Höfen: Höfen darf das Beste hoffen

Höfen: Höfen darf das Beste hoffen

Schon so manche Bereisungskommission war in den zurückliegenden Jahrzehnten im Rahmen des Dorfwettbewerbs in Höfen unterwegs, und fast immer hinterließ der Ort, in den Jahren 1987 und 2001 wurde er sogar Bundesgolddorf, bleibenden Eindruck bei den Juroren.

Als am Freitag nun die städteregionale Kommission für den Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ das Heckendorf besuchte, war einiges anders. Der tiefe Eindruck, den die Juroren mitnahmen, war auch diesmal wieder spürbar, aber wann ist einer Kommission schon einmal der romantische Blickfang des „Heckelspad“ verwehrt geblieben? Ja nicht einmal der sonst obligatorische Els wurde gereicht, stattdessen gab es milden Holunderlikör und statt hoher Hecken am laufenden Band rückte Höfen diesmal andere Qualitäten in den Blickpunkt, etwa die Versorgung des Ortes mit schnellen DSL-Leitungen oder auch die gelungene Integration der im St. Josefsheim lebenden Menschen mit Behinderung. Und erstmals hatte eine Kommission auch das Vergnügen, an einem Abstecher ins idyllische Alzen teilzunehmen und sogar das Heidgen, ebenfalls erstmalig, stand auf der Rundroute.

Landwirtschaft hat festen Platz

Im Außenbereich startete die Kommission ihre zweistündige Bereisung. Auf dem Eschenhof nahe Rothe Kreuz begrüßte Ortsvorsteher Peter Theißen, Moderator und Tempomacher des eng gestrickten Programms zugleich, an diesem herrlichen spätsommerlichen Vormittag Hofinhaber Jochen Franken, der den Familienbetrieb in dritter Generation kurz vorstellte, wie auch die neueste Errungenschaft, eine Heu-Trocknungsanlage. Noch drei Vollerwerbsbetriebe gibt es in Höfen, und die Landwirtschaft hat nach wie vor ihren festen Platz im Dorf. Das erfuhren die Teilnehmer, wenn auch auf ganz andere Weise, ebenso beim Besucher des Hugotshofes, wo es in traditioneller Umgebung eine Vielzahl regionaler Produkte zu kaufen gibt.

Mit kompakten Informationen wurden die Jury bei der kleinen Bustour versorgt. Höfen als erfahrener Wettbewerbsteilnehmer, weiß eben, worauf es ankommt.

Das Haus Seebend, wo der Eifelverein Höfen sein Domizil hat, darf natürlich bei keiner Bereisung fehlen, erst recht seitdem hier das Webereimuseum untergebracht ist. Die zum Teil noch intakten Webstühle klapperten zwar diesmal nicht, aber Bernd Jansen, der Kulturwart der Ortsgruppe des Eifelvereins und zugleich Museumsleiter, versorgte die Gäste mit lebendigen Informationen, angefangen über den Arbeitskreis Höfener Dialekt bis hin zur Pflege der rund 20 Kreuze im Dorf.

Mit leichtem Erstaunen nahm die Jury zur Kenntnis, dass es praktisch keine Leerstände in dem 2000-Seelen-Dorf gibt, ja sogar neue Baugebiete ausgewiesen werden, damit junge Leute im Dorf bleiben können. Auch die Nahversorgung in Höfen funktioniert noch, und eine Reihe von Arbeitsplätzen steht zur Verfügung.

Während der Kleinbus langsam durch den mächtigen Alt-Buchenbestand der Pferdebahn rollte, erläuterte Peter Theißen den durchschlagenden Erfolg der Tausch-Aktion Buchen gegen Thujas, die der Förderverein Golddorf Höfen startete und die dazu führte, dass 1000 Meter neue Buchenhecken gepflanzt wurden.

Ein Kurzbesuch auf dem Friedhof, wo der Ortsvorsteher die Problematik der von hartnäckigen Pilzen befallenen Grabumrandungen aus Buchsbaum erläuterte, fehlte ebenso wenig wie ausführliche Informationen zum Schwanenteich. Hier haben die Dorfvereine Großes vor: Die gesamte Grünanlage bedarf einer Runderneuerung. Es soll ein Mehrgenerationenplatz entstehen, und Peter Theißen schätzt, dass bei dieser „großen Herausforderung“ trotz erhoffter Zuschüsse, wohl rund 10.000 Stunden an Eigenleistung anfallen dürften.

Bunt und vielfältig gestaltete sich dann der Ausklang in der Vereinshalle. Eine Vielzahl von Abordnungen der insgesamt 12 Ortsvereine hatte hier Position bezogen und die Kinder der Heckenlandschule stellten sich zu einem Liedvortrag auf.

Während im Hintergrund eine Bildpräsentation über Dorfaktivitäten abgespielt wurde, hatte dann die Jury das Wort. Andrea Drossard von der Städteregion Aachen als Sprecherin der Kommission bescheinigte den Dorfbewohnern, dass man die Anstrengungen, die der Ort leiste, um den Golddorf-Status zu erhalten, sehr wohl sehen könne: „Sie haben wirklich unheimlich viel zu zeigen.“

Soziale Kompetenz

Kollektives Lob erntete Höfen am Ende der Reise dann auch aus den Reihen der Jury, bevor diese nach Rohren, der zweiten Station des Tages, aufbrach.

Hervorgehoben wurde bei der kurzen Reflexion die „schier unglaubliche Vielfalt des sozialen und kulturellen Lebens“, die „enorme Bereitschaft der Bevölkerung zu ehrenamtlichen Engagement“ wie auch „das hohe Bewusstsein bei der Integration behinderter Menschen“, oder wie es ein Jurymitglied auf den Punkt brachte: „Überall spürt man wie stolz die Menschen auf ihr Dorf sind“.

Ortsvorsteher Peter Theißen genoss das Lob in vollen Zügen und sieht nun wie alle 24 teilnehmenden Ortschaften des städteregionalen Wettbewerbs der Siegerehrung am Samstag, 13. September im Haus der Städteregion entgegen: „Da wollen wir für Höfen nur das Beste hoffen.“

(P. St.)
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