Monschau: Helge ist Helge und bleibt Helge, auch auf Burg Monschau

Monschau : Helge ist Helge und bleibt Helge, auch auf Burg Monschau

Seine Fans finden ihn genial, für andere ist seine Form des Humors einfach nur unerträglich. Doch wer eine Veranstaltung mit Helge Schneider besucht, weiß in der Regel, auf was er sich einlässt. Das wissen auch die Besucher der Monschauer Festspiele, die den verrückten Komiker und grandiosen Musiker mit seinem Programm „Ene Mene Mopel“ am Sonntagabend auf der Burg live erleben wollten.

Wie kein anderer verbindet Helge Schneider auf der Bühne Musik und Humor miteinander, er polarisiert und provoziert, wechselt von einem Moment auf den anderen das Thema und stolpert vom Lied in die Erzählung und umgekehrt. Improvisation ist alles, und alles ist Improvisation — oder etwa doch nicht? Fest steht: Es ist ein Riesenspaß voller Ironie mit Ausflügen in die verschiedensten Genres der Musik — von Schlager bis Klassik, von Jazz bis Blues. Dabei beweist Helge Schneider auch an diesem Abend auf der Monschauer Burg, dass er ein außergewöhnlicher Musiker ist — ob am Flügel, an der Gitarre oder an der Hammondorgel, die er Angelika nennt.

Schon das Stimmen der Gitarre ist eine eigene Nummer. Dilettantisch fingert er minutenlang an dem Instrument herum, um dann anschließend mit einer spanischen Gitarrennummer sein musikalisches Ausnahmetalent zu unterstreichen. Helge Schneider hat Zeit und lässt sich nicht hetzen. Seine Zeitansagen sind schon legendär und dürfen auch in Monschau nicht fehlen. „Wir müssen uns beeilen, am nächsten Tag kommt Konstantin Wecker“, stellt er zwischendurch lakonisch fest.

Hemmungslos

Helge Schneider ist einfach hemmungslos, und Sergej Gleithmann treibt das Ganze mit langem Vollbart, Hut, Sonnenbrille, kurzen Hosen und Stiefeln tänzerisch auf die Spitze. Helge Schneider bindet auch regionale Besonderheiten ein und ist dabei genauso wenig nett wie zu den beiden Musikern, die ihn an diesem Abend begleiten. Henrik Freischlader an der Gitarre und Peter Thoms am Schlagzeug müssen einiges ertragen, wenn Helge Schneider mal wieder in einen Monolog verfällt und zum Beispiel über das Alter des Schlagzeugers herzieht. Die Sticheleien ihres Chefs scheinen die Musiker längst gewohnt zu sein und ertragen sie mit stoischer Ruhe. Musikalisch verstehen sich die Akteure ohnehin blind.

Mit großem Sprachgeschick erzählt Helge Schneider die absurdesten Geschichten, entwickelt philosophische Gedanken über das Nichts, das Was und das Warum, um dann urplötzlich wieder das Thema zu wechseln. Er gerät vom Hölzchen aufs Stöckchen und nimmt spontan auf die aktuellen Gegebenheiten Bezug. Er macht sich Gedanken über das Bühnenbild und entwickelt plötzlichen Heißhunger, als ihm der Duft von gebratenen Würstchen in die Nase steigt. Er erfindet die Dinge im Moment, und das Publikum hat seinen Spaß dabei. Oft scheint er selbst nicht zu wissen, was er gerade tut, und gespannt zu sein, was wohl als nächstes passieren wird. Was geplant ist und was Zufall ist, bleibt sein Geheimnis.

„Das war’s. Schade, aber egal“, meint Helge Schneider am Ende seines Auftritts. Als Zugabe gibt es dann aber doch noch eine Rock’n’Roll-Nummer, und Schneider lässt in Elvis-Manier die Hüften kreisen.

Als sich seine musikalischen Partner bereits von der Bühne verabschiedet haben und die ersten Besucher schon Richtung Ausgang eilen, sitzt er noch alleine im Scheinwerferlicht, erzählt, wie er Peter Maffay in der Fernsehserie „Alf“ entdeckte, sinniert über das Leben in der Eifel und die Frage, ob er sich ein Leben hier vorstellen könnte und widmet das Konzert „denjenigen, die heute nicht kommen konnten“.

(ag)
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