Geburtshilfe Eifelklinik Simmerath dauerhaft sicher

Eifelklinik St. Brigida: Geburtshilfe in Simmerath ist dauerhaft gesichert

Im Simmerather Krankenhaus können auch in Zukunft Kinder das Licht der Welt erblicken. Mit zwölf Geburtshelferinnen ist ab Januar die Versorgung mit Hebammen dauerhaft gesichert, wie die Klinikleitung am Donnerstag im Rahmen des Besuchs von NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann mitteilte.

Demnach gibt es in den 720 Stunden umfassenden Dienstplänen für November und Dezember zwar noch kleinere Lücken, „doch diese werden wir sicherlich noch schließen können“, sagte Klinikleiter Andreas Grbic. Seit Juni hatte das Krankenhaus immer nur monatsweise die Aufrechterhaltung der Geburtshilfe vermelden können – nun aber sollen Frauen auch dauerhaft die Entbindung in Simmerath planen können.

„Das ist eine sehr gute Nachricht für Simmerath und für die gesamte Nordeifel“, sagte Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns, der die Ereignisse der letzten Monate noch einmal Revue passieren ließ. Hermanns bekräftigte, dass er „nie einen Zweifel gehabt“ habe, dass auch die Klinikleitung zu jedem Zeitpunit eine Schließung der Geburtshilfe hatte abwenden wollen.

„Das einzige, aber massive Problem war der Mangel an Hebammen“, so Hermanns. Der Bürgermeister selbst hatte deshalb die Suche nach neuen Hebammen zur Chefsache gemacht und gemeinsam mit seinen Eifeler Bürgermeisterkollegen sowie mit Vertretern der Eifelklinik, des Hebammenverbandes und des Gesundheitsministeriums in zahlreichen Gesprächen für Simmerath geworben. „Wir haben nunmehr acht Beleghebammen und vier angestellte Geburtshelferinnen im Haus und können damit den gesetzlich geforderten Rufdienst erfüllen“, kündigte Andreas Grbic an.

Der Klinikleiter ergänzte, dass damit die Suche nach Hebammen, die das Haus vor rund einem Monat nochmals forciert hatte, „vorerst abgeschlossen“ sei, damit die zwölf vorhandenen Geburtshelferinnen auch im gewünschten Umfang auf ihre Stunden kämen.

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann vernahm die guten Nachrichten zur Geburtshilfe mit Freude, denn als „Junge vom Land“ – er stammt aus dem Kreis Steinfurt – ist dem Minister eine gute medizinische Versorgung auch der ländlichen Regionen im bevölkerungsreichsten Bundesland ein ganz besonderes Anliegen. Der 61-Jährige, der als erster Spitzenbeamter mit einem Hauptschulabschluss (10a) und ohne akademische Qualifikation zum verbeamteten Staatssekretär auf Bundesebene vereidigt wurde und seit 2017 dem Kabinett Laschet angehört, machte auch in Simmerath seine klaren Positionen zu allen Themen im Gesundheitsbereich deutlich.

Ein besonderes Anliegen ist ihm die ortsnahe Versorgung mit Allgemeinmedizinern, also Hausärzten. Monschau und Simmerath sind diesbezüglich noch gut versorgt, lediglich in Roetgen herrscht rein zahlenmäßig eine Unterversorgung. Nordrhein-Westfalen ist auf Laumanns Initiative das erste Bundesland, das deshalb eine Landarzt-Quote einführt. „In NRW gibt es noch 11.100 Hausärzte, rund 6.000 davon sind älter als 55 Jahre“, so Laumann. Jedes Jahr gehen nach Angaben des Ministers 450 Allgemeinärzte in den Ruhestand. Neu ausgebildet werden pro Jahr nur 200. Der 61-Jährige will junge Ärzte auch mit Geld aufs Land locken. Das Land zahlt Ärzten 60.000 Euro, wenn sie sich in einer Gemeinde mit bis zu 25.000 Einwohnern niederlassen. Außerdem soll die Zahl der Studienplätze für Medizin erhöht werden – von 2000 auf 2400 bis zum Jahr 2024.

Großen Handlungsbedarf sieht Laumann in der Krankenhausplanung, für die das Land NRW zuständig ist. „Sie ist so gut wie nicht vorhanden“, stellt Laumann fest. 260 Millionen Euro sollen nun zusätzlich zur Verfügung gestellt werden, um Strukturänderungen zu unterstützen. Manchmal gebe es zwei Krankenhäuser, die fast Nachbarn sind, mit ähnlichem Angebot, „und die reden nicht einmal miteinander“, schimpfte Laumann. „Das geht so nicht!“ Idealerweise entwickeln die Krankenhäuser selbst Vorschläge, wie sie künftig besser kooperieren wollen. „Ich will das gar nicht entscheiden, aber die Leute sollen wissen, dass ich es kann. In der Hoffnung, dass sie dann selber Lösungen finden.“ Wenn es um seltenere Krankheitsbilder gehe, sei eine wohnortnahe Versorgung hingegen nicht notwendig und werde von den Betroffenen auch gar nicht erwartet. „Hier brauchen wir mehr gute Spezialkliniken.“

„Feuer unterm Dach“ sieht Minister Laumann auch bei der Pflege. 53 Tage Streik der Pflegekräfte müssten ernsthaft zu denken geben. „Es ging nicht um mehr Geld, sondern um mehr Personal.“ Allerdings sei hier ein Hoffnungsschimmer, dass man derzeit mit 13 000 Menschen in einer Pflegeausbildung den höchsten Stand seit Jahren habe. „Hier ist einiges im Fluss“, so Laumann, der bei allen Missständen aber auch resümierte: „Und trotzdem haben wir in der Gesamtheit in Deutschland immer noch das beste Gesundheitssystem auf dieser Erde“, ist der 61-Jährige überzeugt.

Das Gesundheitswesen in der Städteregion Aachen ist auch ein wichtiges Thema für Tim Grüttemeier, Bürgermeister der Stadt Stolberg und CDU-Kandidat für die Nachfolge von Städteregionsrat Helmut Etschenberg. „Krankenhäuser, Hausärzte, Rettungsdienst, Geburtshilfe, Notfallpraxen und Apotheken – das sind alles Themen, die für die Bürger von enormer Wichtigkeit sind“, stellte Grüttemeier fest und möchte einen runden Tisch zu all diesen Themen für die Städteregion installieren. „Denn alle diese Themen greifen ineinander“, sagt der Venwegener. Die Bemühungen des Landes um mehr Hausärzte seien ein Schritt in die richtige Richtung, „aber wir müssen sie auch tatsächlich in unsere Region bekommen“, meinte der Kandidat. Seinen Hinweis auf eine unbefriedigende Situation auch im Bereich der Apotheken-Notdienste griff Minister Laumann auf: „Was nützt eine ortsnahe Notfallpraxis, wenn die nächste Apotheke in 30 Minuten Entfernung Notdienst hat? Das darf nicht sein“, stellte Laumann fest und dachte dabei besonders an „die Leute, die kein Auto haben“. Bei Bürgermeister Hermanns, der für den Minister am Donnerstagabend sogar seine Geburtstagsgäste warten ließ, rannte Karl-Josef Laumann damit offene Türen ein: „Erst heute Morgen war eine ältere Bürgerin bei mir und schimpfte über die unvertretbaren Fahrten zur nächsten Apotheke am Wochenende.“

Ehe der Minister dann Richtung Düsseldorf aufbrach, überzeugte er sich bei einem Rundgang noch persönlich davon, wie gut werdende Mütter auf der Station 1 des kleinen, aber feinen Simmerather Krankenhauses und in den beiden modernen Kreißsälen aufgehoben sind. Und das, so das Fazit an diesem Tag, wird auch auf längere Sicht so bleiben.

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