Geschichten und Anekdoten aus der Eifel

„Eifel – Um vier am Haller!“ : 31 Eifeler Episoden von Ingrid Retterath

Geschichten und Anekdoten aus der Eifel unter die Leute zu bringen, ist nicht nur die Sache von einigen Eifelkabarettisten. Auch die Autorin Ingrid Retterath, die in Hürth bei Köln lebt und deren kreativer Schwerpunkt eigentlich die Publikation von regionalen und überregionalen Reiseführern ist, hat pünktlich zum Bücherherbst jetzt im Wartberg-Verlag eine Sammlung von 31 kurzen Episoden aus der Eifel herausgegeben.

„Eifel – Um vier am Haller!“ lautet der Titel des im Retro-Look gestalteten Bändchens, das mit einer Reihe von schwarz-weiß Fotos aus dem Familienalbum angereichert ist. Warum die Monschauer Burgruine namens Haller allerdings auf den Titel gehoben wird, erschließt sich dem Leser nicht; selbst eine hübsche Anekdote, die davon erzählt, wie Senfmüller Guido Breuer in Monschau in den 1990er Jahren dem damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog die Schau stahl, stellt keine Bezug zum Monschauer Wahrzeichen dar.

Ingrid Retterath spannt den Eifelbogen sehr weit, denn die von ihr in Gesprächen mit Zeitzeugen nach mündlicher Überlieferung aufgegriffenen Begebenheiten trugen sich zwischen Nord- und Moseleifel zu.

Die Autorin erinnert an die gern zitierte „gute alte Zeit“, denn die Geschichten spielen überwiegend in der Nachkriegszeit und während der Wirtschaftswunderjahre. Die Eifel, mit ihren oft bäuerlich geprägten Dorfstrukturen, bildet natürlich reichlich Stoff für Anekdoten, aber auch nachdenkliche Episoden und Ereignisse, die nicht unbedingt im Blickpunkt der Öffentlichkeit standen, aber den Charakter der Eifel widerspiegeln.

Warum die Pfarrkirche in Schmidt den Beinamen St. Mokka trägt, muss man in der Nordeifel nicht erzählen, aber interessant ist es allemal, noch einmal an die aufregende Zeit des Kaffeeschmuggels in den Nachkriegsjahren zu erinnern. In weiteren Episoden geht es um Kindheitserlebnisse in der tief katholischen Eifel, um eine Sau in der Schubkarre, Kanufahren auf der Rur und das Tanzvergnügen im Dorfsaal am Samstagabend.

Eine Anekdote ist dem Vater des Eifelkrimis, Jacques Berndorf, gewidmet, und auch die Geschichte der zwischen Einruhr und Erkensruhr verkehrenden Postkutsche, die 2013 ihren Betrieb einstellte, lebt wieder auf. Der Eifeler Leser wird sich, seine Mentalität und viele Kindheitserinnerungen in der Geschichten- und Anekdotensammlung wiederfinden, und so mancher könnte diese Sammlung bestimmt noch um viele weitere eigene originelle Erlebnisse und Erinnerungen bereichern.

(P.St.)
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