In Kirchen ausliegende Bücher dokumentieren Leid und Freude

Bücher voller Hoffnung : Grüße an den Opa im Himmel

Es sind Bücher voller Hoffnung und Dankbarkeit, aber auch Schmerz und Verzweiflung kommen darin zum Ausdruck. Sie liegen in einigen Kirchen in der Nordeifel aus, und sie werden von den Besuchern gerne genutzt, um ihre Gedanken und Gebete aufzuschreiben und mit Gott das Gespräch zu suchen.

Darin sammeln sich Freude und Leid, Erinnerungen an schreckliche und an schöne Erlebnisse, die in Bitt- und Dankgebeten deutlich werden.

Schüler bitten um Hilfe bei Prüfungen in der Schule, Kinder schreiben an ihre toten Großeltern, Erwachsene suchen Hilfe bei wichtigen Entscheidungen, Urlauber berichten von ihren Ferienerlebnissen in der Region, Kranke flehen um Besserung und Heilung, Frauen und Männer hadern mit Schicksalsschlägen, und Geheilte danken für ihre Genesung – die Bücher geben tiefe Einblicke in das Seelenleben der Menschen, die sich dort meist anonym an höhere Mächte wenden.

Während die Kirchengemeinden auch in der Eifel immer mehr Mitglieder verlieren und die Zahl der Gottesdienstbesucher stetig abnimmt, scheinen doch mehr Menschen die Kirchengebäude zu besuchen als angenommen.

In Imgenbroich haben sich auch viele Menschen in das ausliegende Buch eingetragen, die aus ihrer Heimat geflüchtet sind. Unter den Gästen des Café International im Pfarrheim gegenüber der Kirche seien auch einige Christen, die dann die Gelegenheit für einen Besuch in der Kirche nutzen würden, berichtet Alice Klein, Vorsitzende des Pfarrgemeinderates in Imgenbroich. Als Vertreterin des Küsters gehört auch das Öffnen und Schließen der Kirche zu ihren Aufgaben, dabei hat sie festgestellt, dass mehr Menschen die Kirche besuchen als man manchmal denkt. „Es gibt viele, die dort einen Moment in Stille verharren möchten“, sagt sie. Mal seien es Wanderer, Leute die während des Einkaufs eine Pause einlegen oder auch Berufstätige, die vor der Arbeit Besinnung suchen. „Manchmal ist es hilfreich, sich einem Stück Papier anzuvertrauen und sich das von der Seele zu schreiben, was einen belastet“, meint sie. Oft sei sonst niemand mehr da, der ein offenes Ohr für sie hat, und an den sich die Menschen wenden können. Seit einigen Monaten liegt in der Kirche in Imgenbroich nun ein neues Buch, dessen Seiten darauf warten, gefüllt zu werden. Zehn Jahre hatte es gedauert, bis das alte Buch voll war.

In Imgenbroich haben sich auch viele Menschen in das ausliegende Buch eingetragen, die aus ihrer Heimat geflüchtet sind. Foto: Andreas Gabbert

In Rott ist die Kirche ebenfalls tagsüber für Besucher geöffnet. Sie wird gerne von Wanderern besucht und auch Wallfahrer kommen, um hier innezuhalten. „Viele Kinder und ältere Menschen hinterlassen einen Eintrag in dem Buch. Das ist häufig an der Schrift zu erkennen. In vielen Fällen handelt es sich um Bitten für Schwerkranke. Was dort geschrieben wird, trifft einen manchmal sehr“, sagt Brigitte Palm, die zum Leitungsteam der Pfarrgemeinden in Roetgen und Rott gehört. Meist fänden sich mehrere Einträge pro Woche in dem Buch „Sie suchen einen Ort der Stille. Oft wollen sie einfach nur dasitzen. Leider gelingt es uns oft nicht, diese Menschen abzuholen und in die Gottesdienste zu bringen“, sagt Palm.

In dem Buch, das in der Kirche in Rollesbroich in der Krypta, die der Seligen Helena Stollenwerk gewidmet ist, liegt, haben Steyler Missionsschwestern viele Beiträge hinterlassen. „Die schreiben da immer was rein. Viele verschiedene Sprachen und Schriftzeichen aus aller Welt sind in diesem Buch zu finden“, sagt Pfarrer Michael Stoffels. Im Gegensatz dazu würden sich in das Buch in der Pfarrkirche in Simmerath eher Einheimische eintragen. „An den Einträgen in den Büchern sieht man, wie wichtig es ist, dass die Kirchen tagsüber immer geöffnet sind. So suchen viele Menschen Unterstützung im Gebet über die Gottesdienste hinaus“, sagt Stoffels.

Vor der Evangelischen Stadtkirche in Monschau hängt ein großes Transparent, das ausdrücklich alle Menschen willkommen heißt. „Die Menschen reagieren auf das Angebot. Es sind Menschen unterschiedlicher Kultur und Religion, die sich von der offenen und hellen Kirche angezogen fühlen. Offenbar werden die Menschen so universell angesprochen“, sagt Pfarrer Jens-Peter Bentzin. Davon zeugen auch die zahlreichen Kommentare in den unterschiedlichsten Sprachen, die in dem bereitliegenden Buch hinterlassen wurden. Sie sprechen von der ästhetischen Schönheit und von der besonderen Atmosphäre dieser Kirche. In den Büchern hinterlassen die Besucher ihre Eindrücke, Gebete und Wünsche. „Das ist schon sehr interessant, daraus lässt sich viel ablesen“, sagt Pfarrer Bentzin. Man erfahre viel über die Sorgen und die Ängste der Menschen. „Das ist alles in den Büchern zu erkennen.“ In der Stadtkirche füllen sich die ausgelegten Bücher recht schnell. Hier sei die Situation aber auch noch etwas anders, da viele Touristen in die Kirchen strömen und so Zehntausende Besucher im Jahr zusammenkommen würden, sagt Pfarrer Bentzin.

In der Evangelischen Stadtkirche in Monschau füllen sich die ausgelegten Bücher recht schnell. Das liegt auch an den zahlreichen Touristen. Foto: Andreas Gabbert

Ähnlich ist das auch in der Aukirche. In der Regel dauert es nur ein halbes Jahr, bis das Buch voll ist und durch ein neues ersetzt wird. Neben Bitten und Dankesworten finden sich in den Büchern in den Monschauern Kirchen aber auch Schilderungen von Urlaubserlebnissen sowie Kritik, Lob und Anregungen der Touristen.

Weitere Orte, an denen solche Bücher bereitliegen, sind zum Beispiel die Grotte in Rohren, die Kapelle auf dem Kierberg in Monschau und die Marienkapelle in Roetgen. Auch in der Höfener Pfarrkirche liegt in der Weihnachtszeit, wenn der singende Hirte Reiner Jakobs in seiner großen Landschaftskrippe für die Besucher singt und Spenden für krebskranke Kinder sammelt, ein Buch aus, in dem die Menschen ihre Gedanken und Gefühle niederschreiben.

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