Nordeifel/Städteregion: Hup-Korsos: Fröhlicher Spaß oder gefährlicher Leichtsinn?

Nordeifel/Städteregion: Hup-Korsos: Fröhlicher Spaß oder gefährlicher Leichtsinn?

„Das ist leichtsinnig und gefährlich“, schreibt Anna Maria Jansen in einem Leserbrief an unsere Zeitung. „Was fehlt noch? Ein schwerer Personenschaden?“, fügt sie hinzu. Klar formulierte Vorwürfe seitens einer besorgten Zuschauerin. Worüber sie so empört ist? Die Hupfahrten der Abiturienten, bei denen es erst kürzlich wieder zu einem Auffahrunfall kam.

Nachdem es am 26. Juni dieses Jahres und bereits im Vorjahr bei der traditionellen Hupfahrt der Abiturienten des Monschauer St.-Michael-Gymnasiums krachte, stellt sich vor allem jetzt, zu Zeiten der Fußball-Weltmeisterschaft, die Frage, wie sinnvoll ein solcher Jubelkorso überhaupt ist und welche Gefahren er birgt.

Die Rolle der Polizei

Erst am Montagabend machten sich auch zu später Stunde wieder viele Autofahrer auf den Weg, um den Sieg von Jogis Jungs beim Spiel gegen Algerien auf den Straßen in der Region zu feiern. Dabei lehnten sie sich — ähnlich wie die Abiturienten nach bestandener Hochschulreife — aus dem Fenster, saßen auf Autodächern, hielten Fahnen oder Bierflaschen aus dem Auto heraus und hupten ununterbrochen.

Gehört diese Art der Feierei zu besonderen Anlässen vielleicht inzwischen einfach dazu? Und welche Rolle spielen dabei die Polizei und die Schule? Anna Maria Jansen schreibt: „Wo ist bei solchen Aktionen die Polizei?“

Eine Frage, die sich auch unser Leser Ralf Mingers stellt: „Fragwürdig ist die Rolle der Polizei. Es war zu sehen, dass einem solchen Autokorso der Abiturienten ein Streifenwagen entgegenkam. Nun, was ist geschehen? Nichts!“

Paul Kemen, Pressesprecher der Polizei Aachen, sind die Hupfahrten in der Tat ein bekanntes Problem: „Zu solchen Anlässen gibt es mehr und mehr solcher Gepflogenheiten. Sie stehen immer häufiger auf der Tagesordnung. Die Polizei ist in ganz Deutschland an solchen Tagen bislang immer sehr tolerant gewesen.“ Denn eigentlich darf man laut § 16 der Straßenverkehrsordnung nur beim Überholen außerhalb geschlossener Ortschaften und bei Gefahr hupen — nicht etwa aus Spaß.

Für unsere Leserin Anna Maria Jansen ist die Polizei zu tolerant: „Welche Augen drückt sie in einem falsch verstandenen Verständnis für die Jugend zu?“, fragt sie. „Wir können gönnen, wir finden es gut, wenn Leute feiern. Aber es darf nie zu einer Gefährdung anderer kommen. Wir sind aber auch keine Spaßverderber“, sagt Kemen. Die Polizei mache stets darauf aufmerksam, auf Unbeteiligte Rücksicht zu nehmen.

„Nicht jeder ist ein Fußballjeck“, sagt Kemen. Es solle im Rahmen bleiben. Einschreiten würde die Polizei, wenn andere Menschen über einen langen Zeitraum durch den Lärm belästigt werden und wenn die Gefahr der aus dem Auto lehnenden Menschen oder herausgehaltenen Fahnen zu groß werde.

Dennoch „ist es bei der Masse oft immer eine Frage der Verhältnismäßigkeit. Da gilt es, stets abzuwägen, um beispielsweise eine Eskalation zu vermeiden“, sagt Kemen. „Wir weisen immer wieder auf die Gefahren hin.“ Die Polizei könne aber nicht immer direkt bei Fuß stehen und Leute belangen. „Dann wären wir beispielsweise jeden Samstag bei Hochzeiten in der Region unterwegs“, sagt er.

An die Schüler, die ihre Hupfahrten quer durch die Dörfer unternehmen, appelliert Kemen: „Eigentlich ist es selbstverständlich, dass man sich entsprechend der Verkehrsregeln verhält.“ Wenn ein Streifenwagen auf den Jubelkorso trifft, versuche man es zunächst mit mahnenden Worten. „Wenn das dann im Rahmen bleibt, ist es auch okay“, sagt Kemen.

Die Polizei versuche mit Fingerspitzengefühl an solche Situationen heranzugehen. Wenn Gefahr drohe, greife sie ein. Wenn nicht, lässt sie den Korso auch schon mal weiterfahren.

Schulleiter des St.-Michael-Gymnasiums Dr. Lothar Stresius blickt dem Jubelkorso seiner Abiturienten ebenfalls skeptisch entgegen. „Wir haben juristisch betrachtet keinerlei Möglichkeit, diesbezüglich einzuwirken. An der Schranke am Ende des Schulhofes endet auch unsere Kompetenz. Das ist Privatsache der Abiturienten und die pflegen ein Brauchtum“, sagt er. „Dass es nun zum zweiten Mal einen Unfall gab, führt dazu, dass bei einer der nächsten Vollversammlungen darüber gesprochen wird.“

Dennoch weiß Stresius, dass diese Art Warnung nicht zwangsläufig auch etwas bewirkt. „Das ist Tradition, wie alles in der Abiwoche. Und die wird eisern beibehalten.“