Grüne: Zerstören eine der letzten Wiesenflächen für acht Baustellen

Roetgener Bauausschuss : Grünes Licht für neues Bauland im Hahnbruch

Am westlichen Ortsrand von Rott kann ein kleines Neubaugebiet mit acht größeren Baustellen entstehen. Nach langen Diskussionen und Abwägung von rund 70 eingegangenen Bedenken und Anregungen zum Bebauungsplan Nr. 33 – Hahnbruch/Brunnenweg – hat der Roetgener Bauausschuss in seiner letzten Sitzung des Jahres das Vorhaben mit einer 8:5-Mehrheit auf den Weg gebracht.

Ehe die Bagger auf die grüne Wiese rollen, werden jedoch, so beschloss der Ausschuss, zunächst ein weiteres Mal die Öffentlichkeit, die Anlieger im Plangebiet sowie Behörden und Träger öffentlicher Belange in das Verfahren einbezogen. Die nun erfolgte Abwägung zur frühzeitigen Beteiligung muss zudem noch am 5. Februar den Gemeinderat passieren.

Der Bebauungsplan Hahnbruch/Brunnenweg beschäftigt die Roetgener Politik bereits seit Mitte vergangenen Jahres und ist nicht unumstritten. Die Befürworter sprechen von einer Arrondierung der westlichen Ortsbebauung, für die Gegner wird ein sensibler Wiesenbereich zwischen der jetzigen Bebauungsgrenze und dem Vichtbach versiegelt. Auch deshalb hatte die Landschaftsbehörde der Städteregion Aachen eingewandt, dass die betroffenen Flächen teilweise im Landschaftsplan IV „Stolberg-Roetgen“ als naturnaher Lebensraum erhaltenswert seien.

Erneute Diskussionen gab es im Bauausschuss auch zu der Frage, ob eine Einfriedung der Grundstücke durch Hecken vorgeschrieben werden soll und wie hoch diese sein sollten. Um „die Weitsicht in diesem Bereich trotz Bebauung wenigstens einigermaßen zu erhalten“, beantragte Silvia Bourceau für die UWG, eine Einfriedung der Grundstücke nach hinten und zur Seite mit Hecken von maximal 1,50 Meter Höhe vorzugeben. „Hecken vorzuschreiben, ist aberwitzig“, lehnte Klaus Onasch (SPD) den Vorstoß ab, und auch Michael Seidel (CDU) glaubt, dass die künftigen Bauherren „auch ohne Vorschrift ihre Grundstücke mit Hecken einfrieden werden“.

Keine anderen Befürworter fand ein Antrag der Grünen. Da die neuen Häuser erheblich zur „Lichtverschmutzung“ in einem heute noch unbeleuchteten Bereich beitrügen, könne man im Bebauungsplan Menge und Stärke der Außenbeleuchtung festlegen, beantragte Gudrun Meßing für ihre Fraktion. „Das wäre unverhältnismäßig gegenüber allen anderen Rottern“, lehnte Klaus Onasch auch diese Beschränkung ab, und Michael Seidel schimpfte gar: „Die Verbotspolitik der Grünen ist unerträglich!“

„Wir zerstören eine der letzten Wiesenflächen von Rott – und das zugunsten von nur noch acht wohlhabenen Bauherren“, unternahm Bernhard Müller (Grüne) einen letzten Versuch, die Befürworter des Bebauungsplans umzustimmen. „Und das Ganze kostet die Gemeinde auch noch eine Stange Geld“, fügte er an und fand Fürsprache bei Anita Buchsteiner (PRB): „Wir belasten die Allgemeinheit mit den Erschließungskosten“, fasste sie zusammen.

Dem stimmte Dirk Meyer von der Bauverwaltung teilweise zu: Zwar würden Erschließungs- und Kanalanschlussbeiträge erhoben und maximal 90 Prozent der erschließungsfähigen Kosten auf die Besitzer umgelegt. Die Gemeinde sei aber auch „mit einem ordentlichen Batzen für ein relativ kleines Gebiet“ dabei, räumte Meyer ein.

In der bisherigen Diskussion kritisierten die Gegner des neuen Baulands auch immer wieder eine zu wuchtige Bebauung des bisherigen Randbereichs der Ortslage im Bereich Wiesenstraße, Brunnenweg und Hahnbruch. „Das Problem ist, dass findige Architekten hier leider das Baurecht bis zum letzten Zentimeter ausgereizt haben. Das lässt sich jetzt aber nicht mehr reparieren und darf dem neuen Bebauungsplan nicht zum Nachteil gereichen“, stellte Michael Seidel fest und ist sicher: „Das wird im neuen Bereich nicht mehr passieren.“

Seidel sprach von einer „absolut ortstypischen Erschließung auf vorhandenen Wirtschaftswegen – so wie überall in Rott“. Klaus Onasch war gleicher Meinung: „Was da vorne passiert ist, gefällt uns allen nicht, hat aber mit diesem Bebauungsplan hier nichts zu tun“, meinte der SPD-Sprecher.

Die fast einstündige Abwägung der rund 70 während der Offenlage eingegangenen Eingaben verlief dann gleichfalls nicht nach dem Geschmack der Gegner. „Hier werden teils erhebliche Bedenken der Bürger und auch der städteregionalen Landschaftsbehörde einfach abgebügelt“, sagte Silvia Bourceau und meinte fast schon pathetisch: „Wir haben die Verantwortung. Es ist unser Rott.“

Die Mehrheit mit SPD-, CDU- und FDP-Stimmen ließ sich jedoch auch davon nicht umstimmen und schickte den Bebauungsplan mit 8:5 Stimmen in das weitere Verfahren.

(hes)
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