Nordeifel: Fremdenverkehr im Monschauer Land: Historischer Rückblick

Nordeifel: Fremdenverkehr im Monschauer Land: Historischer Rückblick

Der Eifel und insbesondere dem Monschauer Land war er immer zugetan, Dr. Josef Effertz. Seine Partei, die FDP, hatte ihn in den ersten Nachkriegsjahren in hohe Ämter delegiert. So gehörte die Eifel zu seinem für Landwirtschaft und Forsten zuständigen Aufgabenbereich, und ehe der Regierungsbezirk Aachen aufgelöst wurde, war Dr. Effertz einige Jahre als Präsident dieses Regierungsbezirkes tätig.

Als er in seiner Amtszeit von Journalisten gefragt wurde, wo denn beim Wiederaufbau in der vom Krieg verwüsteten Eifel der Schwerpunkt zu sehen sei, gab er seine Überzeugung mit einem Wort kund: „Fremdenverkehr“. In Monschau und den Dörfern ringsum fand er indes nicht ungeteilten Beifall. Die schöne Landschaft, so stimmte man ihm zu, sei ein wertvolles Kapital.

Aber sonst? Keine Hotels und Gaststätten, in denen Ausflügler angemessen untergebracht werden könnten, unzulängliche Verkehrsmittel, die ermöglichen würden, sich auch die Nachbarschaft eines Feriendorfes anzusehen, keine Festspiele mehr und auch sonst wenig Veranstaltungen geselliger Art, schließlich eine Saison, die bestenfalls von Mai bis Oktober reichte, danach mitunter so harte eis- und schneereiche Winter, dass Pioniere der Bundeswehr das Eis auf der Rur hätten sprengen müssen; kurz: von November bis Mai „tote Hose“.

Sache des Kreises

Der Minister hielt dagegen: Es gelte, einen „modernen Fremdenverkehr“ aufzubauen. Wenig bringe es, wenn jedes Dorf in dieser Branche für sich „kleckere“. Es müsse „geklotzt“ werden. Sache des Kreises sei es, für den gesamten Kreis ein Fremdenverkehrsamt aufzubauen, das die Wertung steuere und alles quasi unter einen Hut bringe; Monschau mit seinem unvergleichlichen Stadtbild, die Dörfer und das Gebiet um den Rursee, alles Bestandteile einer Palette, die für den Fremdenverkehr wie geschaffen sei.

Schließlich sollte die Zusammenarbeit auch über die Grenzen des Monschauer Landes hinausreichen und das Schleidener Land ebenso umfassen wie die Stadt Aachen. Aber es wurde nicht im Sinne des Ministers Dr. Effertz „geklotzt“, es wurde lokal „gekleckert“, so, als es im Kreistag hieß, die Stadt Monschau und der Kreis sollten zum Start jeder 5000 DM aufbringen. Solches „Ansinnen“ wies die Fraktion der SPD nachdrücklich zurück.

Warum sollte Monschau 5000 Mark in eine gemeinsame Kasse zahlen, die von der Stadt und vom Kreis „gespeist“ würde, von der aber alle „Konkurrenzorte“ ihren Nutzen hätten? Fraktionssprecher Ludwig Kirch sprach Klartext: Wie komme Monschau dazu, einen stattlichen Geldbetrag in eine gemeinsame Kasse zu zahlen und damit für den Rursee zu werben! Aus Schmidt kam der Vorschlag, die Gemeinden Schmidt, Strauch und Steckenborn sollten eine Werbegemeinschaft bilden und bis in die Vereinigten Staaten für sich werben, denn „drüben“ seien die Namen dieser Dörfer aus Berichten über die Kämpfe im Hürtgenwald noch sehr bekannt.

Taktik geht auf

Das Dorf Schmidt konnte sogar darauf verweisen, dass man bereits über 28 Gästebetten verfüge. Da wollte Rurberg nicht zurückstehen und versicherte in Richtung Monschau, Rurberg sei bereits in der Lage, doppelt so viel Gäste aufnehmen zu können wie Monschau. War wenigstens die Einrichtung eines Amtes für Fremdenverkehr durch den Kreis ein Signal für die Zusammenarbeit? Mitnichten. Dieses Amt war nämlich aus zwei sehr unterschiedlichen Gründen geplant worden, das Gerücht wollte wissen, dass beide Bereiche gleichwertig seien.

Einmal ging es um Werbung, aber dieses Amt wolle auch ein Problem lösen — die personelle Besetzung. Vater des Gedankens war der zweite Vorsitzende der Kreis-CDU, Studienrat Josef Bellut. Bellut hatte einen parteipolitisch listigen Plan ersonnen. Der sah so aus und wurde auch so vom Kreistag abgesegnet: Direktor des Verkehrsbüros sollte SPD-Sekretär Ludwig Kirch werden.

Kirch hatte in den ersten Nachkriegsjahren eine harte Klinge geschlagen, und war vor allem für die junge Christen-Union ein stetes Ärgernis gewesen. Wenn man diesen „Lautsprecher der SPD“, so die Umschreibung des Stellenproblems, in die Dienste des Kreises übernehme, sei der „Lautsprecher“ damit abgestellt. Die Rechnung ging auf. Der Kreis baute das Cafe „Niederlande“ gegenüber der evangelischen Kirche um, schuf dort drei Diensträume für das dreiköpfige Personal, und der Fremdenverkehr sollte Flügel bekommen.

Kaum jedoch war der Start geglückt und die Taktik der CDU aufgegangen, war damit auch der parteipolitische Konkurrent SPD für Jahre von der Bildfläche verschwunden, das wusste das Gerücht von Ungemach um das Verkehrsbüro zu berichten. Auf dem Programm für eine Sitzung des Kreis-Hauptausschusses stand der Punkt: „Fall Fremdenverkehrsamt“.

Der „Fall“ wurde zwar in nichtöffentlicher Sitzung behandelt, aber die Presse erfuhr dennoch, was entschieden worden war, nämlich dieses: Es wurde einstimmig beschlossen, den Leiter des Fremdenverkehrsamtes Ludwig Kirch in die Gehaltsstufe 8 zurückzustufen und Kirch in einer anderen Abteilung der Kreisverwaltung zu beschäftigen. Das Gerücht lieferte auch eine weitere Information. Kirch wurden „Unregelmäßigkeiten im Dienst“ vorgeworfen. Kirch kündigte zwar an, sich juristisch zur Wehr zu setzen, aber das erübrigte sich, weil er auch zu einem Fall für Staatsanwalt und Gericht geworden war.

Nun war der Kreis wieder ohne Verkehrsamt. Es wurde bald geschlossen. Es hatte seinen Zweck jedenfalls in einem Punkt erfüllt, den parteipolitisch-personellen. Zu einer nennenswerten Werbung hatte es nicht gereicht. Ludwig Kirch stand indes das Glück zur Seite. In Düsseldorf stellt nach einer Wahl wieder die CDU den Ministerpräsidenten, und der erließ anlässlich seiner Bestallung als Landesvater eine Amnestie, die kleinere Gesetzesvorlagen für straffrei erklärte.

Ludwig Kirch sagte der Kreisverwaltung ade, schloss sich der Jungen Union und der CDU an, machte innerhalb der Sozialausschüsse der CDU eine kleine Karriere und entschied sich schließlich für die Bundeswehr, bei der er es auch nicht auf der untersten Sprosse beließ. Er avancierte zum Vorsitzenden des Personalrates des Wehrbereiches zwei und damit zum Sprecher von über 10 000 Bediensteten der Bundeswehr in diesem Wehrbereich. Die Rehabilitierung war erreicht, als ihm im Kreise seiner 25 Freunde des Personalrates in Düsseldorf des Bundesverdienstkreuz angeheftet wurde.

Zunächst nur auf Sparflamme

Aus den großen Plänen des Ministers Dr. Effertz um den Fremdenverkehr wurde über Jahre hinaus nichts. Es wurde wieder „gekleckert“. Jede Gemeindevertretung, die überhaupt etwas von der Förderung des Fremdenverkehrs hielt, brachte gelegentlich einen Prospekt zustande, aber System kam erst in die Sache, nachdem Landrat Hans Georg Weiss nach vielen Jahren das verwirklichte, was dem Minister vorgeschwebt hatte. Aber bis dahin wurde, wenn überhaupt, nur auf Sparflamme geworben.

So stellte die Stadt Monschau einen Angestellten des Monschauer Arbeitsamtes als Leiter des Fremdenverkehrsamtes ein. Sie ermahnte die Ausflügler, die dazu übergegangen waren, vor Erreichen des Ausflugszieles Monschau in eine leichtere Bekleidung zu schlüpfen, und diskutierte in vielen Sitzungen darüber, wie man in Monschau den zunehmenden motorisierten Verkehr bewältigen könne.

An Parkplätzen mangelte es von Saison zu Saison immer mehr. Wichtigster Parkplatz war damals der Marktplatz, auf dem Parkgebühren kassiert wurden, sodass davon eine Familie leben konnte. In der Saison schlängelte sich oft eine endlose Autokolonne durch die engen Straßen — alle bereit, dort vor Anker zu gehen, wo ein freies Fleckchen entdeckt wurde.

Ein aus Monschau stammender Rechtsanwalt machte die Stadt sogar darauf aufmerksam, dass es nicht erlaubt sei, jede mögliche Fläche mit Parkgebühren zu belegen, denn auf eine bestimmte Zahl an „gebührenpflichtigen“ Parkplätzen müsse eine bestimmte Zahl an gebührenfreien Parkplätzen zur Verfügung stehn.

Tunnel wurde nicht gebaut

Der Stadtrat sah sich in vielen Sitzungen gezwungen, sich Gedanken darüber zu machen, wie die Stadt denn der Verkehrsprobleme Herr werden könne. Da wurde sogar der Plan entwickelt, als Fortsetzung der Umgehungsstraße einen Tunnel zu bauen, der bis in die Gemarkung Stoeben führe, den Durchgangsverkehr also um Monschau herumleiten solle. Aber da machte der Gewerbe- und Verkehrsverein Monschau nicht mit. Wer Monschau als Reiseziel anpeile, müsse auch eingelassen werden. Von einer Umleitung bis zur Gemarkung Stoeben würden Schleiden und die Südeifel profitieren.

So wurde aus dem Plan, einen Tunnel zu bauen, wozu das Land wohl sogar einen Zuschuss bewilligt hätte, nichts. Erst als in Monschau die Textilbetriebe reihenweise in Konkurs gingen, war Platz für wirklich großräumige Parkplätze und Parkhäuser vorhanden. Ab dann gab es, was die Parkplätze betrifft, nur noch ein Problem: Wer Monschau ansteuert, um hier einen Tag oder auch länger zu verweilen, hält nach einem gebührenfreien Parkplatz weiterhin vergebens Ausschau.

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