein Besuch im „Eifeldom“ sowie Informationen zu den Gaststätten, Geschäften, zur Straßenraumgestaltung, zum Jugendraum, zum Pfarrzentrum, zum Kindergarten und zur Integration von Flüchtlingen. Besucht wurden auch der Clara-Viebig-Park, ein Biogarten und ein Reha-Zentrum für Pferde. An der Malmedyer Straße wurden der Jury Beispiele für das Bauen im Bestand gezeigt.

Bei einem Gang über den Friedhof wurden Veränderungen in der Bestattungskultur deutlich. Auf dem Schulhof warteten dann schon die Ortsvereine auf die Kommission, und der Musikverein intonierte das neue Dorflied, das an die Stadionhymne des 1. FC Köln angelehnt ist. „Nur zusammen sind wir stark — Kalterherberg“, sangen alle dort versammelten gemeinsam und lautstark.

Das Wir-Gefühl gestärkt

Weiter ging es dann wieder mit dem Bus an den Sportanlagen und an dem Gelände für den geplanten Pump-Track (Fahrrad-Geschicklichkeitsparcours) vorbei. Während der Fahrt erfuhren die Mitglieder der Kommission einiges über die zahlreichen denkmalgeschützten Häuser im Ort, und dass in Kleinfrankreich, wo früher viele ältere Menschen lebten, inzwischen junge Familien für frischen Wind sorgen. Die Jury notierte auch, dass der Ort rund 500 Arbeitsplätze vorzuweisen hat, und bekam die beiden großen Betriebe im Gewerbegebiet zu sehen.

Nach zwei Stunden endete die Tour schließlich am Naturdenkmal „Theißbaum“. Hier wurde nochmals die Gelegenheit genutzt, um mit der Kommission ins Gespräch zu kommen und auch auf den letzten Metern noch den ein oder anderen Punkt zu sammeln.

„Man kann erkennen, dass die Bürgerschaft in Gänze am Dorfleben teilnimmt, und dass das Dorf entwickelt wird. Das sieht man auch an dem Leitbild. Da stehen alle dahinter. Hier gibt es ein sehr aktives Vereinsleben und trotz der Lage auch Gewerbe“, fasste der Leiter der Kommission, Dr. Waldemar Gruber von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, seine Eindrücke zusammen. „Machen Sie weiter so“, sagte er zu den Kalterherbergern.

Nachdem die Landeskommission wieder abgereist war, machte sich Erleichterung breit. „Wir sind froh, dass wir unseren Plan umsetzen konnten. Wir haben es auf den Punkt geschafft, und alle waren engagiert dabei“, sagte Kreuzinger-Jannik. Nicht nur einmal war zu hören, dass sich die Teilnahme an dem Wettbewerb schon deshalb gelohnt habe, weil so das Wir-Gefühl der Kalterherberger unheimlich gestärkt worden sei.

44 Dörfer nehmen am Landeswettbewerb teil

Der Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ findet in Nordrhein-Westfalen zum 26. Mal statt. Auf Landesebene nehmen 22 Dörfer aus dem Rheinland und 22 Dörfer aus Westfalen-Lippe daran teil. Aus 580 Dörfern der beiden Landesteile hatten die jeweiligen Kreisbewertungskommissionen im Jahr 2017 die Siegerdörfer in NRW ermittelt.

Bewertet werden beispielsweise von der Dorfgemeinschaft entwickelte Leitbilder und Konzepte für die Zukunft des Dorfes. Initiativen zur Verbesserung der Infrastruktur und flexible Möglichkeiten der Grundversorgung sind wichtige Aspekte für die Bewertung. Aber auch die Auseinandersetzung mit einer nachhaltigen Energieversorgung, der Umgang mit der Bausubstanz und Umnutzungsmaßnahmen gehören dazu. Mobilität und Kooperation mit umliegenden Orten sind ebenfalls wichtige Aspekte.

Die besten fünf Dörfer werden mit Gold ausgezeichnet und werden 2019 am Bundeswettbewerb teilnehmen. Die Ergebnisse des Landesentscheides werden am Sonntag, 9. September, bekanntgegeben.

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