Harmonie Rollesbroich begeistert mit grandioser Show

Frühjahrskonzert : Harmonie Rollesbroich begeistert mit grandioser Show

270 begeisterte Zuschauer und der emotion ale Abschied von Dirigent Achim Breuer, der nach 25 Jahren den Taktstock abgibt: Das Frühjahrskonzert der Harmonie Rollesbroich hatte einiges zu bieten.

Ein buntes Meer aus Licht empfängt die Besucher des Frühjahrskonzertes der Harmonie in Rollesbroich. Ein Jahr lang wurde geplant, organisiert, gearbeitet. „Ich möchte, dass die Leute am Ende nach Hause gehen und etwas mitnehmen“, sagt Ralf Theißen vor der Veranstaltung. Die Arbeit hat sich gelohnt: Jeder der über 270 Plätze ist besetzt. Überwältigt heißt der Vorsitzende das Publikum willkommen, das seinerseits den 34 Akteuren und ihrem Dirigenten Achim Breuer einen warmen Applaus spendet.

Es ist das letzte Konzert des Dirigenten; nach 25 Jahren wird er am Ende einer facettenreichen Revue aus Musik, Lichtshow und selbst inszenierten Filmeinspielungen seinen Taktstock abgeben. Dieses Jahr mit auf der Bühne: ein Backgroundchor bestehend aus acht Sängerinnen des Chors Cantastic.

Invasion der Marsianer und ein Duell

„Die Chance steht eine Million zu eins, dass irgendwelche Wesen vom Mars kommen. Aber – sie werden kommen …“, verheißt die sonore Stimme von Wolfgang Beißmann auf der Großleinwand und leitet damit den „Eve of War“ ein. Das Stück aus Jeff Waynes Konzeptalbum „War of The Worlds“ von 1978 basiert auf der gleichnamigen Erzählung von H. G. Wells. Die Musiker lassen die Zuhörer regelrecht die Dramatik des kriegerischen Geschehens spüren: Wer im Publikum die Augen schließt, sieht die Invasion der Marsbewohner vor sich.

John Williams – die meisten glauben wohl, seine Märsche nicht zu kennen. Konfrontiert man dieselben Menschen mit der Filmmusik von „Indiana Jones“, zeigen sie sich überrascht. Denn jenes Musikthema nämlich ist einer der „Marches of John Williams“, einem der größten Filmkomponisten aller Zeiten („Star Wars“, „E.T.“, „Jurassic Park“).

Wuchtig und mit Tempo entführt die Harmonie mit „Raiders of The Lost Ark“ die Zuhörer mitten ins abenteuerliche Geschehen mit Harrison Ford. Es bleibt wild im Westen (Deutschlands) und die – humoristische – Spannung steigt, als sich Sheriff Achim Breuer und Ralf Theißen, auf den ein Kopfgeld von sage und schreibe 50 Cent ausgesetzt ist, auf der Großleinwand duellieren: Noch ein letzter Wiski (Sommer-Stumpenhorst lässt grüßen), schon tasten die Hände nach den Knarren, … ein Knall!

Offen bleibt, wer von den beiden zuerst am Zuge war – doch darüber nachzudenken, hat das Publikum keine Zeit: Dem Dirigenten gelingt es, zum Mitsingen zu animieren, bevor Filmkomponist Ennio Morricone die Musiker auf höchstem Niveau fordert („Medley for Morricone“) und bei „Spiel mir das Lied vom Tod“ den Sängerinnen im wahrsten Sinne des Wortes das Höchste an Tönen abverlangt.

Die Oboe, die als Fortentwicklung der mittelalterlichen Schalmei gilt, zählt aufgrund der charakteristischen Atemtechnik zu den am schwierigsten zu spielenden Holzblasinstrumenten. Mit grandiosem Ausdruck und doch samtig-weich bietet Sophia Hegemann, Gastmusikerin des Abends, „Gabriel’s Oboe“ (ebenso ein Stück des vielseitigen Morricone; Film „The Mission“) dar. Tosender Applaus ist der 16-jährigen Solistin sicher.

Neue Deutsche Welle auf dem Plattenteller

Wenn die Teenie-Tochter den Plattenspieler entdeckt, ist es Zeit, noch mal aufzulegen! Frech und fröhlich wagt die Harmonie mit „Skandal“, „1001 Nacht“ und anderen Songs der Neuen Deutschen Welle den Sprung in die 80er. Die Zuhörerschaft ist begeistert: Lalalala, singen die einen, animiert durch den Backgroundchor, während die anderen noch immer über den „Sternenhimmel“ im Kirchenraum staunen.

Zeit für Dank, den Ralf Theißen an jeden Einzelnen des Vorstandes richtet. Er lobt den eifrigen Einsatz, nicht nur hinsichtlich des Konzertes. Der Stärkung in der Pause folgt ein (musikalisches) Meeting am „Hanging Tree“ („Die Tribute von Panem“).

Doch kaum sind die düsteren Noten verraucht, wird der heitere „Supertramp“ (Jörg Sprung), geduldig auf der Rollesbroicher Mitfahrerbank wartend, an die Wand gebeamt: Ein Streifzug durch die Hits der britischen Vagabunden reißt die Konzertbesucher sichtlich mit.

Auch „Sway“, ein Mambo (Luis Demetrio, Pablo Beltrán Ruiz, 1953), lässt das Publikum mitswingen. „The Cream of Clapton“, nicht nur ein Albumtitel (1987) von Mister Slowhand, auch der Titel des Medleys, das das Publikum in Träumen schwelgen lässt.

„Ich trete nur ein Stück zurück“

„Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber zu schweigen unmöglich ist“, lautet ein Zitat des Dichters Victor Hugo und so kann das letzte – offizielle – Lied dieses Konzertes nur „Thank You for The Music“ (Abba) heißen. Danke für 25 Jahre unermüdlichen Einsatz!

Damit wäre alles gesagt. Vorerst. Doch stehende Ovationen und Bravo-Rufe fordern ein „Final Countdown“ (Europe). „Ich bin ja nicht weg“, sagt Achim Breuer, bevor er seinen Taktstock schließlich an Nachfolger Benno Marx übergibt, „ich trete nur ein Stück zurück. Ich glaube, ich habe es mir verdient.“

Ausnahmslos jeder ist froh, dass Breuer lediglich den Taktstock gegen die Trompete tauscht. Eine dicke Überraschung gibt es dann doch noch: „Wer singe Püngel schnürt, söök, wo er hinjehürt …“, ertönt es vom Band (Trude Herr: „Niemals geht man so ganz“, Breuers Lieblingslied) und ehemalige Musiker sowie das Trommler- und Pfeifer-Korps Rollesbroich füllen die Bühne. Gemeinsam mit der Harmonie sorgen sie, unter dem Dirigat von Benno Marx, voluminös und fulminant mit „Highland Cathedral“ für Gänsehaut! Die Kirchenschiffe toben. Rührend, einmalig, grandios!

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