Mützenich: Kabarettist Jupp Hammerschmidt über das wirklich wahre Leben in der Eifel

Mützenich : Kabarettist Jupp Hammerschmidt über das wirklich wahre Leben in der Eifel

Nichts bestimmt das Leben in der Eifel so sehr wie der heftige, ekelhafte, fiese Wind. „Ne baschtisch wracke Wönk“, wie der Eifeler sagt.

Und als natürlichen Windschutz haben die Eingeborenen dann im Laufe der Jahrtausende bekanntlich hohe Buchenhecken angebaut, beschnitten und liebevoll gepflegt, bis sie schließlich das wurden, was sie heute sind: das achte Weltwunder. Und Jupp Hammerschmidt als geborener Höfener weiß natürlich ganz genau, wie die Welt sich immer schon darbot — von hinter der Hecke gesehen.

„Ne baschtisch wracke Wönk“ heißt auch das aktuelle Programm des Höfener Kabarettisten, mit dem er im November zweimal zu Gast im Stadtgebiet Monschau ist. Am Samstag, 11. November, spielt er sein Programm in Mützenich in der Kulturstätte „Weisses Pferdchen“, Eupener Straße 62.

Er erzählt in diesem Programm unter anderem davon, welch zentrale Rolle Brei früher im Eifeler Ernährungsplan spielte — mit und ohne Rosinen, aber immer mit Haut und Knubbeln, und immer mit einem Schuss Himbeersaft, neben Maggi die zweite kulinarische Säule in der Eifel der Nachkriegszeit. Der „baschtisch wracke Wönk“ dominierte das wirklich wahre Leben in der Eifel in allen Belangen — bis hin zur sparsamen Verwendung der Sprache — man wollte den ekelhaft fiesen Wind nicht auch noch in den Atemwegen haben.

Die immer wieder zu hörenden hämischen Kommentare über die Folgen der „innerfamiliären Fortpflanzung“ auf engstem Raum hinter den Hecken weist Hammerschmidt klipp und klar zurück — Forschungen hätten längst eindeutig nachgewiesen: Die Eifeler waren vom IQ her immer schon in der Lage, einfache Sortierarbeiten zu verrichten, da gibt es keinen Zweifel.

Hosentaschen voll Kaffeebohnen

Allerhand „Versenktexte“ fehlen ebenso wenig wie das Poem über den berühmten „Brunnen auf der Triftstraß“, das Franz Schubert so einfühlsam vertonte. Und wozu es gut war, sich vor der Wallfahrt nach Heimbach die Hosentaschen voll Kaffeebohnen zu stopfen — diese seit Jahrzehnten immer wieder gestellte Frage wird ebenfalls endlich beantwortet. Ob „Zömmermanns Jupp“ erneut zu Wort kommt, bleibt abzuwarten...

Der Eintrittspreis beträgt 12 Euro im Vorverkauf und 14 Euro an der Abendkasse. Nähere Infos unter Telefon 0157/71749729.

Jupp Hammerschmidt, geboren 1947 bei pfeifendem Westwind hinter hohen Buchenhecken im Eifeldorf Höfen nahe Monschau, nur einen Steinwurf entfernt von Kalterherberg. Studium der Germanistik und Geschichte, zehn Jahre Buchhändler, danach Comedy-Autor in Rundfunk und Fernsehen, u.a. für Thomas Gottschalk, Harald Schmidt und Ottfried Fischer. 2012 erschien „Das Klümpchensglas — und andere Geschichten aus der Eifel“ (auch als Hörbuch, von Jupp selbst eingesprochen). Hammerschmidts erster Band mit Eifelgeschichten kam 2008 in die Läden — unter dem Titel „Die Frisierkommode“ (ebenfalls als Hörbuch eingesprochen), das Buch „Möhren im Advent“ enthält lauter sinnträchtige Nonsensgedichte.

Zwei Wochen nach dem Gastspiel in Mützenich ist Jupp Hammerschmidt dann mit „Ne baschtisch wracke Wönk“ in Konzen zu Gast. Der Auftritt im Saal Achim & Elke findet am Sonntag, 26. November, ab 19 Uhr statt.

(P. St.)
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