Aachen: Hinweise aus der Bevölkerung führen zu Dilaras Befreiung

Aachen: Hinweise aus der Bevölkerung führen zu Dilaras Befreiung

Auf der Zielgeraden eines Fahndungsmarathons, wie ihn die Region selten erlebt hat, ging alles rasend schnell. „Wir haben gesehen, dass immer wieder vermeintliche Pärchen an diesem Laden vorbeispazierten und eifrig telefonierten”, berichtet eine Augenzeugin.

Das war, wie sich bald herausstellte, der Startschuss zum spektakulären Zugriff am Donnerstagabend in jenem Callshop in der Eschweiler City.

„Kurz darauf haben wir die gleichen Leute im Geschäft beobachtet, sie hatten jetzt Sturmhauben auf”, erzählt die 23-Jährige.
Der 34-jährige Entführer der kleinen Dilara ließ sich widerstandslos festnehmen. „Entscheidend war für uns, dass das Mädchen keinen Augenblick gefährdet war”, betonte Klaus Oelze am Freitag. Und der Polizeipräsident ließ keinen Zweifel daran, dass angesichts der Kunde von der Befreiung der Fünfjährigen aus der Gewalt des Ex-Lebensgefährten ihrer Mutter auch hartgesottenen Beamten „ganze Gebirge vom Herzen gefallen” seien - zumal der Täter ein Messer bei sich geführt habe.

Langsam, aber sicher hatte sich die Schlinge der Ermittlungen nach 13-tägiger intensiver Suche immer fester zugezogen, berichtete der Polizeipräsident gemeinsam mit Oberstaatsanwalt Robert Deller sowie dem federführenden Einsatzleiter der Kölner Polizei, Norbert Wagner, und Kriminalrat Ralf van Uden, der den „Fall Dilara” in Aachen betreut hat.

Nicht zuletzt den Kollegen im Raum Ludwigshafen sei es allerdings zu verdanken, dass man die entscheidende Spur schließlich gefunden habe. Am Tag nach der Entführung - der Täter hatte Dilara am 13. August auf einem Spielplatz an der Luisenstraße in seine Gewalt gebracht - waren die beiden zwar noch einmal in Aachen gesichtet worden.

„Kurz danach sind sie aber per Mitfahrzentrale nach Ludwigshafen gefahren, weil der Entführer dort Bekannte hatte”, berichtete Deller. Von Februar bis April hatte er dort bei einer Trockenbaufirma gearbeitet.

Da er völlig mittellos war, brauchte er nun dringend Geld und fand in einer Wohnung Unterschlupf. Nachdem die Polizei diverse Telefone in seinem Umfeld abgehört hatte, kam sie dem Mann schließlich auf die Spur.

Offenbar war er mit dem Mädchen erst am Donnerstag Richtung Aachen zurückgefahren. Etwa eine Stunde vor der Festnahme sei ein entscheidender Hinweis erfolgt. In einer Werkstatt in der Indestadt hatte der 34-Jährige sich nach einem Job erkundigt.

Bis dahin hatte sich die Fahndung äußerst schwierig gestaltet. Weil man fürchtete, dass der Täter die Nerven verlieren könnte, habe man sich erst spät entschlossen, die Öffentlichkeit einzubeziehen, so Oelze.

„In seinem Umfeld sind wir auf eine Mauer des Schweigens gestoßen”, sagte van Uden. Letztlich habe es nur rund 20 Hinweise gegeben - und dies, obwohl der Täter, der aus dem Irak stammt und als Asylbewerber ohne festen Wohnsitz oft in der City unterwegs gewesen sei, in seinem „Milieu” durchaus bekannt gewesen sei.

Der 34-Jährige muss nun mit einer Gefängnisstrafe nicht unter fünf Jahren rechnen. Klar scheint inzwischen, dass er die Mutter des Mädchens zwingen wollte, ihm den Kontakt zu seinem leiblichen, zweijährigen Kind zu ermöglichen. Die kleine Dilara muss das Geschehene nun auch mit Hilfe einer Psychologin bewältigen. „Das Kind ist erheblich traumatisiert”, sagte Deller.

Im Klinikum ist das Mädchen inzwischen auch untersucht worden. Deller: „Körperlich ist sie nach bisherigen Erkenntnissen unversehrt.”

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