Roetgen: Geschichtsverein erinnert an Bedeutung des Meilensteins in Roetgen

Roetgen : Geschichtsverein erinnert an Bedeutung des Meilensteins in Roetgen

Die Aktivisten des Heimat- und Geschichtsvereins Roetgen (HeuGeVe) versammelten sich am Samstagnachmittag am Roetgener Meilenstein zu einer „Geschichtsstunde“: Das wohlbekannte Denkmal am Südeingang von Roetgen wurde nämlich in diesem Jahr 200 Jahre alt.

Auch der Bürgermeister der Gemeinde Roetgen, Jorma Klauss, war erschienen. Mitglied Manfred Proppert war schon etwas früher gekommen; er befreite die beiden zugewachsenen Sitzbänke des preußischen Relikts von Gestrüpp und entfernte auch das üppig wachsende Unkraut vor dem Denkmal, so dass es wieder in Gänze sichtbar wurde.

Rolf Wilden erzählte dann etwas aus der Geschichte des steinernen Zeugen aus der Vergangenheit: Aufgestellt wurde er von den Preußen sehr wahrscheinlich im Frühjahr 1818, nachdem sie beschlossen hatten, die von den Franzosen unter Napoleon angefangene Straße von Aachen über Trier nach Metz als Bezirksstraße von Aachen nach Trier, die Aachen-Trierer Landstraße, fertigzubauen. Das wurde denn auch 1818 mit der Fertigstellung des letzten Bauabschnitts von Kornelimünster bis Roetgen vollendet.

Nullpunkt auf Aachener Markt

Ausgehend vom „Nullpunkt“ der neuen Straße am Aachener Karlsbrunnen auf dem Markt setzte man Meilensteine entlang der Strecke in Brand, Friesenrath, Roetgen und Konzen; der letzte Meilenstein, eine „Glocke“ als Einhalb-Meilenstein, stand in Monschau. Diese Steine sind übrigens alle noch erhalten, was eine Besonderheit in Deutschland ist. Neben den Ein-Meilensteinen und den Einhalb-Meilensteinen wurden auch noch Viertel-Meilensteine (kleine „Glocken“) gesetzt; diese stehen heute meist nicht mehr am Straßenrand. Häufig wurden sie von den Bauhöfen entfernt, eingelagert oder an anderen Stellen wieder aufgestellt.

Ein interessantes Detail in der Geschichte der Meilensteine ist ihre Versetzung an der Trierer Straße im ehemaligen Kreis Montjoie; wann das genau geschah, ist bis jetzt nicht bekannt. Sowohl in Roetgen als auch in Konzen wird berichtet und ist belegt, dass die Steine irgendwann um 450 Meter nach Süden versetzt wurden; die Entfernung von ihrem Nullpunkt wurde also um diese 450 Meter erhöht. Bisher konnte sich niemand erklären, warum das geschehen ist.

Aus historischen Unterlagen ist allerdings bekannt, dass die preußische Bezirksregierung in Aachen nach 1841 den Ursprung ihrer Bezirksstraßen vom Karlsbrunnen an die Einmündung in die Staatsstraße 1. Ordnung, Köln-Lüttich, verlegte. Das führte zu einer neuen Abstandsberechnung, mit der Folge, dass man die Meilensteine versetzen musste.

Kein praktischer Zweck mehr

Wenn man heute die Meilensteine mit dem Auto abfährt, so kann man feststellen, dass die Steine im alten Kreis Aachen nicht versetzt wurden. Vielleicht waren die „Monschäuer“ damals doch viel preußischer, als wir gedacht haben. Das Längenmaß Meile (= 7,53 Kilometer) wurde von den Preußen als „Magdeburger Maß“ 1815 im Rheinland eingeführt, aber bereits 1869 durch die Einführung des metrischen Systems wieder abgeschafft.

Die Meile und das zugehörige Duodezimalsystem waren also nur etwa 50 Jahre lang das „Maß aller Dinge“, danach galt auf den Straßen der Kilometer (km) als Abstandsangabe. Heute sind die Meilensteine Denkmäler und nur noch die Symbole der vergangenen preußischen Staatsmacht, einen praktischen Zweck erfüllen sie nicht mehr.