Gebürtiger Simmerather am Elften im Elften vorgestellt

Heiko Braun aus Simmerath ist neuer Schlagzeuger der Kölner Kultgruppe : „Mit 16 erste Höhner-Lieder getrommelt“

Einen besseren Termin hätte die Kölner Kultgruppe Höhner für die offizielle Vorstellung ihres neuen Schlagzeugers nicht wählen können: Am Elften im Elften, wenige Minuten nach dem feierlichen Karnevalscountdown um 11.11 Uhr, stand Heiko Braun gemeinsam mit Sänger Henning Krautmacher und dem im August neu eingestiegenen Gitarristen Joost Vergoossen vor laufenden WDR-Fernsehkameras und musste als „Neu-Hohn“ sein erstes TV-Interview geben.

Damit wurde endlich offiziell, was in der Kölner Musikszene die Spatzen schon seit Wochen von den Dächern pfeifen: Der gebürtige Simmerather Heiko Braun wird neuer Schlagzeuger der Kölner Höhner.

Etwas überraschend hatte Wolf Simon, der den Gründungsschlagzeuger der Höhner, Janus Fröhlich, erst 2015 abgelöst hatte, diesen Sommer seinen Ausstieg bei der Gruppe „aus persönlichen Gründen“ zum Jahresende angekündigt. Gleichwohl saß bei den Auftritten der Höhner schon im Spätherbst bisweilen ein neues Gesicht an den Drums, welches in der Szene aber keineswegs unbekannt war. Als Heiko dann aber bei Tour-Auftritten der Höhner im November immer häufiger die „Schießbude“ hinter Henning Krautmacher & Co. bediente, wurde deutlich, dass der gebürtige Eifeler bereits fest zur Kultband gehört.

Zwischen Sessionseröffnungen und dem Konzert in Lüdenscheid erwischte Redakteur Heiner Schepp den neuen Höhner-Trommler Heiko Braun für ein Interview und befragte ihn zum größten Karriereschritt in seinem Musikerleben.

Heiko, wann gab es den ersten Kontakt mit den Höhnern, und wie kam es dazu?

Heiko Braun: Ich kenne unseren Saxofonisten und Gitarristen Jens Streifling schon seit 1998, da haben wir zusammen bei Gildo Horn gespielt. Und vor vier Jahren habe ich mit Hannes Schöner und Jens Streifling bei Schöner*Streifling gespielt. So kam der Kontakt zustande.

Erstes Interview als Höhner-Drummer, aber beileibe nicht erster TV-Auftritt: Heiko Braun (li.) machte im Talk zur Sessionseröffnung vom Kölner Heumarkt eine gute Figur – vor allem später beim Live-Auftritt. Foto: WDR/Screenshot WDR

Wie ging es dann weiter, musstest Du vorspielen oder war die Band bereits durch andere Gelegenheiten von deinen Qualitäten überzeugt?

Heiko Braun: Die Jungs kannten mich natürlich schon von Tommy Engel. Aber trotzdem haben die eine Audition gemacht, und ich habe vorgespielt. Und offensichtlich überzeugt… Ich wäre natürlich noch lieber bei Toto eingestiegen, aber die hatten gerade nichts zu tun für mich … (bleibt ganz trocken … und verrät dann lachend) – kleiner Spaß!

Wie kann man sich den Eintritt in eine so namhafte Band vorstellen? Seid Ihr nach Deiner Zusage gleich in die Proben eingestiegen oder musstest Du Dir das doch sehr vielseitige Höhner-Repertoire mit Karneval, Weihnachten und Klassik zunächst selbst aneignen? Oder hat Wolf Simon Dich quasi „angelernt“?

Heiko Braun: Ich habe die Audition gemacht, und eine Woche später gab's dann die Zusage. Derweil sind die Kollegen dann aber noch mit Wolf Simon nach Kuba und in die USA geflogen. Somit hatte ich dann erst mal Zeit, mich auf die Songs vorzubereiten, die wir jetzt zunächst bei den Konzerten und zur Sessionseröffnung spielen. Die Songs für Roncalli und die Weihnachtsshow werde ich mir später reinziehen. Höhner Classic ist noch so weit weg, da hab ich mich jetzt noch nicht drauf vorbereitet. Als die Band wieder hier war, gab’s dann eine einzige Verständigungsprobe – und das war’s. Wir haben einmal geprobt, und dabei ging es mehr um das Austüfteln des Sounds, weil wir alle mit InEar (Anm. der Redaktion: Ohrhörer zur Eigenkontrolle auf der Bühne) spielen. Wir haben alle Songs ein bisschen angekratzt, und dann bin ich direkt in das Ding eingestiegen. Alles andere hab ich mir selbst angeeignet und auswendig gelernt, nix aufgeschrieben, weil ich keine Lust habe, irgendwie nach Noten zu spielen, da hängt man dann dran und kommt nicht mehr richtig weg.

Wolf hat mich nicht angelernt, hat aber netterweise sein letztes Konzert in Rees komplett mitgeschnitten, damit ich die Live-Versionen der einzelnen Stücke habe. Daran habe ich mich orientiert.

Die Höhner wurden gegründet, als Du gerade mal zwei Jahre alt warst. Wie sind Deine persönlichen Erinnerungen an diese Gruppe, wann hast Du Höhner-Musik in Deiner Erinnerung zum ersten Mal wahrgenommen?

Heiko Braun: Ich hab mit 16 Tanzmusik gemacht, und da tauchten natürlich im Repertoire auch immer wieder Lieder der Höhner auf. So habe ich viele Songs und alle alten Hits der Höhner schon in jungen Jahren getrommelt, wie Viva Colonia, Ich bin ene Räuber, Echte Fründe oder die Pizza.

Wie geht es nun weiter, wie viele Auftritte wirst Du dieses Jahr noch mit der Band bestreiten? Eigentlich sollte der Wechsel ja erst zum neuen Jahr sein.

Bereits mit zwölf Jahren wurde Heiko Braun Bundessieger im Wettbewerb „Jugend musiziert“. Den Titel als bestes Trommlertalent Deutschlands gewann er dann noch zweimal. Foto: Peter Stollenwerk

Heiko Braun: Ich bin eigentlich jetzt schon voll eingestiegen. Ich habe in den letzten Wochen bereits große Konzerte mit den Höhnern gespielt, zum Beispiel in Nürnberg, Stuttgart, Erfurt, Soest, Kornwestheim. Und dann ging es ja am Wochenende erst mal mit dem Karneval los. Danach spielen wir eine Weihnachtstournee mit 21 Auftritten. Und dann ist erst mal wieder Karneval.

Nach dem jecken Auftakt am Sonntag geht es dann Anfang 2019 mit voller Wucht in die recht lange Kölner Karnevalssession, deren Dimension Henning Krautmacher kürzlich bei Markus Lanz mit „über 200 Auftritten in zwei Monaten“ bezifferte. Da bist Du dann schon voll dabei?

Heiko Braun: Ja, da bin ich voll dabei – auch ohne Alkohol. Das sind mit November alleine rund 200 kürzere Auftritte, an manchen Tagen sogar zehn hintereinander. Insgesamt haben wir rund 150 Auftritte bzw. Auftrittstage im Jahr.

Hast Du einen persönlichen Lieblingssong im Höhner-Repertoire?

Heiko Braun: Ja, „Wann jeiht d’r Himmel widder op?“ finde ich eine sehr schöne Nummer. Die sticht für mich schon so ein bisschen raus, weil sie auch groovemäßig etwas anders am Start ist. Der Song macht Spaß zu trommeln, der Text ist sehr gut. Aber es gibt im Repertoire so viele Songs, die vielleicht nicht so bekannt, aber einfach klasse sind.

Auf Deiner Homepage www.heikobraundrums.com/ (s. Box) schilderst Du Deinen Werdegang vom ersten Plastikkinderschlagzeug mit drei Jahren bis zum studierten Profischlagwerker. Liest sich wie ein Traum, war aber sicherlich auch manchmal ein hartes Brot oder?

Heiko Braun: Als freischaffender Musiker muss man immer wieder an sich selber arbeiten, und was da in meiner Vita steht, ist wirklich hart erarbeitet. Nur so entstehen Kontakte zu anderen Leuten, und man muss immer, immer wieder höchstes Niveau spielen, auch im kleinsten Club, weil selbst, wenn da nur zwei Leute sitzen und zuhören, könnte ja einer der beiden Quincy Jones oder sonst wer sein. Als freischaffender Musiker musst Du immer Vollgas geben und voll konzentriert sein, aber gerade das ist das Schöne am Job.

Bist Du denn trotz Deines Einstiegs noch freischaffender Künstler? Und machst Du auch weiterhin andere Projekte, wenn dir Zeit dafür bleibt?

Heiko Braun: Ja, ich bin jetzt beides: freischaffender Künstler, auch Mitglied der Höhner, aber kein Mitglied der GbR. Somit kann ich noch alles andere machen, aber ob ich dazu überhaupt die Zeit haben werde, kann ich noch gar nicht sagen. Das muss die Zukunft zeigen. Tendenziell würde ich schon gerne auch noch andere Sachen machen, weil es ja auch ein bisschen Frische ins Musikerleben bringt.

Zum Abschluss noch die Frage: Welchen Bezug hast Du noch zu Simmerath und zur Eifel und wie oft bist Du noch in hiesigen Gefilden?

Heiko Braun: Leider bin ich nicht mehr so oft in der Eifel, weil die Zeit es einfach nicht mehr zulässt. Mein Bezug sind natürlich noch meine Eltern und mein Bruder Henning und seine Familie und natürlich Freunde – wie die Band KTK, bei der ich sehr gerne öfter mitspielen würde, wozu ich aber leider kaum noch Zeit finde. Da ist dann schon eine Stunde Autofahrt wertvolle Zeit, obwohl die Eifel jetzt nicht so weit von Köln entfernt ist. Das ist schade, aber ab und zu bin ich schon mal da, man sieht sich und hat Spaß. Wenn ich dann in der Eifel bin, fahre ich auch gerne nach Monschau und kaufe den leckeren Monschauer Senf.

(Heiner Schepp)
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