Roetgen: Grundschule Roetgen wächst, das Kollegium schrumpft

Roetgen : Grundschule Roetgen wächst, das Kollegium schrumpft

Die Gemeinschaftsgrundschule Roetgen erlebt derzeit eines der schwierigsten Schuljahre ihrer Geschichte. Geschuldet ist dies der Personalsituation seit Beginn des Schuljahres, wie Schulleiterin Susanne Bortot nun im Roetgener Bildungs-, Generationen-, Sozial- und Sportausschuss berichtete.

Positiv: Die hohe Anziehungskraft Roetgens für junge Familien spiegelt sich auch in steigenden Schülerzahlen wider.

Junge Kollegin gestorben

„Zum Ende des vergangenen Schuljahres waren wir eigentlich in einer sehr komfortablen Situation“, blickte die Schulleiterin zu Beginn ihres jährlichen Situationsberichts zurück. „Doch mit Beginn des neuen Schuljahres holte uns die Realität ein“, so Bortot. Während der großen Ferien verstarb völlig unerwartet eine junge Kollegin, und auch eine weitere Lehrkraft stand entgegen der Planung zum neuen Schuljahr nicht mehr zur Verfügung.

Das Schulamt versprach Ersatz, sprach aber auch von einem „ungünstigen Zeitpunkt zu Schuljahresbeginn“, wo in der Regel alle Kräfte verplant seien, auch die sogenannten Poolkräfte oder Springer.

„Erschwerend kam dann im Laufe des Schuljahres hinzu, dass gleich vier Kolleginnen unseres sehr jungen Kollegiums schwanger wurden oder Elternzeit beantragten“, berichtete Susanne Bortot weiter und betonte ausdrücklich: „Das ist absolut kein Vorwurf an die Kolleginnen, im Gegenteil: Wir haben uns alle mit den Kolleginnen über das vierfache Familienglück gefreut. Wie in anderen Berufen muss man die Elternzeit auch Lehrerinnen zugestehen“, bekräftigte die Schulleiterin.

Für die Schule wogen die Ausfälle jedoch schwer, vor allem weil es auch immer wieder zu Krankmeldungen kam und die Kolleginnen länger nicht zur Schule kommen konnten als geplant. „Konkret sind in dieser Zeit vier Stellen durch Elternzeit und Schwangerschaft verloren gegangen“, bilanzierte Bortot.

Dann kam der Dezember und mit ihm die große Krankheitswelle. „Davon waren auch wir enorm betroffen — entweder weil die Kolleginnen selbst krank wurden oder auch ihre Kinder. Wir haben sehr viele Teilzeitkolleginnen mit Familie“, so Susanne Bortot.

Ersatz schwer zu bekommen

Natürlich habe man Ersatz beantragt, den es aber grundsätzlich erst ab zwei Wochen Ausfall gebe. „Seit Dezember werden wir regelmäßig mit Springern bedacht, obwohl es nur neun Poolkräfte für 90 Schulen in der Städteregion gibt“, meinte die Schulleiterin. Diese Kräfte würden gute Arbeit leisten; problematisch sei aber, „dass wir diese Ersatzkräfte jede Woche neu anfordern müssen“.

Zudem sei die Zuweisung an hohe Auflagen gebunden: „Wir müssen an alles rangehen, was unsere Schule gut macht“, bedauerte die Schulleiterin und zählte auf: „Wir mussten die Doppelbesetzung auflösen, die liebgewonnenen Arbeitsgemeinschaften herunterfahren und den Förderunterricht reduzieren. Es war also nur noch Pflichtunterricht möglich, damit wir Vertretungskräfte bekamen“, fasste Susanne Bortot zusammen.

All dies sei jedoch immer in enger Abstimmung mit dem Schulträger und mit den Eltern geschehen, hielt Bortot fest und dankte besonders der Schulgemeinschaft für ihre Geduld: „Es liegt wirklich ein schweres Dreivierteljahr hinter uns. 80 bis 120 Vertretungsstunden in der Woche zu bewältigen, sind schon eine Masse. Wir sind uns aber bewusst, dass wir nicht die einzige Schule mit diesen Zuständen sind. Und wir sind sicher, dass auch wieder andere Zeiten kommen“, meinte eine optimistische Schulleiterin.

Bewältigt habe man schließlich neben der personellen Misere auch weitere Begleitumstände dieses Schuljahres, so einen Wasserschaden, eine Konfliktsituation betreffend die Offene Ganztagsschule und die Umstellung von Schülerspezialverkehr auf Linienverkehr nach 49 Jahren, zählte Susanne Bortot auf. „Unsere Kinder hatten jedenfalls bei der Umstellung der Schulbusse keinerlei Beeinträchtigungen“, hielt Bortot fest.

Die Schulleiterin hatte zum Abschluss ihres Berichts auch andere gute Nachrichten. So sei man im Laufe dieses Schuljahrs als Nationalparkschule anerkannt worden und freue sich über ein bemerkenswertes Integrationsprojekt: Neun Flüchtlingskinder werden aktuell an der GGS Roetgen beschult. „Sie müssen erst alphabetisiert werden und haben teilweise noch nie in ihrem Leben eine Schule besucht“, berichtete Susanne Bortot im Bildungsausschuss.

Dank hohen Einsatzes der Sonderpädagogin und eines aus Asien kommenden Konzepts gelinge es jedoch unwahrscheinlich schnell, den Kindern die deutsche Sprache zu vermitteln. „Das Konzept setzt auf Sprachmelodie statt auf Wortschaft. Dies lässt die Kinder unwahrscheinlich schnell in unsere Sprache hereinfinden“, erläuterte Susanne Bortot und fügte hinzu: „Einige Kinder sprechen schon nach einem Jahr so gut Deutsch, dass man meinen könnte, es sei ihre Muttersprache.“

Im Bildungsausschuss ernteten Susanne Bortot und ihr Kollegium viel Zuspruch für ihre Arbeit und den Umstand, das extrem schwere Schuljahr nun bald bewältigt zu haben. „Sie haben aus der Situation, die nicht sie verschuldet haben, sondern die Schulpolitik zu verantworten hat, noch das Beste gemacht“, meinte Silvia Bourceau.

In dieser Lage brauche es eine gefestigte Schulgemeinschaft aus Eltern, Lehrern und Kindern, ergänzte die UWG-Vertreterin. Und diese habe man an der Grundschule Roetgen, meinte Bourceau und nannte als Beweis das gelungene Schulfest am letzten Wochenende: „Da habe ich jedenfalls an der Schule nur strahlende Kinderaugen gesehen!“

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