Lammersdorf: In Lammersdorf wird Ölmalerei zur Leidenschaft

Lammersdorf: In Lammersdorf wird Ölmalerei zur Leidenschaft

„Man sieht die Welt mit anderen Augen”, erklärte Guido Breuer, Teilnehmer einer Ölmalgruppe im Malerforum Lammersdorf, „jedes Rot, jedes Gelb, jedes Orange”, jede differenzierte Farbe des Herbstlaubes.

Der Unterricht bei Jürgen Siebertz fördere die Wahrnehmung der Farben, von Licht und Schatten, von Form und Stofflichkeit. Ein Spaziergang durch die Laubwälder bedeute heute etwas ganz anderes für ihn und neben dem Wissen über Malerei sei es eine „Bereicherung insgesamt”, so Breuer.

Sechs Gruppen mit rund sieben bis acht Personen wöchentlich unterrichtet der Kunstpädagoge H. Jürgen Siebertz. Dafür steht ein heller freundlicher Raum mit allen benötigten Utensilien, von Farbpaletten und Malmitteln über Pinselhaltern und Reinigungsmitteln bis zu Staffeleien für einen festen Monatsbeitrag innerhalb seines Bauernhauses zur Verfügung, ein weiterer Raum für Materialien und zur Trocknung und Aufbewahrung der Bilder und ein eigener Ausstellungsraum mit Bildern, die Siebertz eigene langjähriger Arbeit als Maler dokumentieren.

Neben den wöchentlichen Kursen bietet der passionierte Maler, der schon in jungen Jahren unter der Anleitung seines Vaters, eines Landschafts- und Genremaler lernte und Kunstpädagogik an der RWTH Aachen und an der Universität Köln studierte regelmäßig kostenlose Einführungskurse, inklusiv aller Materialien an.

So hieß es passend zum Beginn der Herbstferien, „herbstliche Ölmalerei”. Sieben Interessierte, Männer und Frauen verschiedenen Alters aus der Umgebung nahmen die Möglichkeit wahr, ein vollkommen neues Metier und Hobby kennenzulernen, sich die Grundlagen der Ölmalerei anzueignen, sei es für die Freizeit oder unterstützend für den Beruf oder einfach nur zur Entspannung.

Nach einer kurzen Einführung bei der obligatorischen Tasse Tee oder Kaffee ging es dann los und ein jeder durfte sich an herbstlichen Stillleben oder Vorlagen versuchen, während Siebertz stets mit Rat und Tat zur Seite stand.

Die Beweggründe an diesen Kursen teilzunehmen seien recht unterschiedlich, oft aber handele es sich um Menschen, die entweder Zuhause keinen Raum zur Verfügung hätten oder sich Material kauften und dann feststellten, dass es eben doch nicht so einfach sei „ohne Anleitung im stillen Kämmerlein zu malen”, so Siebertz, der gerne sein in über sechzig Jahren gesammeltes Wissen weiter gibt. „Zuhause komme ich einfach nicht dazu”, bestätigte Claudia Niessen aus Imgenbroich und überwand schnell den Respekt vor der weißen Leinwand, experimentierte mit Farben und Formen.

Dana Jantsch versuchte sich an einem Stillleben mit Äpfeln in einem Glas, „bisher habe ich nur Papierbilder vermurkst”, lachte sie und übte sich weiter im „Sehen lernen” und im Umgang mit Ölfarbe und Leinöl. Für sie sei vor allem eines wichtig, „es soll Spaß machen”.

Das „Malerforum” ist ein Zusammenschluss von Personen, die es sich zur Aufgabe gesetzt haben, bildende Kunst zu fördern und gemeinschaftlich auszuüben, dabei ist es nicht grundsätzlich an eine aktive Tätigkeit gebunden, sondern man könne auch eine beratende Funktion innehaben. So können Teilnehmer ihre Fertigkeiten und Erfahrungen an Gleichgesinnte weitergeben, wichtig sei nur eine „ästhetische Grundhaltung”, denn die Aufgabe bestehe „ästhetische Motive durch sauberes handwerkliches Können, gepaart mit Kreativität zu realisieren”, so Siebertz, wobei jeder Maler grundsätzlich die Freiheit habe, zu malen, was er möchte.

Wer einmal seinen Platz im Malerforum gefunden hat, gibt ihn so schnell nicht wieder auf, dementsprechend beliebt und ausgebucht sind die Kurse. „Da bin ich, da bleib ich”, sagte auch Anne Rader, die seit einem Schnupperkurs im vergangenen Dezember „von einem Malvirus befallen” sei. „Malen ist für mich zu einer Passion geworden”.

Neben den Kursen runden Fachvorträge, Gesprächsrunden. Diskussionsabende, gemeinsame Ausstellungen, Exkursionen und Reisen das Angebot ab. Besonders aber steht das Miteinander unter Gleichgesinnten im Vordergrund. „Selbst in hoffnungslosen Fällen, kannst du nachts bei Jürgen schellen”, schmunzelte Siebertz, der für die Sorgen und Nöte seiner Schüler stets ein offenes Ohr hat.

Auch die Schnupperkursteilnehmerin Rita Frantzen aus Kalterherberg war begeistert, „ich bin inspiriert weiterzumachen”.