Simmerath: Handwerkskammer investiert Millionen in ihr Bildungszentrum

Simmerath : Handwerkskammer investiert Millionen in ihr Bildungszentrum

Die Handwerkskammer Aachen plant massive Investitionen in ihr Bildungszentrum (BGZ) Simmerath. Sie könnten sich in den kommenden fünf Jahren auf insgesamt 20,6 Millionen Euro belaufen.

Mit Blick auf das Internat im BGZ hatte die Handwerkskammer ursprünglich daran gedacht, alle drei Gebäude­blöcke mit insgesamt 279 Betten (der älteste stammt aus dem Jahr 1972, die beiden anderen wurden 1980 errichtet) zu sanieren.

Die 37 Jahre alten Internatsblöcke am Simmerather BGZ wurden im vergangenen Jahr als Flüchtlingsunterkunft genutzt. Foto: Heiner Schepp

Doch die Kammer ist inzwischen zu der Überzeugung gelangt, „dass die Errichtung eines Neubaus mit maximal 130 Zimmern die sinnvollste und wirtschaftlichste Lösung darstellt“, wie Hauptgeschäftsführer Peter Deckers bei der Herbst-Vollversammlung in Heinsberg erklärte.

Die Mitglieder dieses Gremiums folgten dieser Einschätzung: Einstimmig wurde der Internatsneubau beschlossen.

Aufgrund zurückgegangener Teilnehmerzahlen bestehe seit einigen Jahren ein deutlicher Kapazitätsüberhang im Internat, hatte Deckers berichtet. Zum anderen gebe es nach Jahrzehnten intensiver Nutzung einen erheblichen Modernisierungsstau beziehungsweise die Notwendigkeit der Anpassung an zeitgemäße Beherbergungsstandards.

Die Notwendigkeit zur Modernisierung sei seit vielen Jahren erkannt, die Umsetzung sei jedoch auch wegen offener Finanzierungsfragen nicht so recht vom Fleck gekommen. „Lange Zeit haben wir nach Möglichkeiten einer öffentlichen Förderung gesucht, mussten aber schließlich feststellen, dass es für den Internatsbereich keine Förderung gibt“, so Deckers weiter. „Parallel dazu konnten wir jedoch Eigenmittel der Kammer ansammeln, die uns in die Lage versetzen, die notwendigen Investitionen aus eigener Kraft zu stemmen.“

Von den Plänen für eine Sanierung aller drei Blöcke sei die Kammer abgerückt, da die Belegungszahlen nicht zuletzt durch den Abzug der Kölner Dachdecker deutlich abgesunken seien, erklärte der Hauptgeschäftsführer. Es seien deshalb die Modernisierung der beiden jüngeren Blöcke (164 Betten) und der Abriss des ältesten Blocks (115 Betten) in Erwägung gezogen worden.

Das Freizeitzentrum ist stark sanierungsbedürftig

Die Realisierung eines Zimmerkonzepts mit dem auch in relativ schlichten Beherbergungsbetrieben seit Jahren üblichen ­Standard, jedes Zimmer mit einer Nasszelle auszustatten, wäre laut Deckers mit einem enormen Aufwand verbunden und würde zu einem unwirtschaftlichen Ergebnis führen.

„Bei einem Neubau stellt sich die Frage, an welcher Stelle er errichtet werden soll“, sagte Deckers bei der Sitzung der Vollversammlung. Zum einen komme der Abriss der jetzigen Internatsbauten mit einer Bebauung der dann frei werdenden Flächen in Betracht. Diese Variante habe jedoch den Nachteil, dass der Unterbringungsbetrieb nicht fortgeführt werden könnte oder eine Containeranlage zu Unterbringungszwecken gemietet werden müsste, „was mit erheblichen Kosten verbunden wäre“, so Deckers.

„Diese Nachteile könnten vermieden werden, wenn ein Neubau an der Stelle errichtet würde, wo jetzt das Freizeitzentrum besteht.“ Dieses Freizeitzentrum sei genau wie die Internate schwer in die Jahre gekommen und stark sanierungsbedürftig. Es stehe im Eigentum der Stiftung ­Berufshilfe der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) und müsste von dieser erworben werden. Genau zu diesem Kauf von Grundstücken mit einer Gesamtfläche von 24.000 Quadratmetern gab die Vollversammlung ebenfalls einstimmig grünes Licht.

Nach Darstellung von Deckers ist mit der IG-BAU-Stiftung Einigkeit erzielt worden. Mit einer Erbengemeinschaft würden Verhandlungen über den Erwerb von weiteren 5400 Quadratmetern noch geführt. Wie der Internatsneubau konkret aussehen soll, steht noch in den Sternen: Die Vollversammlung der Kammer votierte für die Ausschreibung eines Architektenwettbewerbs.

Klar ist jedoch, dass auch in andere Bereiche des BGZ investiert werden soll: Aktuell werde der ­Malerbereich ertüchtigt, hieß es. 2018 solle der Bäckerbereich folgen. Weitere Werkstätten sind für Modernisierungen ins Auge gefasst. So hat Kammerpräsident Dieter Philipp bei der Sitzung in Heinsberg die Tatsache begründet, dass Simmerath einen Schwerpunkt in der Investitionstätigkeit der Kammer darstellt: Viele Jahre sei da zu wenig getan worden. „Jetzt müssen wir da ran, damit es nicht vergammelt.“

(disch)
Mehr von Aachener Nachrichten