Themen
Die Eifeler Altgriechen

Gemeinsam vergangene Kulturen entdecken

Wolfgang Litt (re.) bietet für die Volkshochschule in der Nordeifel seit elf Jahren einen Kursus in Altgriechisch an. Dabei geht es nicht nur um die alte Sprache, sondern auch um die Kultur ihrer Zeit. FOTO: Andreas Litt

Nordeifel „Es ist toll, dass es immer noch Leute gibt, die sich für diese Sprache interessieren“, sagt Wolfgang Litt. Der Höfener gründete vor elf Jahren den Kurs für Altgriechisch an der Volkshochschule (VHS) im Südkreis Aachen, der seither und auch im laufenden Semester immer noch Zuspruch findet.

Litts Gründe, den Kurs damals auf die Beine zu stellen, waren vielfältig. „Durch die Vermittlung der Inhalte des antiken Griechenlands, die mir sehr viel Spaß machen, beschäftige ich mich intensiver mit der Materie, da ich dadurch verpflichtet bin, etwas zu tun.“ In Form einer Arbeitsgemeinschaft (AG) brachte Litt die altgriechische Sprache bereits Schülerinnen an einem Dürener Gymnasium näher, bevor er den Kurs in der Eifeler Erwachsenenbildung zum Leben erweckte.

Dass sich das kleine Projekt so lange halten würde, hatte Wolfgang Litt bei der Gründung nicht erwartet. „Ich dachte zu Beginn, dass es vielleicht zwei oder drei Semester, also ein oder anderthalb Jahre, geht und die Leute dann aufhören“. Doch die Teilnehmer blieben, und mittlerweile befindet sich der Kurs im elften Jahr seines Bestehens. Längst sind nicht mehr alle Teilnehmer des ersten Kurses dabei, doch dafür kamen im Laufe der Jahre neue Interessenten hinzu.

Mit der Devise „Die Sprache ist das Mittel, in die Antike einzudringen“, leitet Wolfgang Litt den Kurs. Gemeinsam mit den Schülern dringt er in die griechische Antike vor und entdeckt und erforscht dabei die Kultur und vor allem die Sprache des alten Griechenlands und seiner Hochkultur.

Im Kurs hat jeder Teilnehmer seine eigenen Gründe, sich auf dieses Abenteuer einzulassen. Ein VHS-Schüler wählte den Altgriechisch-Kurs, da die eigene Tochter in der Schule Altgriechisch lernte; mittlerweile ist die Tochter selbst dabei, wenn Wolfgang Litt zum Kurs ruft. Für andere Teilnehmer bietet das altsprachliche Angebot die Möglichkeit, die altgriechische Sprache lange nach der Schulzeit noch einmal zu erleben oder das autodidaktisch erlernte Wissen auf Richtigkeit zu überprüfen.

Alle Teilnehmer des Kurses eint eine große Beständigkeit. Diese Treue zur alten Sprache hilft dem Kurs fortzubestehen und so das VHS-Angebot zu bereichern.

Trotz der Extravaganz des Angebotes gibt es immer wieder neue Interessierte und teilweise auch Gruppen von Altgriechisch-Anhängern, die gemeinsam anfangen wollen und sich dann einen neuen, eigenen Kurs wünschen. Diesem Anliegen kann Wolfgang Litt jedoch nicht nachgehen, denn für einen zweiten Kurs reicht einfach seine Zeit nicht aus. Dafür kümmern sich Wolfgang Litt und der Kurs gemeinsam um die Neueinsteiger. So wiederholen sie gemeinsam die Grammatik und viele Vokabeln, die für das Lesen der Texte essenziell sind. Dadurch profitieren nicht nur die Neulinge von der Wiederholung und können direkt voll mit einsteigen, auch den „alten Hasen“ ist es möglich, ihr Wissen zu repetieren.

Das Buch „Kairos“ bereitete dem Kurs zusammen mit dem dazugehörigen Übungsheft einen einfachen Einstieg in die unbekannte Materie. Nachdem Wolfgang Litt und seine Schüler dieses griechische Unterrichtswerk durchgearbeitet hatten, wandte man sich Originaltexten zu. Da kam es recht gelegen, dass das Neue Testament der Bibel im Original auf Altgriechisch verfasst ist und so reichlich Material bietet. In ihrer Zeit mit der Bibel lasen die Teilnehmer unter anderem aus dem Lukasevangelium. Durch den Aufbau und die Funktion der Bibel sind dort passende Stellen und Texte für viele Situationen und Festtage im Jahresreigen vorhanden. Das ermöglichte dem Kurs, zur Jahreszeit passendes Material zu studieren. Besonders gut möglich war dies zur Weihnachtszeit, als sich der Kurs die Weihnachtsgeschichte aus dem Lukas-Evangelium vornahm.

Nachdem der Kurs sich zuvor einige spannende Bibelstellen zu Gemüt geführt hatte, nimmt man sich zurzeit eine der Größen des antiken Griechenlands vor. Obwohl Sokrates keine eigenen Schriften hinterlassen hat, gibt es viele Aufzeichnungen von seinem Schüler Platon über ihn. Er verfasste diese Aufzeichnungen meist in dialogischer Form. Diese Dialoge des Sokrates erzählen von Begebenheiten im Leben des bekannten Philosophen.

Wie verläuft eine Stunde des Altgriechisch-Kurses? In der Regel treffen die Teilnehmer des Kurses pünktlich im Vennhof in Roetgen ein und steigen nach der Begrüßung durch Wolfgang Litt sofort in die Materie ein. An diesem Abend steht ein Satz des persischen Großkönigskönigs Xerxes auf dem Programm. Wolfgang Litt hatte diesen zuvor per Mail an die Teilnehmer des VHS-Kurses geschickt und gab ihnen so die Möglichkeit, sich daran zu versuchen. Die meisten Teilnehmer nahmen diese Herausforderung an. Manche kamen der richtigen Lösung des Satzes schon ziemlich nah.

An diesem Mittwoch wird der Satz zunächst an die Tafel geschrieben, wie in der Schule. Erst dann macht man sich an die Übersetzung, Wort für Wort. Jedes Detail zählt und ist für die Übersetzung wichtig. „Jeder Autor hat eine bestimmte Schreibweise“, erzählt Wolfgang Litt, „Sokrates oder Platon unterscheiden sich stark von jemandem wie Herodot. Die Schriftgelehrten schreiben natürlich alle in der Sprache ihrer Zeit und Region.“ Für diese kleinen Details haben die Gäste des Kurses ebenfalls über die Jahre ein Auge entwickelt – und wenn nicht, dann weißt Wolfgang Litt sie daraufhin. Denn ohne solche Information ist in einigen Fällen die Übersetzung nicht machbar.

Der Kursleiter vermittelt allerdings in seinem Kurs nicht nur sprachliche und sprach-historische Informationen, auch allgemeines historisches Wissen, Fakten und Anekdoten finden ihren Weg in den Unterricht, um den Text und das Gesprochene besser zu verstehen. Gemeinsam wird sich dann über die antiken Ereignisse und ihre Auswirkungen unterhalten, und man sammelt alternativ Vorschläge für die handelnden Personen. Das Ziel des Unterrichts, nämlich den Satz aus dem Altgriechischen ins Deutsche zu übersetzen und zu verstehen, verändert sich dabei nicht.

Der Volkshochschulkurs kann sich also jeden zweiten Mittwoch um 20 Uhr im Vennhof in Roetgen auf interessante und anspruchsvolle Lektüren freuen. Geeignete Texte und Lektüren der antiken Hochkultur dürften Wolfgang Litt so schnell wohl nicht ausgehen, „denn davon haben uns die alten Griechen ja mehr als genug hinterlassen“, sagt der Lehrer lachend.

Neben dem Lesen und Lernen gehört allerdings auch eine gesellige Komponente zum Kurs mit Teilnehmern zwischen 20 und 60 Jahren. So werden gemeinsame Exkursionen und Ausflüge zu Vorlesungen über passende Themen unternommen, bei denen die Kursteilnehmer, aber auch Wolfgang Litt viel Neues über die europäische Kultur erfahren. Der Stoff wird den Eifeler Altgriechen also so schnell nicht ausgehen.

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