Kabarett: Hastenraths Will begeistert das Lammersdorfer Publikum

Kabarett: Hastenraths Will begeistert das Lammersdorfer Publikum

Die Erinnerungen von Hastenraths Will an seinen ersten Auftritt in Lammersdorf sind eher unschön. Der Kabarettist, der in Heinsberg-Saeffeln lebt, war vor einigen Jahren für eine Karnevalsveranstaltung gebucht worden.

Das Sitzungsprogramm wollte es, dass er ausgerechnet dem legendären Aachener Ulk-Trio Josef, Jupp und Jüppchen auf der Bühne folgte — und Will floppte. Lammersdorf spielt im Leben des 49-Jährigen Comedian dennoch eine zentrale Rolle, „weil hier meine besten Freunde wohnen“. Diese Freunde waren es auch, die Hastenraths Will nun erneut nach Lammersdorf lockten, und die Zahl der Freunde, die den Humor des „Lebensratgebers“ zu schätzen wissen, dürfte sich dank der Initiative von Melanie Knaus, die Will für einen Soloauftritt gewinnen konnte, deutlich nach oben entwickelt haben.

Rund 100 Besucher im Lammersdorfer Hof empfingen mit Vorschuss-Applaus den Landwirt und „scharismatischen“ Ortsvorsteher („Politik mit Stallgeruch“ lautet sein Slogan) aus der Selfkant-Region, der seiner Rolle auf der Bühne mit Parka, kariertem Hemd und grünen Gummistiefeln ein authentisches Erscheinungsbild gab. Die Eifel-Premiere seines neuen abendfüllenden Programms „Die Welt ist ein Dorf“ begeisterte das Publikum, und man fragte sich, warum der kabarettistische Botschafter aus dem Heinsberger Land in den 27 Jahren seiner Bühnentätigkeit in der Eifel bisher kaum in Erscheinung getreten ist.

Dabei kann es nicht schaden, genau zuzuhören, wie sich Hastenraths Will als Landwirt der alten Schule die Welt zurecht legt, und mit pointierten Weisheiten die Unzulänglichkeiten und Gefahren des Lebensalltags auf den Punkt bringt („Liebe vergeht, Hektar besteht“). Das bisher geordnete Leben des Dorfbewohners Will ist allerdings ein wenig aus dem Takt geraten, seit er in Schorschi Zielonka einen ernsthaften Gegenkandidaten für die anstehende Ortsvorsteher-Wahl erkannt hat. Das „zerrt an den Nerven“.

Gut informiert über seinen Auftrittsort („Lammersdorf, der sympathische Verkehrsknotenpunkt zwischen Roetgen und Simmerath“) zeigte sich Hastenraths Will, der als Welterklärer und Experte für die „Globalisiation“ , als „eingeschweißter Junggeselle“ oder „Hahn im Karpfenteich“ mit stoischer Mine und durchdringendem Blick hinter der schwarzen Hornbrille keine Antwort schuldig blieb.

Schon früh war das Eis gebrochen, nachdem Hastenraths Will mit dem im Publikum anwesenden Lammersdorfer Ortsvorsteher Franz-Josef Hammelstein mal gleich den kollegialen Austausch gesucht hatte. Hastenraths Will suchte immer wieder den Dialog mit dem Publikum und zeigte dabei auch seine Qualitäten als Situationskomiker.

Er muss den gepflegten Flachwitz nicht scheuen, denn im gleichen Atemzug hangelt er sich hoch zum treffsicheren Scharfsinn. Angenehm ist auch, dass Hastenraths Wills Programm frei ist von jedwedem missionarischen Eifer und Gutmenschen-Duktus, er dafür lieber aus dem wahren Leben erzählt, zum Beispiel aus dem Alltag als Fußballtrainer des Dorfvereins in der Kreisliga D. Zwischendurch ist Zeit für ein wenig Wahlkampf, und auch die Veganer bekommen ihr Fett weg.

Der zweistündige Abend endet mit Wünschen und Träumen. Dem Publikum wünschte Hastenraths Will, dass es später einmal sagen werde, „dass dieser Abend in Lammersdorf mir die Augen geöffnet hat“, und mit der Schlussnummer „Ich habe einen Traum“ riss er die Gäste noch einmal zu Begeisterungsstürmen hin.

Auch nach dem Auftritt gab sich „der Ortsvorsteher der Herzen“ volksnah. Alle Besucher erhielten eine legendäre Leckmuschel und konnten sich im Dorf-Shop bedienen, denn der gelernte Bankkaufmann, der auch zahlreiche Dorfkrimis verfasst hat, weiß, wie man sich als Welterklärer angemessen vermarktet. Am 22. November heißt es für Hastenraths Will in Aachen im Schloss Rahe „Die Welt ist ein Dorf“.

(P. St.)
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