Simmerath: Geburtshilfe in der Eifelklinik gesichert

Simmerath : Geburtshilfe in der Eifelklinik gesichert

Selten waren sich ein Krankenhaus, Vertreter der Politik und die gesammelte Bevölkerung so einig: Die Geburtsmedizin in Simmerath muss erhalten bleiben! „Was noch Anfang des Monats aussichtslos schien, ist nun dank des Engagements vieler geglückt — die Geburtshilfe in der Eifelklinik St. Brigida bleibt bestehen!“ teilte Leonie Ottmer, Pressesprecherin des Krankenhaus-Trägers Artemed am Samstagvormittag mit.

Am Freitag und Samstag seien alle Verträge unterzeichnet und Verfügbarkeiten fest zugesagt worden, um auch für Juli einen lückenlosen Hebammen-Dienstplan vorlegen zu können. Weiter heißt es in der Pressemeldung der Eifelklinik:

Ein sehr variables, aber dennoch stringentes und tragfähiges Konzept hat die Eifelklinik den Hebammen vorgestellt, die sich eine Mitarbeit in der Simmerather Geburtshilfe vorstellen konnten. Insgesamt 13 Geburtshelferinnen wurden nun mit genauen Verfügbarkeiten vertraglich eingebunden. Der Hebammen-Dienstplan ist damit lückenlos gefüllt, Verträge sind zunächst für die Monate Juli bis September unterzeichnet.

Denn aufgrund der extremen Kurzfristigkeit — gesichert waren bisher nur Geburten bis zum 30. Juni — hatte man für diese drei Monate beschlossen, übergangsweise teils hohe personelle und konditionelle Abweichungen vom erarbeiteten Konzept in Kauf zu nehmen. Die Hälfte der erheblichen Mehrkosten trägt die Eifelklinik, die Übernahme der verbleibenden 50 Prozent wurde durch den Simmerather Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns zugesichert.

Dieser geht aufgrund der bisher gemeinsamen Anstrengungen der fünf Nordeifeler Kommunen davon aus, dass sich neben der Gemeinde Simmerath auch die vier Kommunen Monschau, Roetgen, Hürtgenwald und Nideggen bei der kommunalen Kostenbeteiligung einbringen werden. „Zu unserem Angebot, uns auch finanziell für die Rettung der Geburtshilfe in der Eifelklinik St. Brigida einzubringen, stehen wir selbstverständlich“, erklärt Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns. Auf lange Sicht sei das sicherlich keine tragfähige Lösung, meine Hermanns, „aber wir haben überhaupt keinen Zweifel daran, dass es uns gemeinsam mit der Klinikleitung und den Hebammen gelingen wird, ab Oktober ein in sich stimmiges, tragfähiges Konzept auf die Beine zu stellen.“

Davon ist man auch in der Eifelklinik überzeugt. Auch, wenn manche der im Moment eingebundenen Hebammen nur für die kommenden Monate zur Verfügung stehen, um die Geburtshilfe akut zu unterstützen, gebe es andere, die zu einem späteren Zeitpunkt, dann aber langfristig, im Haus arbeiten möchten. „An dieser Stelle gilt unser Dankeschön allen, die uns in dieser kritischen Übergangsphase so tatkräftig und engagiert unterstützen. Das ist wirklich nicht selbstverständlich“, freut sich Geschäftsführer Dr. Benjamin Behar, der gemeinsam mit Klinikleiter Benjamin Mahlo in den vergangenen Wochen zahllose Gespräche mit Mitarbeitern, Politik, dem Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales sowie der Bezirksregierung Köln und vor allem Hebammen geführt hat.

Attraktive Konditionen

„Die Konditionen, die im Eifelklinik-Konzept vorgestellt wurden, sind im bundesweiten Vergleich extrem attraktiv, gerade angesichts der deutlich übertariflichen Vergütung. Wir sind sicher, dass hier langfristig ein stabiles Team aufgestellt werden kann“, erklärt Daniela Erdmann, 2. Vorsitzende des Landesverbands der Hebammen Nordrhein-Westfalen. Juliane Walz aus dem NRW-Gesundheitsministerium, die früher selbst als Hebamme tätig war, freut sich über die aktuelle Entwicklung. Sie beschäftigt sich als Leiterin der Projektgruppe „Strukturelle Weiterentwicklung Geburtshilfe“ mit der Erarbeitung von Handlungsempfehlungen für die Geburtshilfe: „Ich bin von dem großen Engagement aller zum Erhalt der Geburtshilfe in der Eifelregion beeindruckt.“

In der Eifelklinik freut man sich über das Lob — ist sich aber der Gemeinschaftsleistung durchaus bewusst. „Es haben in den letzten Wochen wirklich alle an einem Strang gezogen: Hebammen, Klinikleitung, Betriebsrat, Politik, Bevölkerung und nicht zuletzt alle weiteren Mitarbeiter der Abteilung, die uns trotz der großen Unsicherheit weiter treu zur Seite gestanden haben“, so Chefarzt Dr. Andreas Cousin. „Vielen Dank an Sie alle, dass Sie den Weiterbetrieb unserer Abteilung ermöglicht haben. Mir fällt ein riesiger Stein vom Herzen.“

Auf dem Erreichten ausruhen will sich in der Eifelklinik St. Brigida nun aber niemand. Dr. Benjamin Behar: „Wir haben mit den kommenden drei Monaten vor allem Zeit gewonnen. Diese gilt es jetzt zielführend zu nutzen, um die Geburtshilfe unseres Hauses auf standfeste Beine zu stellen. Schließlich sollen hier auch in Jahrzehnten noch kleine Simmerather zur Welt kommen.“

Mehr von Aachener Nachrichten