Städteregion/Eifel: „Gelenktes Wildniserleben“ in der Eifel

Städteregion/Eifel : „Gelenktes Wildniserleben“ in der Eifel

Wandern ist laut Bundesamt für Naturschutz der beliebteste Natursport in Deutschland. „Auch junge Leute haben das Wandern für sich entdeckt“, sagt Dominik Hosters. „Aber Angebote für diese Zielgruppe sind in ganz Deutschland rar.“

Denn junge Leute bevorzugen das Trekking, wollen von Ort zu Ort wandern und am liebsten in der Natur übernachten. Wild zu campen aber ist in Deutschland verboten. Der Geschäftsführer vom Naturpark Eifel e.V. arbeitet daher seit dem vergangenen Jahr daran, die Eifel für Trekker attraktiv zu machen: mit sogenannten Naturlagerplätzen. Die hölzernen Podeste haben Platz für zwei Zelte, ein einfaches Toilettenhäuschen steht in der Nähe.

Vier solcher Naturlagerplätze gibt es bereits in der südlichen Eifel, und zwar im Bereich von Nettersheim, Kall, Schleiden und Vogelsang. Vier weitere sollen in der Städteregion installiert werden, je einer im Bereich von Stolberg, Roetgen, Monschau und Simmerath. Mit dem von der Europäischen Union geförderten Projekt „Trekking Netzwerk Eifel — Jung, engagiert, sucht Wanderweg“ will Hosters aber nicht nur neue Angebote für junge Wanderfans schaffen und so die Eifel noch ein Stück attraktiver machen, sondern er will auch die Nachwuchsarbeit in Wandervereinen fördern.

Der Deutsche Alpenverein und natürlich der Eifelverein sind daher mit von der Partie, ebenso der Verein outdoorseiten.net. Gemeinsam suchen sie nach innovativen Wegen, junge Leute für ehrenamtliche Mitarbeit zu gewinnen. „Junge Leute haben nicht etwa keine Lust, sich zu engagieren. Sie engagieren sich auf eine andere Art, eher in Projekten“, sagt Hosters.

Und dem will man Rechnung tragen und beispielsweise versuchen, junge Menschen für die Idee zu begeistern, einen Trekkingweg, der alle Naturlagerplätze verbindet, zu konzipieren, zu installieren und zu betreuen. In einem ersten Schritt sollen dafür mindestens 30 Multiplikatoren geschult und ein „Trekking-Netzwerk“ aufgebaut werden. „Wichtig ist, Betreuungsstrukturen vor Ort zu entwickeln, damit die Leute dabei bleiben“, betont der Naturpark-Geschäftsführer.

Zehn Euro pro Zelt

Und wie funktioniert das Trekking in der Eifel? Spontan losziehen und sein Zelt auf einem Naturlagerplatz aufschlagen, das geht nicht. Man muss sich schon vorab anmelden und zehn Euro pro Zelt Übernachtungsgebühr zahlen. Wo die Plätze genau liegen, erfährt man dann bei der Buchung. Das Konzept kommt bei jungen Leuten offenbar an. Mehr als 70.000 Interessenten haben seit dem vergangenen Jahr die Internetseite aufgerufen. „Die Auslastung der vier Plätze liegt bei 62 Prozent“, sagt Dominik Hosters.

„Das ist ein gutes, aber auch sehr deutsches Konzept“, stellte Werner Krickel von den Grünen im städteregionalen Tourismusausschuss mit Blick auf die Anmeldepflicht fest. „Es geht aber wohl nicht anders, als eine ‚gesteuerte Wildnis‘ zu bieten.“ Er fürchtet zwar Vorbehalte der heimischen Hotelbetreiber, weil die jungen Leute kein Geld einbringen. Trotzdem: „Es ist ein gutes Konzept, auch noch gepaart mit Nachwuchsförderung für die Vereine.“

Es stimme, pflichtete ihm Georg Helg von der FDP bei, die jungen Leute gäben nicht viel Geld aus. „Aber sie erzählen von der Eifel und werben so für sie. Und vielleicht kommen sie ja später wieder.“ Und: Natürlich sei es ein „gelenktes Wildniserleben“, aber allemal besser für die Natur als wildes Campen. Deshalb sollte man das „unbedingt fördern“. Dem stimmten auch Marika Jungblut von den Linken, Janine Kösters von der SPD, Leo Ponzen für die CDU und Margot Vallot für die Piraten zu.

16.000 Euro Zuschuss

Einstimmig beschloss der Tourismusausschuss, das Trekking-Projekt mit rund 16.000 Euro zu fördern. Was Thomas König vom städteregionalen Amt für Regionalentwicklung und Europa freute, der mitteilte, dass auch die Bürgermeister der vier Kommunen, die Naturlagerplätze erhalten sollen, insgesamt 16.000 Euro Förderung zugesagt haben. Wenn auch der Städteregionsausschuss kommende Woche zustimmt, dürfte der Umsetzung des Trekking-Projektes in der Eifel nichts mehr im Wege stehen.

Und was ist mit der Anmerkung von Werner Krickel, es handle sich um ein „sehr deutsches Konzept“? Stimmt nicht, sagt Dominik Hosters, Die Idee, Naturlagerplätze zu installieren, sei schon vor 30 Jahren in den USA entwickelt worden. „Wir sind da eigentlich Nachzügler, weltweit ist das Konzept schon lange etabliert.

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