Roetgen: In Roetgen wird das Sterben immer teurer

Roetgen: In Roetgen wird das Sterben immer teurer

Gegenüber dem Vorjahr kommt es in Roetgen vor allem bei den Urnenbestattungen zu erheblichen Kostensteigerungen.

In seiner jüngsten Sitzung hat der Hauptausschuss über die neuen Friedhofsgebühren beraten. Wenngleich alle Fraktionen ausdrücklich die Richtigkeit der Berechnungen anerkannten und feststellten, dass man wohl um eine Zustimmung nicht herumkomme, blieb ein allgemeines Unbehagen, das sich in einer lebhaften Diskussion über künftige Bestattungsformen niederschlug.

Umstritten waren insbesondere zwei neue „Gebührentatbestände”. Zum einen soll jetzt eine Benutzungsgebühr für den Sargtransportwagen oder andere Geräte und Einrichtungen der Friedhöfe erhoben werden, wenn die Friedhofskapelle oder der Vorplatz nicht genutzt werden, zum Beispiel bei Aufbahrungen in der Kirche. Zum anderen soll künftig eine Verwaltungsgebühr für die Genehmigung für eine vorzeitige Einebnung einer Grabstätte erhoben werden.

Diese neuen Gebühren empfand Stephan Speitkamp (CDU) als „pietätlos”, aber sowohl Kämmerer Heinz Mertens als auch Bürgermeister Manfred Eis machten klar, dass es findigen Bestattern bzw. Angehörigen allein um die Umgehung von Gebühren bzw. Einsparungen bei der Grabpflege gehe. Das könne nicht zu Lasten der Allgemeinheit gehen.

Silvia Bourceau (UWG) regte an, die Bürger nach Simmerather Vorbild mit ins Boot zu nehmen, weil deren wechselndes Verhalten - zum Beispiel eine verstärkte Nachfrage nach Urnenbestattungen - einer Gebührenstabilität entgegenstehe. Klaus Onasch (SPD) zweifelte jedoch daran, dass durch Diskussionen mit den Bürgern die Bestattungskultur wieder geändert werden könne.

Michael Seidel (CDU) verwies auch darauf, dass diese Gespräche, auch mit den Kirchen, schon vor Verabschiedung der neuen Friedhofssatzung geführt worden sind. „Wir können der Entwicklung nur hinterherlaufen”, stellte auch der Kämmerer fest.

Zwar sei der Wunsch, preiswerte Bestattungsformen zu wählen, legitim, ebenso legitim sei aber auch der Wunsch nach traditionellen Formen wie der Erdbestattung, durch die dann andere Formen nicht subventioniert werden dürften.

Die Gesamtkalkulation wurde mit elf Stimmen bei zwei Enthaltungen angenommen, für die beiden neuen Gebühren fand sich mit sieben Stimmen bei sechs Gegenstimmen nur eine knappe Mehrheit. Genauso knapp nicht durchsetzen konnte sich Ingrid Karst-Feilen (Grüne) mit ihrem Antrag, sich den Veränderungen zu stellen und von der Verwaltung alternative Bestattungsformen ausarbeiten zu lassen.

Mit folgenden Sätzen müssen die Roetgener Bürger künftig rechnen (in Klammern die Vergleichszahlen von 2009):

Nutzungsrechte: Reihengrab bis fünf Jahre 182,34 Euro (167,09 Euro); Reihengrab über fünf Jahre 700,17 Euro (641,61 Euro); Reihengrab auf Rasenfläche 910,17 Euro (834,61 Euro); Urnengrab 583,48 Euro (356,45 Euro); anonymes Urnenreihengrab 758,48 Euro (463,45 Euro); Wahlgrab Einzel 1633,74 Euro (1497,09 Euro); Wahlgrab Doppel 3734,26 Euro (3421,91 Euro); Wahlgrab Urne 1555,94 Euro (1140,64 Euro)

Grabanfertigung: Reihengrab bis fünf Jahre 602,29 Euro (500,31 Euro); Reihengrab über fünf Jahre 645,88 Euro (577,00 Euro); Urnengrab 164,84 Euro (104,78 Euro); anonymes Urnenreihengrab 149,30 Euro (72,67 Euro); Wahlgrab Einzel 692,51 Euro (631,01 Euro); Wahlgrab Doppel, Erstbest. 692,51 Euro (721,01 Euro); Wahlgrab Urne 164,84 Euro (137,34 Euro); Wahlgrab Doppel, Zweitbest. 878,96 Euro (931,00 Euro).

Das Nutzungsrecht an einem Kindergrab beträgt 25 Jahre und an einem Reihen- oder Urnenreihengrab 30 Jahre. Das Nutzungsrecht an einem Wahlgrab (Einzel-, Doppel- oder Urnengrab) beträgt 40 Jahre.

Gebühr für den Sargwagen

Die Nutzungsgebühren für die Friedhofskapelle bleiben unverändert und betragen für drei oder mehr Tage 420 Euro, für zwei Tage 280 Euro und für einen Tag 140 Euro. Für die Nutzung des Vorplatzes am Tag der Beerdigung - alternativ zur Kapelle - sind 105 Euro zu entrichten. Für die Überlassung des Sargtransportwagens u. ä., wenn Friedhofskapelle oder Vorplatz nicht genutzt werden, fallen 50 Euro an. Die Genehmigung für eine vorzeitige Grabeinebnung kostet 20 Euro.