Nordeifel: Glasfaserausbau: Vielen sind 50 Mbit/s nicht mehr genug

Nordeifel: Glasfaserausbau: Vielen sind 50 Mbit/s nicht mehr genug

Wenn sich Privatleute für ein Unternehmen unentgeltlich engagieren, Überzeugungsarbeit leisten und Werbung betreiben, ist das sicher nicht alltäglich. Momentan gibt es aber in der Nordeifel eine Reihe von Privatpersonen, die genau das tun.

Sie machen sich für den Internetausbau durch die Deutsche Glasfaser GmbH stark und wollen möglichst viele Bürger dazu bewegen, einen Vertrag mit dem Unternehmen zu unterzeichnen, das seit einigen Wochen in den Gemeinden Roetgen und Simmerath massiv Werbung betreibt.

Wenn bis zum Stichtag 1. Juli 2017 mindestens 40 Prozent der Haushalte einen Vertrag unterzeichnen sollten, will das Unternehmen ohne zusätzliche Fördergelder ein eigenes Glasfasernetz aufbauen, bei dem die Anschlüsse direkt bis in die Wohnung verlegt werden (Fiber to the home).

Viele emotionale Betrachtungen

Einer, der sich für den Internetausbau durch die Deutsche Glasfaser stark macht, ist Willi Stratmann aus Roetgen. Bei diesem Thema gebe es viele emotionale Betrachtungen desselben Sachverhaltes, schreibt der IT-Unternehmer auf seiner Internetseite www.scas.de.

Die einen würden glauben, bereits über schnelles Internet zu verfügen und würden nun befürchten, dass die Bauarbeiten zu unzumutbaren Beeinträchtigungen führen würden, oder dass die neue Technik einfach viel zu teuer sei. Die anderen würden glauben, dass sie ohne einen Glasfaseranschluss von zukünftigen Entwicklungen abgeschnitten seien, schreibt Stratmann und wagt den Versuch einer sachlichen Einordnung.

In diesem Zusammenhang listet er auf, wie sich die an seinem Anschluss verfügbare Geschwindigkeit von 1999 bis heute entwickelt hat und stellt die unterschiedliche Technik der Telekom und der Deutschen Glasfaser sowie die damit verbundenen Kosten für den Kunden gegenüber.

Seine Motivation sei dabei eher privater Natur, sagt Stratmann. Er ist sich sicher, in jedem Fall ein gutes Geschäft zu machen. „Selbst wenn ich den Anschluss nicht nutze, mache ich kurzfristig einen Gewinn, der nicht mal an der Börse zu erzielen ist. Der Wert meines Hauses würde durch einen Glasfaseranschluss laut der Sparkasse Heinsberg um rund 3000 Euro steigen“, sagt er.

Außerdem ist der IT-Unternehmer überzeugt, dass die Datenmenge weiter massiv zunehmen wird und dass bei Kupferkabeln „das Ende der Fahnenstange mehr oder weniger erreicht“ sei. Zudem würde er gerne von deutlich höheren Geschwindigkeiten auch in Senderichtung profitieren. Nicht zuletzt auch mit Blick auf das Telefonieren. Bei mehreren seiner Kunden in Roetgen sei das Telefonieren inzwischen nur noch über einen Internetanschluss möglich.

„Es gibt viele, die sagen, fünf MBit/s reichen mir aus. Das reicht dann aber eben nicht mehr. Egal was die Theorie besagt, die Praxis zeigt, dass man vieles erwarten kann, zum Beispiel Knacken, Rauschen oder fehlende Worte, aber kein ordentliches Telefonat. Viele, insbesondere Ältere, sehen nicht, was da auf sie zukommt“, sagt Stratmann.

Er ist auch Mitglied einer Arbeitsgruppe, die in der 26. Kalenderwoche in Roetgen einen Stammtisch organisieren will, um Interessenten Fragen rund um die Technik zu beantworten können. Den genauen Termin wird er auch auf seiner Internetseite veröffentlichen.

Auch Hartmut Menzerath aus Mützenich will auf seiner Internetseite www.glasfaser-eifel.de Informationen zum Glasfaserausbau in der Eifel bereitstellen. Er ist staatlich geprüfter Elektrotechniker und arbeitet seit über 25 Jahren im IT-Bereich, davon circa 20 Jahre beim Land NRW. Seit ungefähr zehn Jahren ist er schwerpunktmäßig im Bereich der Netzwerktechnik tätig.

Er gibt auf seiner Internetseite einen Überblick über die Technik und versucht Fragen zu beantworten. „Viele im Dorf engagieren sich ehrenamtlich in den verschiedensten Bereichen, zum Beispiel in Vereinen, der Kirche oder für das Allgemeinwohl. Davon konnte ich auch schon oft profitieren. Jetzt will ich der Dorfgemeinschaft auch mal etwas zurückgeben.

Ich bin überzeugt, dass die ländliche Region ohne zukunftsweisenden Ausbau der Internet-Infrastruktur auf Dauer keinen Bestand haben wird. Ich möchte versuchen, möglichst viele Bewohner durch meine Fachkenntnis und jahrelange Erfahrung von der Notwendigkeit des Glasfaserausbau hier bei uns in der Eifel zu überzeugen“, schreibt er auf seiner Internetseite.

Eine Gruppe junger Leute hat in dem sozialen Netzwerk Facebook eine Gruppe mit dem Namen „Glasfaser für die Gemeinde Simmerath“ gegründet, um älteren Menschen bei Fragen zum Thema Glasfaser mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. „Die Idee, diese Gruppe zu gründen, entstand kurz nach der Infoveranstaltung der Deutschen Glasfaser in Eicherscheid.

Wir, also die junge Generation, benötigen auch eine mehrheitliche Zustimmung der etwas älteren Generation, um die Gemeinde Simmerath in eine starke digitale Zukunft zu bringen. Nicht alle sind aber so fit, mit der Konfiguration ihrer Router, Telefon-Anlagen, DLAN, WLAN und sonstigen Schnittstellen hinter dem Route zurechtzukommen. Viele haben Angst, dass gar nichts mehr läuft. Und da kommen wir ins Spiel. Wir bieten Unterstützung bei solchen Problemen. Gerne kommen wir zu Interessierten nach Hause und helfen bei der Einrichtung ihrer Hardware. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Genauer gesagt, 40 Prozent der Haushalte müssen einen Vertrag abschließen“, erklärt Jannik Zimmer aus Eicherscheid.

Zurück in die Heimat

„Als Informatiker und aktuell Nutznießer von Bandbreiten jenseits der 100 Mbit/s in Aachen weiß ich, wie enorm wichtig ein zeitgemäßer Internet-Zugang heutzutage ist. Insbesondere spielt die Geschwindigkeit beim Upload, auch dank Cloud-Speichern, HD-Video-Telefonie und Home-Office eine immer größer werdende Rolle und lässt sich durch die bisherige Kupfer-Technik kaum abbilden.

Wenn es in wenigen Jahren wieder zurück in die Heimat nach Eicherscheid geht, ist mir sehr daran gelegen, dass die kommenden Generationen in technischer Hinsicht nicht das Nachsehen haben werden. Auch gibt es immer noch eine Vielzahl von Familien, die nicht in den Genuss von 50 MBit/s kommen können, oder sich gar mit sechs MBit/s und weniger zufrieden geben müssen. Denen ist mangels Alternative nicht damit geholfen, zu argumentieren, dass für einen selbst die 50 MBit/s ja ausreichend seien.

Vielmehr sind diese Haushalte abhängig von der Entwicklung des ganzen Ortes. Da leiste ich dann gerne Überzeugungsarbeit oder biete meine Unterstützung bei technischen Fragen oder im Nachgang bei der Einrichtung der Endgeräte an“, sagt Michael Rüttgers über seine Motivation, bei dieser Gruppe mitzumachen.

Immer rasantere Entwicklung

„In der Zeit, in der ich lebe, wird im Hinblick auf die Zukunft alles digital. Nicht nur teilweise, sondern egal wohin man sieht, alles ist vernetzt und mit dem Internet verbunden. Dann hat man noch Geschwister, die entweder auf Netflix rumhängen oder aber die Spielkonsole anwerfen, dies alles verbraucht enorme Bandbreite“, sagt Max Klein aus Kesternich.

„Das Internet wird ein immer wichtigerer Bestandteil unseres Lebens. Heute läuft schon viel über das digitale Netz und es wird immer mehr. In Schulen werden die Lernmedien online gestellt, viele nutzen Streaming-Dienste oder Internetfernsehen, Cloud-Dienste werden immer beliebter. Alleine in den letzten 20 Jahren hat sich die benötigte Bandbreite um den Faktor 900 erhöht.

In wenigen Jahren werden wir auch mit den nun fast überall verfügbaren 50 MBit/s nicht mehr auskommen, da die digitale Welt sich immer rasanter entwickelt und immer mehr ins Internet ausgelagert wird. Von daher gilt es jetzt zu handeln“, erklärt Stefan Jansen aus Eicherscheid seine Beweggründe, bei dieser Gruppe mitzumachen.

André Bohnen aus Huppenbroich sagt, er höre oft, dass die momentan verfügbare Geschwindigkeit ausreiche. „Meine Motivation ist es, genau dies den Menschen klar zu machen, dass wenn wir diese einmalige Chance ungenutzt verstreichen lassen, wir uns nicht gegen die Deutsche Glasfaser entscheiden, sondern gegen unsere digitale Zukunft. Welcher Mitbewerber sollte dann in den nächsten Jahren irgendetwas an der jetzigen Situation ändern?“, sagt er.

Ein weiterer Mitstreiter ist Marvin Schmitz aus Kesternich. „Ich bin mir sicher, dass unsere jetzige Internetleitung in wenigen Jahren nicht mal mehr den Anforderungen im privaten Bereich standhalten können wird. Dazu kommt, dass ich beruflich auf eine schnelle Leitung angewiesen bin. Gerade in der Industrie ist der Fortschritt der Technik noch schneller und vor allem wichtiger. Die Eifel wird für viele Berufe also immer unattraktiver. Und deshalb setze ich mich für Glasfaser ein“, erklärt er.

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