Archiv rückt in den Blickpunkt: Gemeindearchiv in Simmerath sucht eine neue Bleibe

Archiv rückt in den Blickpunkt : Gemeindearchiv in Simmerath sucht eine neue Bleibe

Ein eher unspektakuläres Dasein ist dem Archiv der Gemeinde Simmerath beschieden, sieht man einmal davon ab, dass sich vor Jahren hier einmal eine Maus einnistete, die an den Akten knabberte, aber dann erfolgreich bejagt wurde.

Jetzt aber rückt das in den Räumen der Sekundarschule Simmerath untergebrachte Gemeindearchiv zwangsweise in den Blickpunkt, weil die Schule Eigenbedarf für den Klassenraum angemeldet hat und nun kurzfristig ein neuer Standort für die fein säuberlich abgelegten Papierberge gefunden werden muss.

An einigen alten Beständen im Gemeindearchiv hat bereits deutlich sichtbar der Zahn der Zeit genagt. Deshalb ist eine fachgerechte Lagerung der Unterlagen unverzichtbar. Foto: Stollenwerk

Herr über Akten und Unterlagen ist Archivar Dr. Bernd Läufer, der erstmals im Jahr 1987 damit begann, Ordnung und System in die unüberschaubare Masse der Aktenordner zu bringen, um diese vor Beschädigungen zu schützen. Zwei Jahr später zog das Gemeindearchiv dann mit der Unterstützung und dem Know-how der Fachleute des Landschaftsverbandes Rheinland in die Räume der damaligen Hauptschule um. Im Jahr 2000 übernahm Bernd Läufer dauerhaft die Pflege und Strukturierung des Gemeindearchivs. Der 59-jährige Literaturwissenschaftler aus Lammersdorf führte die Arbeit seiner Vorgänger fort und baute neue Bestände auf.

Die geschichtliche Bedeutung des Archivs für die Gemeinde Simmerath ist vor allem ab dem Jahr 1945 groß, da seit dem Jahr, als der Krieg endete, der Bestand recht lückenlos ist. Das gilt leider nicht für die Jahre davor, denn im Zuge der Evakuierung in der Endphase des Zweiten Weltkrieges im Jahr 1944 ging der Großteil der Unterlagen verloren. Das ging zahlreichen Kommunen an der Westgrenze nicht anders. Zwar gelang es noch, die Aktenbestände in rechtsrheinische Kommunen zu verlagern, „doch leider kam nie etwas zurück“, bedauert Bernd Läufer, der realistisch betrachtet, „null Chancen“ sieht, dass heute noch Archivmaterial auftaucht. Also gilt sein Augenmerk dem vorhandenen Bestand.

Das Simmerather Gemeindearchiv umfasst aneinandergereiht rund 240 Meter archivierte Unterlagen, 24 Meter beträgt die Länge der Gesetze und Verordnungen, und rund 75 Meter beherbergt das so genannte Zwischenarchiv. Hier lagern Unterlagen, deren Archivwürdigkeit z. T. noch nicht festgestellt wurde. Was aber ist archivwürdig, denn sämtliches in der Verwaltung produziertes Papier kann nicht aufbewahrt werden? „Es ist die Kunst des Archivierens, in der heutigen Zeit einzuschätzen, was später einmal wichtig werden könnte“, sagt Bernd Läufer, der auch das Archiv der Stadt Monschau betreut, das aber einen deutlich höheren Arbeitsumfang verlangt.

Jahre 1815 bis 1944

Vergleichsweise dürftig sind aus den oben genannten Gründen die Bestände des Gemeindearchivs Simmerath der Jahre 1815 bis 1944, sieht man einmal von der ehemaligen Bürgermeisterei Lammersdorf mit 196 Archiveinheiten (Mappen) ab. Wesentlich umfangreicher ist das Material ab 1945 mit 833 Archiveinheiten für das Amt Kesternich und 881 für das Amt Simmerath. Das Archiv der Großgemeinde Simmerath ab 1972 umfasst 3492 Archiveinheiten. Das Personenstandarchiv der Gemeinde Simmerath befindet sich nach wie vor beim Standesamt.

Die Arbeit des Archivars ist filigran und strukturiert und klar definiert. Die entsprechenden Vorgaben finden sich im NRW-Archivgesetz von 1989, dass die Kommunen verpflichtet, „für die sachgerechte Archivierung ihrer Überlieferung zu sorgen, ihr Archivgut zu sichern sowie öffentlich zugänglich zu machen“. Alle Papiere werden zunächst aus den Aktenordnern entfernt und in Kartons abgelegt. Wichtig ist es, sämtliches Metall, wie Büroklammern oder Lochverstärkungen zu entfernen, damit das rostige Material dem Papier nicht weiter zusetzen kann. Dann wandern die grauen Kartons ins aus Rollschränken bestehende Magazin.

Schwierig wird die Arbeit bei jahrhundertealten Unterlagen, bei denen deutlich sichtbar der Zerfall bereits eingesetzt hat. Diese Unterlagen lässt Bernd Läufer unberührt, um sie nicht noch mehr zu schädigen. Handschuhe sind für ihn bei Aktensichtung ohnehin obligatorisch. Eine Restaurierung, sagt Läufer, wäre nur unter enormem Aufwand möglich. Festzustellen ist auch, dass die Papiermenge stetig steigt, und nur große Kommunen gehen dazu über, ihre Archive zu digitalisieren, was aber auch wieder zum Teil heute noch nicht bekannte Risiken birgt.

Bürger kommen auf der Suche nach Unterlagen nur gelegentlich ins Simmerather Gemeindearchiv, das nur Donnerstags nachmittags zugänglich ist. Viel häufiger sind interne Anfragen aus der eigenen Verwaltung sowie Ersuche anderer Behörden, aber auch die örtlichen Heimat- und Geschichtsvereine sind hier bereits fündig geworden und konnten so manche Wissenslücke schließen.

(P. St.)
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