Höfener Passionskreuz wird restauriert

Höfener Passionskreuz: Der Corpus ist in Behandlung

„Der Corpus ist weg!“ Schlendert der Passant durch Höfen oder fährt mit dem Auto die Hauptstraße lang, dann fällt auf: Der Corpus des rund vier Meter hohen Kreuzes an der Hauptstraße / Ecke Im Sief ist weg. Geklaut?

Nein, wie sich herausstellt, wird der Corpus restauriert. Ein Grund, die Historie des Kreuzes zu beleuchten.

Wohl Anfang des 20. Jahrhunderts stand das Kreuz auf einem Grundstück gegenüber dem heutigen Autohaus Kirch. Pastor Tunus, der von 1911 bis 1914 in Höfen wirkte, verlegte dieses Prozessionskreuz, eines von insgesamt vier Prozessionskreuzen, an den heutigen Standort. Der Grund lag darin, dass der Prozessionsweg von der Kirche bis hin an eine der äußeren Stellen des Ortes als zu lang erschien.

Edgar Jakobs wuchs im Schatten des Kreuzes im elterlichen Haus auf. Von Kindesbeinen an gehörte das rund vier Meter hohe Objekt zu seinem Tagesablauf. Genau wie andere Nachbarn der insgesamt vier so genannten Prozessionskreuze in Höfen, etwa auch Wilma Krähe, kümmert er sich um diese Markenzeichen. So auch kürzlich.

Schreiner Edgar Jakobs sorgte dafür, dass der marode Corpus des Kreuzes vor rund einem Monat abgehängt wurde und derzeit von einem fachkundigen Ehrenamtler, einem Maler, restauriert wird. Edgar Jakobs: „Wir hoffen, dass zum nächsten Fronleichnamsfest alles wieder komplett ist.“

Auch Karl-Josef Bongard aus Höfen hat einen Blick auf alle Kreuze, die in und um Höfen zu finden sind. Wie die Jungfrau zum Kinde kam er an die ehrenamtliche Aufgabe, die Patenschaft der Kreuze zu übernehmen. Zu seinen Schützlingen gehören allerdings – wegen der guten Nachbarschaft – weniger die vier Prozessionskreuze, dagegen zum Beispiel mehr die 15 Fußfall- und Erinnerungskreuze im Ort.

Während in manchen Orten Kapellchen Einzug hielten, führten die Höfener, wahrscheinlich um 1910, Prozessionskreuze ein. Das Kreuz an der Hauptstraße / Im Sief weißt barocke Formen auf und sticht daher ganz besonders ins Auge. „Der Corpus“, so vermuten Jakobs und Bongard, „könnte aus dem Süddeutschen stammen“. Belegbar ist das nicht, aber Fakt ist, dass im Süddeutschen damals die entsprechenden Hersteller für derartige Objekte in der Regel zu finden waren. Es könnte sein, so die beiden Heimatkenner weiter, dass der ehemalige Pastor Grimmendahl, der von Höfen nach getaner Arbeit an den Bodensee zog, Kontakte herstellte.

Die letzte Sanierung erlebte das Kreuz im Jahr 2006. Doch in Höfen sind Wind und Wetter nicht selten rauh, so blätterte die Farbe, und das Holz zeigte kleine Faulstellen. Nun hoffen die Beteiligten, dass das Kreuz in Gänze am nächsten Fronleichnamsfest wieder in altem Glanz erstrahlt.

(gkli)
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