Monschau: „Haller”-Lesung zwischen PCs

Monschau: „Haller”-Lesung zwischen PCs

Eine literarische Lesung in den Geschäftsräumen seiner EDV-Beratung: Von dieser Idee war Werner Krickel sehr angetan und öffnete gerne seine Räumlichkeiten für die zweite Lesung der Monschauer Literaturzeitschrift „Haller” unter dem seltsam verschrobenen Titel „Nerds”.

Normalerweise haben Werner Krickel und seine Mitarbeiterin Sylvia Mertens eine andere Kundschaft in ihrem Büro in der Laufenstraße.

Nun hatte Corinna Griesbach, die Herausgeberin der Zeitschrift „Haller”, Autoren aus Aachen und Bonn in eben dieses Büro eingeladen, um gemeinsam Kostproben aus dem aktuellen Heft einem interessierten Publikum vorzutragen.

„Eigentlich sehr viel Kultur”

„In Monschau gibt es eigentlich sehr viel Kultur”, so Werner Krickel in seiner Eröffnungsansprache, „manchmal muss man sie nur richtig bündeln. Ich bin sehr interessiert, kulturelle Veranstaltungen in unserem Städtchen zu fördern und für ausgefallene Ideen immer offen.”

Seit über zwei Jahren existiert die Literaturzeitschrift, die Corinna Griesbach mit ganzer Absicht nach der Haller-Ruine Monschaus benannt hat.

Wenn möglich, so soll die Anbindung an die Region auch konstituierend bleiben.

Die erste Lesung hatte vor einem halben Jahr in der Galerie Beumers im Tuchschererhaus stattgefunden, nun also die Räume einer EDV-Beratung.

„Der Lesungsort sollte mit dem Thema zu tun haben”, erläutert Griesbach. „Mit dem Titel der Ausgabe „Nerd” verbindet man verschrobene Computertypen, die oftmals schon äußerlich auffallen und nicht selten ein menschliches Kommunikationsproblem haben. Wir wollten also ein Umfeld, das mit Computern zu tun hat.” Zuerst habe sie an ein Internetcafé in Aachen gedacht, wollte aber in Monschau bleiben: „Schließlich ist es eine Monschauer Zeitschrift und hier gehört die Veranstaltung hin.”

Stellenweise eine Performance

Die Lesung indes geriet stellenweise zur Performance, vor allem als die Aachener Axel Bölling und Daniel Fleuster im Duett und in Verkleidung „Die Faust des Parakleten - readymade 3” vortrugen, einen postmodernen Text auf Computerspiel-Level. Margret Kricheldorf, ebenfalls aus Aachen und schon zum zweiten Mal dabei, brachte die Liebe ins Spiel und las eine eher traurige Geschichte - und das an ihrem Geburtstag.

Shanna Liebl aus Bonn untersuchte in ihrem Text das Phänomen „Nerd” (Non Emotionally Responding Dude) genauer am Beispiel zweier Frauen, die einen eigenen Weg der Kommunikation für sich entwickelt haben. Anton Werkers (Köln) Text „Ich bleibe am Ball” widmete sich dem bedrohlichen Eigenleben eines iPhones.

Einen Krimi im Stile von Patricia Highsmiths „Zwei Fremde im Zug” servierte Corinna Griesbach ihren Zuhörern: In „Identität: Clockwork” entwickelt sich aus einer vermeintlich sicheren Internet-Anonymität ein gefährliches Spiel.

Die Zuhörer erhielten neben unterhaltsamen, spannenden und auch verstörenden Eindrücken Erfrischungsgetränke und Leckereien und konnten im Anschluss der Veranstaltung ihre Eindrücke mit den Autoren diskutieren.

Werner Krickel als Gastgeber und Corinna Griesbach als Veranstalterin zogen jedenfalls eine positive Bilanz: „Kultur muss nicht anstrengend und abgehoben sein. Wir werden weiter an solchen Veranstaltungen stricken.”