Monschau: Jung und Alt sind in Monschau gut versorgt

Monschau : Jung und Alt sind in Monschau gut versorgt

In Monschau lebt es sich in allen Phasen eines Lebens gut und oft besser als in den größeren Städten der Umgebung. Das heißt aber nicht, dass es im sozialen Bereich nicht auch einige Verbesserungsmöglichkeiten gäbe. So lässt sich grob der Bericht zur Sozialplanung der Städteregion Aachen für den Bereich der Stadt Monschau zusammenfassen, der nun Thema im Sozialausschuss war.

Dazu war nun Prof. Dr. Edeltraud Vomberg, Dezernentin für Soziales und Integration bei der Städteregion, nach Monschau gekommen, um im Rahmen der städteregionalen Sozialberichterstattung ausgewählte Ergebnisse für den südlichsten Bereich der Städteregion vorzustellen.

Sozialräume in der Stadt Monschau. Grafik: zva.

Sozialplanung, so erläuterte Prof. Vomberg, verfolgt das Ziel, die Lebenslagen von Menschen bedarfsorientiert zu beeinflussen, ihre Teilhabechancen zu verbessern und Angebote dort zu platzieren, wo sie benötigt werden. Voraussetzung für das Aufstellen eines Sozialplans ist eine umfassende Bestandaufnahme, also ein Sozialbericht, der in definierten geografischen Räumen (Stadtteile, Dörfer, Quartiere, Viertel) verschiedene Themenfelder beobachtet, dazu Daten bereitstellt und diese bewertet.

In ihrem gesamten Zuständigkeitsgebiet hat die Städteregion Aachen 93 Sozialräume in einer Größenordnung zwischen 700 und 8500 Einwohnern abgegrenzt, davon 14 in der Stadt Aachen und 79 im Altkreis Aachen. Mit 17 verschiedenen Sozialräumen in Stolberg und 15 in Eschweiler sind die kleineren Städte der Region dabei noch höher aufgeschlüsselt als das Oberzentrum Aachen.

In der Nordeifel unterscheidet die Analyse zwischen weit weniger vergleichbaren Sozialräumen: in Simmerath sind es drei, in Roetgen und auch in Monschau je zwei. In der Stadt Monschau sieht der Bericht eine ähnliche Struktur für Monschau-Altstadt, Konzen und Imgenbroich (Sozialraum M1) sowie für Rohren, Kalterherberg, Mützenich und Höfen (M2), wobei die Unterschiede aber längst nicht so groß sind wie in den Ballungsräumen.

Erhöhtes Durchschnittsalter und wenig Kinder

Für diese Bereiche hat der Sozialbericht die Themenfelder Soziodemografie (z. B. Altersstruktur, kulturelle Diversität), Sozioökonomie und Erwerbsbeteiligung (u.a. Arbeitslosigkeit und materielle Armut) sowie Lebenslagen von Kindern, Jugendlichen und Familien (Familienkonstellationen, Gesundheit, Bildung und Erziehung) untersucht.

Für beide Monschauer Sozialräume habe man, so die Dezernentin, ein insgesamt erhöhtes Durchschnittsalter, einen höheren Anteil älterer Bevölkerung, einen leicht unterdurchschnittlichen Anteil von Kindern sowie überdurchschnittliche Werte bei den einzelnen Indikatoren festgestellt. „Die Alterung der Gesellschaft und die damit verbundenen Herausforderungen betreffen eher die ländlich strukturierten Sozialräume“, sagte Edeltraud Vomberg und nannte Zahlen: So beträgt das Durchschnittsalter in der gesamten Städteregion 42 Jahre, in Monschau dagegen 47 Jahre, wobei es im südlichen M2-Sozialraum noch zwei Jahre höher liegt.

Den „jüngsten“ Sozialraum verzeichnet man rund um die Hochschule in Aachen, wo das Durchschnittsalter bei 28 Jahren liegt. Dass es ältere Menschen nach dem Erwerbsleben gerne in die Eifel zieht oder dort hält, zeigen auch diese Zahlen: Auf die gesamte Städteregion betrachtet, liegt der Anteil der Menschen über 65 Jahre bei 19,6 Prozent; in Monschau sind es 22,5 Prozent, wobei auch hier der Anteil in Rohren, Kalterherberg, Mützenich und Höfen (23,2 Prozent) höher liegt als in den drei nördlichen Stadtteilen (21,7 Prozent).

Wie aber ist es um die Lebenslagen älterer Menschen in der Stadt Monschau bestellt? „Der Anteil der Personen, die Sozialleistungen im Alter beziehen, liegt ebenso deutlich unter dem städteregionalen Schnitt wie die Anteile der Langzeitarbeitslosen und der Arbeitslosen im Alter von 55 Jahren und älter“, hielt Prof. Vomberg fest. In Zahlen ausgedrückt liegt der Anteil der Altersarmut städteregional bei 4,8 Prozent im Schnitt, in Monschau hingegen nur bei 1,3 Prozent.

Und der Anteil der Langzeitarbeitslosen liegt in der gesamten Städteregion bei 43,8 Prozent, in der Stadt Monschau dagegen bei nur 31 Prozent (26,1 Prozent im Sozialraum M2). „Generell ist der Arbeitsmarkt in der Nordeifel zurzeit sehr entspannt“, verwies auch Monschaus Sozialamtsleiter auf Arbeitslosenquoten von etwas mehr als drei Prozent im Südkreis.

Drei Pflegeeinrichtungen

Von „Hochbetagten“ spricht die Soziodemografie bei Menschen über 80 Jahren, und auch hier liegt der Anteil in Monschau mit 6,4 Prozent höher als im Städteregionsdurchschnitt (5,6 Prozent). Was die Versorgung älterer Menschen angeht, gibt es drei stationäre Pflegeeinrichtungen im Stadtgebiet, „allerdings keine Tagespflege in Monschau“, hielt Prof. Vomberg fest und hält „die Entwicklung einer Kurzzeitpflege im hiesigen Bereich“ für sinnvoll. Hermann Mertens hielt hierzu fest, dass in der Stadt Monschau „überproportional viele ältere Menschen zu Hause von der eigenen Familie oder von Pflegekräften aus Osteuropa gepflegt“ würden. Kritisch merkte Mertens an, dass hier „teilweise im Schwarzbereich gearbeitet wird und oft leider mit nicht guter Qualität“.

Bezugnehmend auf die Lebenslagen von Kindern und Familien zog die Dezernentin das Fazit: „Der soziale Status der Eltern wirkt sich in der gesamten Städteregion auf die Gesundheit und Bildungschancen der Kinder aus. Arbeitslosigkeit und Bezug von Transferleistungen und damit verbundene Armutslagen liegen in Monschau teils deutlich unter den städteregionalen Werten. Und der durchschnittliche Bildungsindex der Eltern in Monschau liege auf mittlerem Niveau“, so Prof. Vomberg.

Leben Kinder in der Eifel allgemein und in Monschau im Besonderen gesünder als Stadtkinder? Der Sozialbericht beantwortet dies mit einem klaren Ja. „Die Indikatoren zur Gesundheit von Schulneulingen liegen auf oder über städteregionalem Niveau“, hat man beim Gesundheitsamt der Städteregion festgestellt, das auch in der Eifel jedes einzuschulende Kind untersucht.

Dabei waren im Berichtszeitraum 79,6 aller Kinder normalgewichtig, 73,1 Prozent ohne Sprachtherapiebedarf und galten 80,3 Prozent aller Sechsjährigen als „zahngesund“. Auch dass über die Hälfte aller Kinder nach der Grundschule mit Empfehlung auf ein Gymnasium wechsle sei ein „guter Schnitt“. Ausschussmitglied und Gymnasiallehrer Uli Kühn merkte hierzu an: „Noch interessanter wäre die Zahl, wie viele Kinder auch auf dem Gymnasium bleiben.“

Bei den noch Kleineren spricht der Sozialbericht von „Institutioneller U3-Betreuung“, die in der Stadt Monschau wie auch im städteregionalen Durchschnitt knapp unter 31 Prozent liegt. In der Eifel sei aber überproportional eine Betreuung durch die Familie sichergestellt, ergänzte die Expertin.

Sozialfunktion der Vereine

„Der Sozialbericht listet viele kritische Dinge auf, die in der Stadt Monschau glücklicherweise noch weniger belangreich sind“, fasste Benno Palm (CDU) die Ausführungen zusammen. Auch die dezentrale Unterbringung von Flüchtlingen beispielsweise entschärfe viele Brennpunkte, so Palm. Roland Krökel (SPD) hatte dagegen „noch die ein oder andere Baustelle“ herausgehört, etwa schlecht bezahlte Pflegekräfte oder Probleme durch den demografischen Wandel. Krökel lobte aber die Arbeit der Vereine, „die hier bei uns in Monschau eine sehr hohe Sozialfunktion ausüben“.

Die detaillierte Auswertung des Sozialberichts, so kündigte Prof. Dr. Edeltraud Vomberg abschließend an, sei beantragt und werde auf der Internetseite der Städteregion im Bereich Inklusion/Sozialplanung veröffentlicht.

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