Johann Wilden dreht den Zapf nach 42 Jahren langsam zu

Der Abschied naht : Johann Wilden dreht den Zapf nach 42 Jahren langsam zu

Ohne Zweifel ist Johann Wilden in Simmerath eine Institution. Als Eigentümer der gleichnamigen Gaststätte an der Bruchstraße führt er schon gefühlte Ewigkeiten diesen Traditionsbetrieb, ohne den man sich den Zentralort gar nicht vorstellen kann.

Aber die Zeiten, in denen Wilden, den alle Gäste liebevoll „Schang“ nennen, am Zapfhahn steht, nähern sich dem Ende. „Ich werde im nächsten Jahr 70 und dann ist Mitte 2019 Schluss“, stellt er fest. Dabei klingt schon ein wenig Wehmut mit, da er quasi sein ganzes Leben in der Simmerather Kultkneipe verbracht hat. „Später ist hier meine Frau mit eingestiegen, meine vier Kinder sind hier groß geworden, und ich hatte hier auch unheimlich viele schöne Begegnungen.“

Dass hinter dem Tresen irgendwann Schluss ist, hatte Johann Wilden schon länger geplant. Der Wirt aus „Berufung und Leidenschaft“ führt zur anstehenden Schließung auch an, dass seine Frau gesundheitlich angeschlagen sei und er selbst die langen Abende nicht mehr so einfach wegstecke.

Ehefrau Brigitte Wilden, die im Münsterland (Emsdetten) geboren wurde und 1970 wegen ihres Schangs und der Liebe in die Eifel zog, meint hierzu: „Dass wir damals die Gaststätte gemeinsam übernahmen, war eine Selbstverständlichkeit, die wir auch nie bereut haben." Die anstehende Schließung sei zudem eine bewusste Entscheidung für ein etwas anderes Familienleben gewesen. Schließlich habe man kein Wochenende, keinen Feiertag frei gehabt, und die Möglichkeit für Urlaub habe es auch nur selten gegeben.

Den Familienbetrieb hatten Johann und Brigitte Wilden 1976 von Mutter Anna übernommen. Zur Gaststätte gehört neben der Kegelbahn auch der überörtlich bekannte Festsaal, in dem von Vereinsversammlungen über Ausstellungen, Theateraufführungen und Festivitäten aller Art auch viele „Karnevalsschlachten“ stattfanden – ein Saal mit besonderer Aura, mit Charme, und ebenso wie die Kneipe ohne Zweifel ein Stück Lokalgeschichte. Wenn die Sonnenfunken ihre Kleine Sitzung abhielten oder die Landfrauen zur Sitzung luden, war er immer vollbesetzt.

Veränderte Kneipenkultur

Ansonsten hat auch Johann Wilden in den letzten Jahren bemerkt, dass sich die Kneipenkultur verändert hat. „Gekegelt wird heute fast noch wie früher, aber die typischen Kneipengänger sind rar geworden“, hält er dazu fest und führt dies auf einen Wandel in der Gesellschaft zurück. Dass immer mehr Kneipen aus dem Ortsbild verschwinden, hat nach seiner Meinung nichts mit dem Rauchverbot zu tun. Die Vielzahl von Vereinsheimen habe den Gastronomen jedoch zugesetzt.

Wenn das Gastronomenpaar Mitte nächsten Jahres das letzte Bier über die Theke reicht, geht nicht nur die Zeit der Traditionskneipe, sondern auch die des Saales, immerhin die größte Feierstätte des Zentralortes, zu Ende. Dazu Wilden: „Die Theatergruppe wird im Januar ein letztes Mal bei uns spielen.“ Am 19. Januar findet auch letztmalig die kleine Sitzung der KG Sonnenfunken im Saal Wilden statt. Und für die Simmerather Landfrauen gehen im nächsten Jahr gleichfalls im Simmerather Kultsaal zum letzten Mal die Lichter an. Wie Margit Heiduk mitteilt, findet dort am 23. Februar letztmalig die Sitzung der Simmerather Landfrauen statt.

Darüber hinaus musste sich die KG Sonnenfunken nach weiteren Alternativen umsehen, da Johann Wilden sich den Stress des Zugausklangs am Tulpensonntag nicht mehr antun will. Zum Hineingleiten in den baldigen Ruhestand gehört auch, dass er die Bewirtung bei der diesjährigen Prinzenproklamation der Sonnenfunken in der Dreifachhalle am Berufskolleg nicht mehr übernehmen wird. Dazu haben die Simmerather Karnevalisten sich zwischenzeitlich etwas einfallen lassen. Ab Fettdonnerstag steht am Rathaus ein Festzelt der KG, in dem man von diesem Tag an bis zum Ausklang des Tulpensonntagszuges dem karnevalistischen Treiben nachgehen wird.

Wünsche für die Zukunft

Die Zukunftspläne der Wildens sehen einen Verkauf von Gaststätte, Wohnhaus und Festsaal vor. „Da wäre unser Traum natürlich, dass ein ambitionierter Gastronom Interesse daran hätte, die Gaststätte in unserem Sinne weiterzuführen.“ Dabei ist sich Wilden darüber im Klaren, dass es schwierig ist, in der Gastronomie einen Nachfolger zu finden, zumal einiges neu gemacht werden müsse, um sich zukunftsfähig aufzustellen.

Für die Zukunft suchen Johann und Brigitte Wilden aber auch ein kleines Haus für sich. „Ein Häuschen zum Mieten“, merkt Wilden dazu an und erklärt augenzwinkernd: „Wir wollen im Alter flexibel sein.“ Potenzielle Vermieter und Käufer können sich in der Gaststätte Wilden melden (Tel. 02473/1232).

So ganz in den Ruhestand will sich Johann Wilden im Übrigen im nächsten Jahr nach der Verabschiedung von seinem Zapfhahn auch nicht begeben. Seine Jever-Touren wird es weiter geben, und auch zum Eishockey nach Düsseldorf, wofür er und sein Enkel eine Dauerkarte haben, will er weiter gute Freunde und Wegbegleiter einladen.

www.gaststätte-wilden.de