Rott: Glaube, Probleme und soziale Fragen bei der Wallfahrt in Rott

Rott : Glaube, Probleme und soziale Fragen bei der Wallfahrt in Rott

Rund 60 Pilger versammelten sich vergangenen Samstag am Parkplatz an der Hahnerstraße, um die diesjährige Friedenswallfahrt der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) zum Friedenskreuz in Rott zu begehen. Bereits zum 65. Mal fand diese mittlerweile zur Tradition gewordene Zusammenkunft statt, die sich kalendarisch am Beginn der Quirinus-Oktav orientiert.

Unter dem Leitwort „Dein Reich komme“ hatte der KAB-Diözesanpräses Ralf Linnartz drei Stationen auf dem Kreuzweg eingerichtet, die sich alle mit den Themen soziale Gerechtigkeit beschäftigen. Die KAB, die sich laut Linnartz für „die Verlierer der Gesellschaft, die Würde des Menschen und Frieden in der Welt“ einsetzt, blicke in diesen Tagen besorgt nach Chemnitz, wo die Aufmärsche von Rechtsradikalen nicht enden wollen: „Der Begriff ‚Gutmensch‘ ist richtig verhunzt heutzutage. Wir alle hier sind stolz, ‚Gutmenschen‘ zu sein. Wir sind das Gegenteil von Pediga und AfD. Wir wollen Solidarität, Gerechtigkeit und Frieden für jeden.“

Pünktlich um 10.30 Uhr eröffnete Linnartz die Wallfahrt und verlas zunächst ein Grußwort des Aachener Bischofs Helmut Dieser, der sich für die „Lust und den Mut“ der Pilger bedankte, sich mit meist komplizierten Themen zu beschäftigen: „Frieden kann nur da wachsen, wo der Boden der Gerechtigkeit bereits besteht“, resümierte der Bischof.

An der ersten Station, die nach wenigen Minuten Fußweg erreicht werden konnte, drehte sich alles um das Thema Armut und menschenunwürdigen Wohnraum. Am Beispiel eines stark heruntergekommenen Wohnhauses in Heinsberg-Oberbruch beteten die Pilger dort zusammen und fragten sich: „Was macht das mit mir?“

Die zweite Station beschäftige sich mit den Zuständen in der Fleischindustrie und den Fragen „Welches Fleisch kommt in meinen Einkaufskorb?“ und „Wie wird geschlachtet?“. Auch hier beteten die Wallfahrtspilger gemeinsam und sangen „Selig seid ihr“.

Die letzte Station beschäftigte sich mit dem Thema Altenpflege und dem Pflegepersonal, das zahlreich ihre Heimat in Osteuropa verlässt, um in Deutschland pflegebedürftige Menschen zu betreuen. Die Fragen zum Nachdenken zu diesem Thema waren vielfältig. „Kenne ich solche Pflegekräfte?“ oder „Wie wollen wir in Zukunft leben?“ waren zwei von ihnen. Ein Gottesdienst, ein gemeinsames Mittagessen und ein Kreuzweg rundeten den feierlichen Tag ab. Für Ralf Linnartz steht fest: „Dein Reich komme bedeutet auch „Gutes Leben für alle“. Deshalb wollen wir auch „Gutes Leben für alle Menschen in der einen Welt“.

(kfr)
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