Aachen: Jugendämter der Städteregion: Konzept zur Stärkung des Kinderschutzes

Aachen: Jugendämter der Städteregion: Konzept zur Stärkung des Kinderschutzes

Alle sieben Jugendämter in der Städteregion haben sich zu einem Netzwerk zusammengeschlossen, mit dem auf breiter Front für den Kinder- und Jugendschutz mobil gemacht werden soll.

„Die Menschen müssen das Bewusstsein entwickeln, dass Kinder das Wichtigste sind, was wir haben”, sagt Paula Honkanen-Schoberth, Bundesgeschäftsführerin des Kinderschutzbundes, bei der gestrigen Gründungsveranstaltung im Haus der Städteregion in Aachen.

Kern des Netzwerkes sind die Zivilcourage-Aktion „Im Blick” und die Kampagne für gewaltfreie Erziehung „Mein Kind ist unschlagbar”, die gemeinsam konzipiert wurden. In der Folge sollen in den kommenden zwei Jahren Maßnahmen ergriffen werden, um in den zehn regionsangehörigen Kommunen eine „Kultur des Hinsehens und -hörens” zu etablieren.

Die Gefahr von Missbrauch, Verwahrlosung, häuslicher, aber auch öffentlich ausgetragener Gewalt soll noch stärker als bislang schon im Ansatz erkannt und verhindert werden. Zudem sind Kinospots, Plakataktionen und regelmäßige Berichterstattungen geplant, damit diese Themen nicht aus den Augen der Öffentlichkeit verschwinden.

„Wir haben alle das Bild von Dominik Brunner vor Augen, der an den Folgen seines Eingreifens gestorben ist”, sagte Angelika Degen vom Jugendamt der Städteregion, das für die Kommunen Baesweiler, Monschau, Roetgen und Simmerath zuständig ist.

Zwar sei dessen tragischer Tod „natürlich die Ausnahme”. Doch auch vor diesem Hintergrund liegt ein Schwerpunkt auf Fortbildungen und Schulungen, bei denen Mitglieder bestimmter Berufsgruppen wie Busfahrer trainieren sollen, wie sie angemessen in Konfliktsituationen reagieren können - ohne sich selbst in Gefahr zu bringen.

Schließlich helfe in vielen Fällen das Hinschauen oder Eingreifen von Erwachsenen, hieß es gestern. „Die meisten Menschen wollen helfen, doch sie wissen oft nicht wie”, sagte Bernd Krott vom Jugendamt Herzogenrath.

Die Vernetzung aller Institutionen wie Jugendämter, Hebammen, Kinderärzte, Polizei und Bildungseinrichtungen ist die Voraussetzung der Aktion „Im Blick”. Die Gewaltprävention sollte schon im frühen Kindesalter ansetzen. So findet etwa der „Babybesuchsdienst”, den es bereits in allen Kommunen des Altkreises gibt, in den ersten Lebenswochen eines Neugeborenen statt.

Auch wenn Kinder nicht turnusgemäß zu den Früherkennungsuntersuchungen der Kinderärzte erscheinen, müsste sich ein Gespräch mit den Eltern anbieten. „Langfristige Hilfe geschieht nur über die Eltern”, sagte Honkanen-Schoberth: „Überforderten Müttern und Vätern sollte so früh wie möglich Hilfe angeboten und der Kontakt zu anderen Betroffenen erleichtert werden.”

Das Projekt ist auf zwei Jahre angelegt. Doch damit es überhaupt losgehen kann, werden Kooperationspartner aus Industrie, Handel, Banken und Verbänden gesucht, die mit finanzieller und ideeller Unterstützung sowie ihrem Know-how zum Gelingen beitragen können.

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