Monschau: Halali: Adler kreisen über der Monschauer Altstadt

Monschau: Halali: Adler kreisen über der Monschauer Altstadt

Ihre Schreie waren schon aus großer Entfernung zu hören, sie selbst waren immer wieder umringt von staunenden Besuchern. Und wenn sie sich in die Lüfte erhoben, um über die Dächer der Altstadt zu kreisen, dann wurde ihnen applaudiert.

Keine Frage, die Greifvögel aus dem Wildfreigehege Hellenthal waren die großen Stars des Monschau Halali! Aber auch die weiteren Aktionen, Programmpunkte und Ausstellungen machten die Jagdschau des vergangenen Wochenendes zu einem Erlebnis.

„Keine Panik, schön locker bleiben, die Adler haben bereits gefrühstückt!” Ganz souverän moderierte Chef-Falkner Karl Fischer die unglaubliche Flugschau seiner Greifvögel. Die Balance zwischen lehrreicher Information und Entertainment beherrscht er aus dem Effeff.

Dabei kann er sich stets auf die Ausstrahlung seiner Tiere auf das staunende Publikum verlassen: Seekopfadler, Wüstenbussard, Kordilleren- und Andenadler sieht man ja auch nicht alle Tage. Und schon gar nicht, wenn sie sich von der Haller-Ruine aus auf den Marktplatz der Monschauer Altstadt stürzen und dabei knapp über die Köpfe der Menschen hinwegfegen.

Der Start für den Rückflug fiel den großen Vögeln dabei nicht leicht. Denn dafür, so erklärt Fischer, bräuchten sie Thermik, die sie bei diesem ungewöhnlich sommerlichen Novemberwetter kaum hatten: „Deswegen müssen die Adler hart arbeiten, und das tun sie eigentlich gar nicht gerne!” Die Besucher auf dem Marktplatz wurden so Zeugen, wie die gigantischen „Räuber der Lüfte erst einmal einen Boxenstopp” einlegten und sich auf den Dächern niederließen.

Neben den faszinierenden Vögeln hat sich der Hirschruf-Wettbewerb in den vergangenen Jahren als Highlight etabliert. Jens Sander, Jäger aus Roetgen und im vergangenen Jahr Deutscher Meister in dieser Disziplin, erklärte auf der Marktplatz-Bühne, worum es dabei geht: „Das Monschauer Land ist ein Hirschland, der Rothirsch und die Jagd auf ihn spielen hier eine entscheidende Rolle.” Der „König der Wälder” sei stark hormongesteuert, mit seinen Schreien locke er Rivalen an und liefere sich Schreiduelle. Die Jäger nun ahmten diese Schreie nach, um einen Hirsch zu sehen und eventuell vor die Büchse zu bekommen.

Viele Kinder am Start

Den Teilnehmern des Wettbewerbs standen Instrumente zur Verfügung, die auch von professionellen Jägern verwendet werden: das traditionelle Ochsenhorn, den Eifel-Hirschrufer, eine Tritonschnecke aus der Südsee oder auch eine ganz herkömmliche Gießkanne, auf die Karl Fischer zurückgriff; schließlich hatte er damit im letzten Jahr den Sieg davon getragen.

Die Teilnahme stand jedem offen, und so betraten auch viele Kinder die Bühne, um ihr Bestes zu geben. Auf die Frage der Moderatorin Barbara Frohnhoff, von der Monschau Touristik, die durch das Programm führte, woher sie das so gut könnten, gaben sie die unterschiedlichsten Antworten. Ein Junge behauptete, das als Unterrichtsfach in der Schule gelernt zu haben, ein anderer gab unumwunden zu: „Weil ich auch bei uns zu Hause viel brülle!”

Unter den Teilnehmern fand sich auch eine Frau, die der Halali-Besucher aus den letzten Jahren kennt: Hildegard Zervos aus Niederzier ist zwar selbst keine Jägerin, übt den Hirschruf aber schon seit vier Jahren als Hobby aus. Sie übt das im heimischen Wohnzimmer. Ärger mit den Nachbarn hat es dabei noch nie gegeben: „Wir wohnen ein bisschen abgelegen.”

Den Sieg machten schließlich die Profis unter sich aus. Hermann Carl, Leiter der „Rollenden Waldschule”, gewann mit Hilfe einer Muschel. Auch wenn der Wettbewerb auf dem Marktplatz für die begeisterten Zuschauer eine große Gaudi ist, so steckt dahinter doch ein ernster Kern.

Die Nachahmung des Hirschrufs ist Bestandteil der Lockruf-Jagd, einer der speziellsten Jagdarten, zeugt sie doch von einer genauen Kenntnis der Tierlaute, berichtet Carl in seiner Waldschule, die er im Aukloster aufgebaut hat.

Seit es das Halali gibt, ist sie dabei ein festes Element. Zwei bis drei Wochen lang hat die Ausstellung geöffnet. Hier können nicht nur Kinder die vielen Exponate betrachten und in die Hand nehmen („Was man kennenlernen will, das muss man auch fühlen dürfen”), auch Jungjäger und zukünftige Naturführer werden hier ausgebildet.

Zwei Scheunen voll mit Material hat Carl in den vergangenen 14 Jahren zusammengetragen, rund 300 Tierpräparate, eine umfangreiche Sammlung von Geweihen und sogar Tiermumien sind zu bestaunen. Es handelt sich, so Carl begeistert, „wohl um eine in dieser Form in Deutschland einmalige Ausstellung”. Mit einem kleinen Teil davon besucht er über das Jahr Kindergärten, Schulen und Behinderteneinrichtungen, „um den Menschen die Natur näher zu bringen”.

Naturschutzprojekte

Das Aukloster avancierte zum Lernort der besonderen Art, denn auch die Biologische Station der Städteregion Aachen mit ihren Infoplakaten über Flussperlmuschel und Naturschutzprojekte und die Waldführer des Nationalparks Eifel mit Duftorgel und Geräuschbox, mit deren Hilfe man Gerüche und Geräusche des Waldes erraten konnte, waren vertreten. Und so konnte der Besucher neben der spektakulären Unterhaltung auf dem Marktplatz zu faszinierenden Eindrücken hinter den Klostermauern gelangen: Das Monschau Halali war nicht nur eine große Show, sondern darüber hinaus auch ein Ort, an dem man nachhaltige Eindrücke gewinnen konnte.

Vertieft wurden diese am Sonntag durch Hubertusmesse und Tiersegnung sowie durch musikalische Darbietungen mit Jagd- und Parforcehörnern. Jagdliches Brauchtum, das lernt man hier schnell, ist Teil einer alten Kultur mit eigenen Ritualen und einer eigenen Sprache. Der Zuschauer dürfte für zwei Tage daran teilhaben und wird sich an vieles erinnern. Vor allem aber natürlich an die Adler auf den Dächern rund um den Monschauer Marktplatz.