Monschau: Gut Reichenstein: Mönche im Wettlauf mit dem Verfall

Monschau: Gut Reichenstein: Mönche im Wettlauf mit dem Verfall

Der Anblick ist erschütternd: Ein Riesenloch reißt die Fassade des Südflügels von Reichenstein auf. Spuren des Verfalls: Wo einmal Benediktinermönche aus dem französischen Kloster Bellaigue traditionellen Formen gemäß ihr frommes, zurückgezogenes Leben führen wollen, durchziehen breite Risse die Fassade.

Kein Wunder, dass für Pater Peter Lang von der Priesterbruderschaft St. Pius X. der Wiederaufbau des Südflügels vornean steht. Unmissverständlich betont der Priester heraus, wie wichtig die Sanierung ist: „Das muss klappen - sonst kommen die Mönche nicht.”

Lang, der vom deutschen Distriktoberen der Bruderschaft, Pater Franz Schmidberger, mit der Vorbereitung der Klostergründung beauftragt worden ist, trifft seine Feststellung nicht ohne Grund. Zum einen soll der Südflügel im ersten Stock die Zellen der Mönche aufnehmen. Zum anderen soll der Trakt zusammen mit Kreuzgang und Kirche das Herz des Ordenshauses bilden. Kosten für die Notsicherung: rund 67.000 Euro.

Gemäß Bescheid der Kölner Bezirksregierung können die Reichenstein 2010 für die Sanierung von Süd- und Westflügel auf Zuschüsse in Höhe von 11.600 Euro rechnen. Für das folgende Jahre wurden noch einmal 46.400 Euro in Aussicht gestellt. Für den Rest der Kosten sind Pater Lang und die Mönche auf Spenden angewiesen.

Konrad Fischer, Architekt und Bauingenieur aus Hochstadt in Oberfranken, begleitet die Rettung von Reichenstein als Experte. In seinem Gutachten spricht er eine klare Sprache: „Die Ostfassade ist im mittleren Bereich von Geländeoberfläche bis zur Traufe auf einer Länge von neun Metern eingestürzt.” Und weiter: „Die vorhandenen Notsicherung sind nicht mehr tragfähig.”

Fachmann Fischer läutet die Alarmglocken: „Es ist eine schnellstmögliche Sicherung der Außenwand erforderlich, da bei einem weiteren Einsturz auch das Dach an Tragfähigkeit verliert und seinerseits einzustürzen droht.” Daneben mahnt Fischer für den Westflügel Handlungsbedarf an, denn: „Eindringendes Wasser hat die Dachschalung bereits vollständig zerstört.”

Die Freunde von Reichenstein kann das jedoch nicht niederdrücken. Mit Optimismus und Gottvertrauen werben sie um Spenden - und schmieden schon weitere Pläne. Im Torgebäude soll, so Pater Peter Lang im Gespräch, im Frühling oder Sommer ein „Info-Point” eingerichtet werden, in dem Wanderer und Spaziergänger mit Wissenswertem rund um das künftige Kloster, das benediktinische Mönchtum und seine kulturellen Zusammenhänge versorgt werden.

Zudem wurde vor kurzer Zeit mit dem Augsburger Stefan Kirsner ein Hausmeister angestellt, der (zusammen mit seinem Schäferhund „Moni”) in Reichenstein nach dem Rechten sieht und Passanten als Ansprechpartner zur Verfügung steht. Damit noch nicht genug: Die Website http://www.kloster-reichenstein.de nähert sich der Fertigstellung und soll in zwei bis drei Wochen ins Netz gehen.

Die Kritik, die das Projekt auf Reichenstein weckt, ist Pater Lang und seinen Mitstreitern durchaus bewusst. Die Rolle der Priesterbruderschaft St. Pius X. sieht er indes ganz anders als die Gegner: „Wir wollen nur helfen, dass hier etwas entsteht - und dann ziehen wir uns komplett raus.” Im Übrigen sei die geplante Gründung „keine Provokation des Bischofs, sondern ein Kloster, in dem die Messe heute noch so gefeiert wird wie der heilige Benedikt sie gefeiert hat.”

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