Musikalische Früherziehung: Gesangspädagogin Franziska Förster will Eifel zum Singen bringen

Musikalische Früherziehung : Gesangspädagogin Franziska Förster will Eifel zum Singen bringen

Zarter Kindergesang dringt aus dem „Schustich Huus“ in die milde Herbstluft. In dem über 250 Jahre alten Eifelhaus an der Rohrener Retzstraße haben es sich in einem freundlich gestalteten Raum Kleinkinder und Eltern gemütlich gemacht. Alle singen und tanzen nach Herzenslust, aber mit Struktur. Seit März 2017 bietet die Diplomsängerin und Diplomgesangspädagogin in ihren eigenen vier Wänden musikalische Früherziehung an.

Dieses Angebot klingt zunächst einmal nicht außergewöhnlich, aber die Zielgruppe von Franziska Förster sind Kleinkinder im Alter von sechs Monaten bis zu drei Jahren, und mit diesem Angebot schließt sie offenbar eine Bedarfslücke. Im Dorf und mittlerweile auch darüber hinaus findet sie viel Anklang. Vier Gruppen begleitet sie inzwischen, die je nach Altersgruppe bei den „Musikkäfern“, den „Musikbienen“ oder den „Musikmäusen“ eingestuft werden. Die Eltern loben das Angebot in den höchsten Tönen.

Als Gesangspädagogin weiß sie um die weitreichende Wirkung von Musik: die Sopranistin Franziska Förster aus Rohren.

Angebot wird Selbstläufer

Seit einem Jahr lebt Franziska Förster, die eigentlich aus Sachsen-Anhalt stammt, in Rohren. Sieben Jahre verbrachte sie berufsbedingt gemeinsam mit ihrem Ehemann Nico in Lüdenscheid, doch dann zog es den Ehemann wieder zurück in seinen Heimatort. Es dauerte nicht lange, da kamen die ersten Eltern aus Rohren auf die Musikerin zu und regten die Bildung einer musikalischen Früherziehungsgruppe für ihren Nachwuchs an. „Nach nur zwei Wochen bestand die Gruppe schon aus elf Kindern“, berichtet Franziska Förster, die seit elf Jahren musikalisch mit Kindern arbeitet. Schon bald wurde das neue Angebot zum Selbstläufer. Auch aus den Nachbarorten stießen weitere Teilnehmer hinzu.

Auf einem weißen Teppich verteilt sitzen Mütter, Kinder und die Gruppenleiterin, und dass alle viel Spaß haben, ist greifbar. Denn es geht nicht nur allein ums Singen. Koordination, Motorik und Körperwahrnehmung spielen ebenso eine wichtige Rolle. „Es ist faszinierend zu beobachten, wie die Kinder plötzlich aus ihrem eigenem Gefühl heraus zu tanzen beginnen“, beschreibt die Gesangspädagogin die ganzheitliche Note ihrer Kurse.

Klanghölzer, Klangbausteine, Rasseln und Trommeln gehören ebenfalls zu der etwas anderen Gesangsstunde, und Franziska Förster weiß aus ihrer 20-jährigen Erfahrung als Gesangspädagogin, unter anderem an verschiedenen Unis, „dass Musik bei jedem Kind ankommt“.

Spaß spielt erste Geige

Über die Musik erlernen die Kinder wie von selbst Taktgefühl und stimmliche Förderung, denn unnatürlicherweise würden viele Kinder heute viel zu tief singen, weil der Gesang häufig aus dem Alltag verschwunden sei. Und nicht zuletzt diene der Gesang auch der Sprachförderung.

Kaum einmal muss die Gruppenleiterin ordnend eingreifen, die Kinder sind ganz in ihrem Element und voll bei der Sache, denn der Spaßfaktor spielt die erste Geige bei der musikalischen Früherziehung. Dass ein Mensch nicht singen kann, wie der eine oder andere schnell geneigt ist zu sagen, lässt die Sopranistin nicht gelten. „Solange man sprechen kann, kann man auch singen“, ist ihre Überzeugung. Es treffe zwar zu, „dass nicht jeder gleich gut singen kann“, aber vieles sei nur „eine Frage der Übung“.

Wenn Franziska Förster nicht gerade dem Nachwuchs die ersten musikalischen Schritte beibringt, dann steht sie selbst auf der Bühne. Gemeinsam mit dem Gitarristen Andreas Koch veranstaltet sie Lieder- und Operettenabende. Ihre restlose Begeisterung für die Musik möchte sie am liebsten auf die gesamte Region übertragen. „Ich möchte die Eifel zum Singen bringen“, lautet ihr Wunsch. Ein weiterer Schritt dazu ist die bevorstehende Gründung eines Kinderchores in Rohren (s. Box).

(P. St.)
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