In den letzten neun Wochen gab es nur einmal ergiebigen Niederschlag

Trockenheit besorgt Gärtner und Landwirte : Nur ein Tropfen auf den heißen Rasen der Nordeifel

An den Talsperren ist man noch tiefenentspannt, bei den Gärtnern und Landwirten und im Hohen Venn dagegen wachsen die Sorgenfalten. Seit dem wohltuenden Mairegen in den ersten Tagen des Wonnemonats hat es in der Nordeifel nur am 5. Juni ergiebig geregnet.

Vertrocknete Straßenbankette, braun-gelbe Weiden und der heimische Rasen dokumentieren dies zweifelsfrei. Und die für Freitag und Samstag angekündigten Gewitterschauer werden nach Meinung der Meteorologen kaum Linderung bringen, da schon ab Sonntag die nächste regenfreie Woche ins Haus steht.

Es klingt genauso wie vor Jahresfrist, im trockenen Sommer 2018: „Die Natur bräuchte mal einen richtigen Landregen, so vier fünf Tage anhaltendes, leichtes Nieseln, das die Böden auch aufnehmen können“, formuliert Bodo Friedrich vom Internetportal www.eifelwetter.de diese Woche seinen Wetterwunsch. Denn ein kurzer, knackiger Starkregen bringt zwar etwas für die Talsperren, nicht aber für die Natur, wo der Boden viel zu hart ist, um in kurzer Zeit solche Mengen aufzunehmen. „Wenn es dann am Freitag und Samstag vielleicht 5 bis 8 oder 10 Liter je Quadratmeter werden, ist das kaum mehr als der berühmte Tropfen auf den heißen Stein“, so Friedrichs Einschätzung. Für die Gärtnereien, Landwirte und Gartenbesitzer bedeute dies, dass sie weiter wässern müssen, „und das kann richtig ins Geld gehen“, weiß Friedrich.

Stefan Pauls, Inhaber eines Gartenbaubetriebs in Konzen, kann das bestätigen. „Wir müssen im Moment jeden Tag draußen und auch in der Halle Pflanzen auf gut 2000 Quadratmetern bewässern.“ Meist in den Morgenstunden werden die Pflanzcontainer und die Bäumchen der Baumschule kräftig mit dem lebenswichtigen Nass versorgt. Auch wenn die Sonne sich diese Woche etwas rar gemacht habe, sorge auch der Wind für ein schnelleres Austrocknen der Pflanzen, berichtet Pauls.

Wenn der frisch verlegte Rollrasen (wie hier am neuen Konzener Kindergarten) austrocknet oder von der automatischen Bewässerung nicht erfasst wird, stirbt die Grasnarbe binnen kurzer Zeit ab. Foto: Schepp

Einen erhöhten Aufwand für die Gartenbauer löst die Trockenheit zusätzlich bei frisch verlegtem Rollrasen aus. Dieser habe noch keine tiefen Wurzeln, sei nur etwa drei Zentimeter dick und trockne bei direkter Sonneneinstrahlung sehr schnell aus. „Auf der Schälmaschine muss der herausgenommene Rasen sofort abgedeckt werden, weil er sonst binnen Minuten vertrocknet“, erklärt Stefan Pauls.

Auch wenn der Rollrasen dann verlegt ist, muss er aufgrund der derzeitigen Witterung ständig gewässert werden, „auch am Wochenende“, so Pauls. So wurden beispielsweise oberhalb vom neuen Konzener Kindergarten alleine 600 Quadratmeter Rasen verlegt, die nun feucht gehalten werden müssen – zumindest bis zum nächsten Landregen. Wenn der Rollrasen einmal braun-gelb ist, sind in den meisten Fällen die Wurzeln abgestorben. „Der kommt dann auch bei längerem Regen nicht mehr, sondern muss neu verlegt werden“, so Pauls.

Dieses Bild bietet sich vielen Gartenbesitzern in der Eifel, die nicht täglich ihren Rasen wässern können oder wollen. Foto: Schepp

Ein eingesäter Rasen ist nur bedingt die Alternative, wie der Landschaftsbauer erläutert. Der pausiert zwar einfach mit dem Wachsen, wenn er nicht gewässert wird, schießt dann aber mit Wildkraut zu, das in puncto Feuchtigkeit nicht so anspruchsvoll ist.

Zu spüren und sehen ist die Trockenheit auch auf den Weideflächen, wo das vom Vieh abgeweidete oder abgeerntete Gras nicht nachwächst. Was Gartenbesitzer wiederum entlastet, weil der Rasen kaum gemäht werden muss, könnte für die Viehhalter schon bald wieder bedeuten, dass zugefüttert werden muss.

Keine roten Fahnen: Im Hohen Venn können Wanderer trotz anhaltender Trockenheit derzeit noch alle Wege nutzen. Foto: P. Stollenwerk

Offenbar noch nicht so ausgetrocknet wie Gärten, Beete und Bankette der Straßen sind weite Teile des Hohen Venns. „Die Trockenheit ist zwar auch hier, aber die Moose speichern viel Nässe“, hat Bodo Friedrich beobachtet. Aus diesem Grund scheine auch die Brandgefahr im Venn noch nicht so hoch zu sein, dass die roten Fahnen als Zeichen eines Betretungsverbots gehisst würden. „Die Brandgefahr ist im Frühjahr höher, weil dann die Sonne und der Ostwind nach dem Winter die Gräser stärker abtrocknen als jetzt im Sommer“, erklärt Friedrich.

Das sieht man auch im Naturparkzentrum Botrange so und sieht derzeit noch keine Veranlassung, die roten Fahnen herauszuhängen. „Man kann derzeit alle Wege im Venn begehen, es ist nichts gesperrt“, sagte Naturpark-Mitarbeiter René Stock unserer Zeitung. Wer vor einem Ausflug ins Hohe Venn sichergehen möchte, ob die geplante Route frei ist, dem empfiehlt Stock einen Anruf unter 003280-440300. Eine Internetseite, der tagesaktuell zu entnehmen ist, ob Teile des Hohen Venns gesperrt sind, existiert derzeit nicht mehr.

Obschon die Gefahr derzeit nicht so hoch eingestuft wird, kam es am vergangenen Mittwoch zu einem Flächenbrand am Rande des Venns kurz vor Eupen (aus Richtung Mützenich). Auf einer Fläche von 40 Metern Breite und 250 Metern Länge wurden nach Angaben des „Grenz-Echo“ rund 10.000 Quadratmeter Wald- und Heidefläche ein Opfer der Flammen. Über die Ursache wurde nichts bekannt.

Die Situation könnte sich nach den für Freitag und Samstag angekündigten Niederschlägen schon nächste Woche wieder verschärfen. „Ab Sonntag und nächste Woche sieht es wieder trocken aus“, sagte Andy Holz von huertgenwaldwetter.de. Der ersehnte Landregen sei derzeit bis Monatsende nicht in Sicht.

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