In der Eifel profitiert Monschau besonders von Instagram

Monschau profitiert besonders : Wie Instagram-Fotos den Tourismus ankurbeln

Immer mehr Menschen wählen ihr Reiseziel nach Fotos aus, die sie bei Instagram finden. Für viele hängt die Wahl des Urlaubsortes inzwischen auch davon ab, wie viel Aufmerksamkeit die dort entstandenen Fotos in Sozialen Netzwerken erhalten.

Eine der beliebtesten Plattformen, um Fotos mit anderen zu teilen, ist Instagram. Einige Orte werden dort besonders häufig und gerne gezeigt, und dazu gehört auch Monschau.

Tausendfach werden Fotos von Monschau auf Instagram eingestellt, kommentiert und mit Herzchen und Smileys versehen. Allein unter dem Hashtag „Monschau“ sind über 48.000 Fotos zu finden. Regelmäßig taucht die Stadt auch unter den zehn beliebtesten Kleinstädten in Deutschland auf, die mit ihren Sehenswürdigkeiten und landschaftlichen Reizen bei den Besuchern punkten können.

Bei Travelcircus wurden zum Beispiel 1012 deutsche Kleinstädte anhand der Anzahl ihrer Instagram-Hashtags analysiert und so die beliebtesten 100 Kleinstädte auf Instagram identifiziert. Dabei landete Monschau im Jahr 2018 auf dem achten Platz. Die ersten drei Plätze belegten Füssen, Winterberg und Rothenburg ob der Tauber. Aber auch bei anderen Reiseplattformen und –magazinen erreicht Monschau anhand der Auswertung der Hashtags bei Instagram einen der vorderen Plätze. Das ist oft mehrfach im Jahr der Fall.

„Das geschieht manchmal auch überraschend. Die Anlässe und Gründe können sehr unterschiedlich sein. Das bestätigt aber auch die Vielfalt, die wir hier haben“, sagt Barbara Frohnhoff, Geschäftsstellenleiterin bei der Monschau-Touristik. So werde die Region in vielen Dimensionen dargestellt und andere Motive und Blickwinkel wie etwa die Biley im Perlenbachtal, das Hohe Venn, die Perlenbachtalsperre und der Eifelsteig ebenfalls in den Fokus gerückt.

„Als wir das erste Mal in den Top-Ten gelandet sind, war uns klar, dass wir uns intensiver damit auseinandersetzen müssen und die Chance nutzen sollten“, sagt Frohnhoff. Ihre Kollegin Michelle Felker spricht von einer Win-Win-Situation. Es gelte, die Entwicklung zu verfolgen und gleichzeitig auf sich aufmerksam zu machen. Dabei gehe es nicht darum, möglichst viele Abonnenten für den eigenen Account zu gewinnen, sondern die Leute gezielt für die Stadt zu begeistern.

„Die Leute reagieren eben mehr auf Bilder als auf Inhalte. Das ist ein Erfahrungswert“, sagt Felker. Daher sei es auch nicht verwunderlich, dass die meiste Interaktion auf Instagram stattfinde, wo es in erster Linie um die Bildsprache, um Momente und Emotionen geht. „Immer mehr Betreiber entdecken Instagram für sich und springen auf den Zug auf. Da merkt man, dass die Bilder für sich sprechen“, sagt Felker.

Zwei bis drei Personen kümmern sich bei der Monschau-Touristik um die Präsentation auf Facebook. Dort werden zum Beispiel Neuigkeiten und Informationen zu Veranstaltungen veröffentlicht. Der Instagram-Account der Monschau-Touristik wird von Michelle Felker und Anne Bergs betreut. „Wir sind täglich mehrfach online und aktiv. Einerseits um nicht in Vergessenheit zu geraten, aber auch um die Wichtigkeit von Socialmedia zu unterstreichen“, erklärt Felker.

Material dafür ist in der Datenbank der Monschau-Touristik ausreichend vorhanden. Trotzdem werden nicht täglich neue Bilder eingestellt. „Die Bilder sollen ja auch eine Botschaft haben und nicht immer die gleichen Motive zeigen, sonst würden die Wirkung und die Wertigkeit verloren gehen“, sagt Felker. Es gehe darum, die Vielfallt, die die Altstadt und ihr Umfeld zu bieten haben, zu präsentieren und festzuhalten.

Inwieweit die Stadt von der Präsenz auf Instagram profitiere, sei nicht messbar, aber wahrnehmbar, sagt Felker. Als Beispiel nennt Anne Bergs eine Fotografengruppe aus Berlin, die sie morgens auf dem Weg zur Arbeit in der Altstadt angetroffen hatte. „Deren Bilder haben wir dann später auch über den Hashtag ‚Monschau‘ bei Instagram gefunden“, sagt sie. Bei über 230.000 Abonnenten dieser Fotografengruppe erhielt die Stadt einige Aufmerksamkeit. Das lockt dann wieder andere Fotografiebegeisterte an, und es entwickelt sich so etwas wie ein Schneeballeffekt.

„Das ist ein tolles Phänomen“, sagt Frohnhoff. So ergeben sich Kontakte zu unterschiedlichen Zielgruppen. Während über Facebook generelle Fragen zum Urlaub in Monschau gestellt würden, gehe es auf Instagram oft um Fragen nach den Orten der Fotoaufnahmen und nach Kooperationen. Instagram habe ein großes Potential, um jüngere Zielgruppen anzusprechen. Nach wie vor habe aber auch die herkömmliche Vermarktung ihre Berechtigung. „Das ergänzt sich, und es werden unterschiedliche Zielgruppen angesprochen“, sagt Felker.

Es sind aber nicht nur Fotografen, die Monschaus Bekanntheit in den sozialen Netzwerken steigern, auch Wanderer und sogenannte Influencer sorgen mit ihren Fotos kostenlos für Aufmerksamkeit. Warum das in Monschau so gut funktioniert, ist für die Mitarbeiterinnen der Monschau-Touristik klar: „Es ist die große Vielfalt von Natur, Fachwerk, Wasser, Wald und mittelalterlicher Kulisse, die die Leute anzieht und fasziniert. Monschau ist eben sehr facettenreich.“

Auch bei der Rurseetouristik ist die Vermarktung über Instagram inzwischen ein Thema. Den Account gibt es schon etwas länger, und seit dem vergangenen Oktober wird er auch verstärkt genutzt. „Der Herbst war sehr schön und inspirierend. Gleichzeitig haben wir neue Technik erhalten, und zum Ende der Saison haben wir etwas mehr personelle Kapazität. Da kam alles zusammen“, sagt Astrid Joraschky, Leiterin der Rursee-Touristik.

Zurzeit sind zwei bis drei Personen zusätzlich zu ihren normalen Aufgaben bei der Rursee-Touristik mit Socialmedia-Aktivitäten befasst. In erster Linie kümmern sich die 27-jährige Annika Semmler und die 19-jährige Conni Schink darum.

Der Wunsch, diese auszubauen sei durchaus vorhanden, sagt Joraschky. Eine konsequente Aktivität auf den verschiedenen Socialmediakanälen erfordere aber eben auch eine entsprechende Personalkapazität. „Das ist insbesondere in der Hochsaison leider nicht möglich“, sagt sie. Bilder bereitzustellen, sei natürlich machbar. Aber auf Themen zu reagieren, sie zu verfolgen und sich entsprechend einzubringen, sei dann nicht immer möglich.

Messbar seien die Effekte auch hier nicht. Die Nutzung von Socialmedia sei ein weiterer Baustein in der touristischen Vermarktung. Etwas ungewohnt sei noch, gerade auf Instagram die Bilder sprechen zu lassen und weniger den Text. „Wir sind im Tourismus sonst gewohnt, Landschaft zu beschreiben. Mit einem Bild lassen sich viele Emotionen wecken. „Wir wollen, dass die Leute sehen, wie schön es hier ist. Socialmedia ist da eine Möglichkeit. Da ist noch wahnsinnig viel Potenzial vorhanden. Das weiterzuentwickeln, ist sehr spannend“, sagt Joraschky.

Ein Hauptgrund für die Nutzung von Socialmediakanälen wie Instagram sei natürlich, neue Gäste zu gewinnen. „Eine der Hauptgruppen sind Familien, und die sind sehr socialmediaaffin“, sagt Joraschky. Man müsse aber auch die bedienen, die man bereits gewonnen hat. Man dürfe aber auch nicht aus den Augen verlieren, dass bestimmte Gästegruppen nicht die typischen Socialmedianutzer sind. „Für dieses Klientel sind die klassischen Vermarktungswege nach wie vor von Bedeutung“, betont Joraschky.

Als Martin Weisgerber von der Internetredaktion des Nationalparks Eifel im Jahr 2016 anregte, auch auf Instagram aktiv zu werden, gab es auch einige skeptische Stimmen. „Es sollte ein Versuch sein, die Vielfalt des Nationalparks zu zeigen und die Bilder wirken zu lassen. Da der Hashtag „Nationalparkeifel“ schon recht häufig genutzt wurde, sind wir damals quasi auf den fahrenden Zug aufgesprungen“, sagt Weisgerber. Fast immer sind es eigene Fotos, die er seitdem regelmäßig auf dem Account des Nationalparks veröffentlicht.

„Dabei stehen die Natur und die landschaftliche Schönheit im Vordergrund“, erklärt er. In den Bildern, die von anderen mit dem entsprechenden Hashtag gekennzeichnet würden, komme häufig eine Sehnsucht nach Freiheit und Abenteuer zum Ausdruck. Ob dies dem Nationalpark auch mehr Besucher beschere, kann Weisgerber nicht sagen. Auch wenn die Effekte schwer messbar seien, spreche die hohe Interaktionsrate doch für das Interesse der Leute.

Um die bisher ehrenamtlich organisierte touristische Arbeit in Roetgen zu unterstützen, hat die Gemeinde grundsätzliche Bereitschaft zur Finanzierung einer halben Stelle in diesem Tätigkeitsfeld signalisiert. Zum Aufgabenspektrum dieser Stelle wird auch die Entwicklung und Umsetzung geeigneter Marketingmaßnahmen gehören. Dabei gelte es, das Augenmerk auch auf Socialmediakanäle wie Instagram zu richten. „Ich gehe davon aus, dass wir solche Möglichkeiten in Zukunft auch touristisch nutzen werden“, sagt Roetgens Bürgermeister, Jorma Klauss.

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