Roetgen: Gotteshaus in Roetgen: Der nächste sündhaft teure Dachschaden

Roetgen: Gotteshaus in Roetgen: Der nächste sündhaft teure Dachschaden

Noch ist die Finanzierung für die Instandsetzung des Daches und der Decke der evangelischen Kirche in Monschau nicht sichergestellt, da tut sich für die Kirchengemeinde Monschauer Land eine weitere, sehr kostenintensive Baustelle auf.

Auch Dach und Decke der evangelischen Kirche in Roetgen sind stark sanierungsbedürftig. Durch eine im Dezember 2011 vorgenommene Notsicherung konnte verhindert werden, dass die Kirche geschlossen werden musste.

Zudem wurde dadurch mindestens fünf Jahre Zeit gewonnen, um die endgültige Instandsetzung in Angriff zu nehmen, die wohl mit mindestens 1,5 Millionen Euro zu Buche schlagen wird. Was auf die Kirchengemeinde zukommt, erläuterten im Pressegespräch vor Ort Presbyteriumsvorsitzender Pfarrer Jens-Peter Bentzin, Hausherr Pfarrer Wolfgang Köhne und Kirchbaumeister Frank Liedtke.

Im Mai 2011 entdeckt

Entdeckt wurden die Schäden im Rahmen einer routinemäßigen Begehung im Mai 2011. Das Tragwerk des Dachstuhls war offenbar in Bewegung geraten. Vom Innenraum der Kirche aus war kaum etwas zu erkennen, da die historische Lehmputzdecke bei einer Sanierung in den 1970er Jahren abgehängt worden war. „Bereits damals hatte man erste Schäden erkannt und sie auf diese Weise beseitigt”, erläuterte Wolfgang Köhne, der seit 1989 Pfarrer in Roetgen ist. Nur bei genauem Hinsehen ist ein sich rund um das Kirchenschiff ziehender Riss an der Stelle zu sehen, an der die neue Decke in das Gewölbe der alten übergeht.

Um das genaue Ausmaß des Schadens begutachten zu können, mussten zunächst die bei der damaligen Sanierung aufgebrachten 400 Quadratmeter Wärmedämmung sowie zurückgebliebener Bauschutt entfernt werden. Das geschah bei hochsommerlichen Temperaturen in Schutzanzügen, blickte Frank Liedtke schaudernd zurück. Allein diese Maßnahme verschlang schon rund 25 000 Euro. Bevor der Sachverständige seine Arbeit aufnehmen konnte, wurden alle Details zeichnerisch festgehalten und jeder Balken durchnummeriert. Die holztechnische Begutachtung in den Sommerferien hatte dann ergeben, dass nahezu alle tragenden Eichenbalken durch wahrscheinlich jahrzehntelang unentdeckt gebliebenen Feuchtigkeitseintritt geschädigt waren. Vor allem der Hausschwamm hatte sich breit gemacht, aber auch andere Schäden wie Setzungen und Risse wurden entdeckt, „querbeet die ganze Palette”, wie der Kirchbaumeister feststellte.

Die Notsicherung hat insgesamt rund 100 000 Euro gekostet, die aus den ohnehin knappen Rücklagen aufgebracht werden mussten. Erschwert wird die Sanierung durch die besondere und sehr seltene Konstruktion des Dachstuhls. Nur eine Längs- und drei Querachsen aus massivem Eichenholz mit großen Querschnitten überspannen mit riesigen Tragweiten stützenfrei den Kirchenraum. Dadurch fehlt, anders als zum Beispiel bei der kleinteiligen Konstruktion des Dachstuhls der Monschauer Kirche, die Möglichkeit, die Traglasten von beschädigten Balken auf nahe benachbarte Achsen abzuleiten.

Um die Planung soweit voranzutreiben, dass Förderanträge im Rahmen öffentlicher, kirchlicher und privater Denkmalschutzprogramme gestellt werden können, muss die Kirchengemeinde jetzt kurzfristig durch Spenden und Kollekten 30 000 Euro aufbringen. Sie setzt dabei auf die Spendenfreudigkeit aller Menschen, die sich der Evangelischen Gemeinde und ihrer Kirche in Roetgen verbunden fühlen. Das Spendenkonto lautet 2204030 (Sparkasse Aachen),BLZ 39050000, Stichwort „Kirchendächer”.

Anspruchsvolle Konzerte

Die evangelische Kirche wurde in den Jahren 1778 bis 1782 durch die damalige reformierte Gemeinde in Roetgen erbaut. Die barocke Saalkirche ist innen und außen schmucklos, beeindruckt aber durch eine klare Architektur. Der Kirchturm wird gekrönt durch einen so genannten „Geusendaniel”, einen Posaunenengel, der den Sieg des Evangeliums symbolisiert.

Kanzel und Orgel sind älter als die Kirche und wurden im Zuge der Säkularisierung von Kirchen und Klöstern während der Franzosenzeit wahrscheinlich aus Mariawald erworben. Neben ihrem eigentlichen Zweck als Ort der Liturgie dient die Kirche dank ihrer guten Akustik und ihres angenehmen Ambientes häufig als Veranstaltungsort für anspruchsvolle Konzerte.

Die Evangelische Kirchengemeinde Monschauer Land ist am Neujahrstag 2011 aus den Kirchengemeinden Monschau und Roetgen hervorgegangen. Sie umfasst nahezu den gesamten Bereich des ehemaligen Kreises Monschau. Ihr gehören rund 4400 Mitglieder an.